Anteil News-Deprivierter nimmt erneut zu

„News-Deprivierte“ sind Nutzerinnen und Nutzer, die in der „neuen Medienwelt“ zu Hause sind. Nachrichten stehen aber nicht auf der Prioritätenliste. Ihr Themeninteresse ist punktuell und primär an Softnews orientiert. Wenn Newsangebote genutzt werden, sind sie in der Regel kostenlos. Wie die Auswertung der aktuellen Daten zeigen, steigt der Anteil dieses Repertoiretyps im Jahr 2017 erneut. 

Von 2009 auf 2017 ist der Anteil der „News-Deprivierten“ in der Schweiz um ganze 11 Prozentpunkte gestiegen (vgl. Abbildung). Heute zählen 32% der Wohnbevölkerung zu diesem Repertoiretyp. Die Selbstbeschreibung der „News-Deprivierten“ könnte lauten: „Smartphone, Internet und Social Media sind mein Ding, News dagegen weniger.“

Dieser Mangel an News wird durch den Begriff der „Deprivation“ als sozial und gesellschaftspolitisch bedenklicher Zustand erfasst. Die charakteristische Unterversorgung mit News geht wohl einher mit einer verminderten Kompetenz, News angemessen zu verarbeiten und in Abwägung unterschiedlicher Interpretationsangebote eine eigene Meinung auszubilden.

Die Auswertungen zur Soziodemografie zeigen, dass beim Repertoiretyp der „News-Deprivierten der Frauenanteil (60%) signifikant erhöht ist. Zudem ist es der Typ mit den jüngsten Nutzerinnen und Nutzern – 40% sind unter 30 Jahren. Es ist zu befürchten, dass sich die tendenzielle News-Unterversorgung der 16- bis 29-Jährigen zu einem Generationeneffekt auswachsen könnte. Dies insofern, als in dieser prägenden Phase keine vielfältige Informationsnutzung stattfindet und gleichsam eine Gewöhnung an den diagnostizierten Mangelzustand eintreten könnte.

Den Gegenpol zu den „News-Deprivierten“ bilden die „Intensivnutzer“ (vgl. Abbildung). Dieser Repertoiretyp nutzt ein sehr breites Spektrum von traditionellen und neuen Medien, um sich über Nachrichten zu informieren. News bilden einen Fixpunkt im Alltag der „Intensivnutzer“. Die Nutzung von vielfältigen und qualitativ hochwertigen Angeboten gehört zum Selbstverständnis dieses Typs, der sich wohl als aufgeklärter, gesellschaftlich interessierter Zeitgenosse beschreiben würde.

Auch aus soziodemografischer Perspektive unterscheiden sich die „Intensivnutzer“ stark von den „News-Deprivierten“. „Intensivnutzer“ sind überwiegend männlich (60%). Zudem lassen sich hier die höheren Bildungsabschlüsse finden. Im Vergleich zu den „News-Deprivierten“ ist der Anteil an über 50-Jährigen deutlich erhöht. Dennoch sind rund 20% der „Intensivnutzer“ unter 30 Jahre alt. Es scheint also auch in der jungen Generation nennenswerte Anteile von Nutzerinnen und Nutzern zu geben, die von den Medienmachern mit ihrem gegenwärtigen Angebot angesprochen werden. Damit wachsen weiterhin junge „Intensivnutzer“ nach. Dieser Befund lässt erhoffen, dass auch in Zukunft hochwertiger Journalismus nachgefragt wird.

 

Neben den beiden hier beschriebenen „Intensivnutzern“ und „News-Deprivierten“ gibt es vier weitere Repertoiretypen. Sie alle charakterisieren sich durch einen je unterschiedlichen Umgang mit Nachrichten und prägen demzufolge das Bild, das diese Nutzerinnen und Nutzer von der Welt haben. Die Herleitung der Repertoiretypen sowie sämtliche Ergebnisse sind in der im Jahr 2016 veröffentlichten fög-Studie „Wie Mediennutzer in die Weltschauen.“ festgehalten.

Methodische Anmerkungen:

Die Datenbasis für die Newsrepertoires stammen aus einer Befragung, die das fög zusammen mit GfK Switzerland durchführt. Das Erhebungsinstrument blieb seit 2009 stabil und erlaubt deshalb Zeitreihenanalysen.

Steckbrief:

3‘400 Online-Interviews pro Jahr
Wohnbevölkerung der Deutschschweiz und der Suisse romande
Alter: 16-69 Jahre
Zeitraum: 2009-2017, jeweils zum Jahresbeginn