Die Energiestrategie 2050 auf Twitter

Seit Donald Trump via Twitter den US-Wahlkampf aufgemischt hat, ist das soziale Netzwerk in aller Munde. Twitter wird auch in der Schweiz von politischen Akteuren genutzt, auch wenn hierzulande deutlich kleinere Brötchen gebacken werden. Besonders während Abstimmungen wird das Netzwerk von Campaignern in der Schweiz eingesetzt. Da sich auf Twitter viele Medien, Journalisten und andere Influencer bewegen, kann mit einer gezielten Twitter-Strategie die Verbreitung der eigenen Anliegen und Argumente erhöht werden.

Auch zur Energiestrategie 2050 wurde fleissig getwittert. 5797 User verfassten in den letzten sechs Wochen 33'778 Tweets zur Energiestrategie 2050. Doch wer viel twittert, ist nicht automatisch erfolgreich. Das zeigt sich an der Anzahl Retweets, welche die User mit ihren Tweets generiert haben.

Besonders effizient hat das Ja-Komitee agiert. Mit 73 Tweets hat man insgesamt 1570 Retweets generiert. Das macht im Schnitt 22 Retweets. Ebenfalls effizient waren mit FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen (@cwasi) und BaZ-Journalist Dominik Feusi (@feusl) zwei Gegner der Vorlage. Sie repräsentieren als Politiker und Journalist zwei der häufigsten und am besten vernetzten Nutzergruppen. Aktiv, wenn auch mit geringerer Wirkung, war die CVP als Akteurin der Mitte und Befürworterin der Energiestrategie. Für den Partei-Account (@CVP_PDC) und ihre Kampagnenleiterin (@LauraCurau) reichte es für die Top Ten der erfolgreichsten Retweet-Sammler. Dass man auch mit Beharrlichkeit zum Ziel kommt, beweisen die zwei aktivsten Nutzer. Urs Bolt und Werner Bechtel agierten nicht effizient, konnten aber mit einer «Strategie der vielen Tweets» eine stattliche Anzahl Retweets generieren. Durch ihre periphere Verortung im Follower-Netzwerk erreichen sie aber meist nur einige wenige Gleichgesinnte.

Datengrundlage für diese Kurzanalyse sind sämtliche Tweets, die zwischen dem 10. April und dem 17 Mai 2017 zur Energiestrategie 2050 auf deutsch, französisch und italienisch veröffentlicht wurden. Die Tweets wurden über die geläufigen Hashtags und Keywords gesucht und über die Twitter API heruntergeladen. Tweets die keinen Bezug zur Schweiz haben, wurden aus dem Dataset entfernt. Die verwendeten Daten sind Bestandteil einer umfangreichen Studie zur ES2050 auf Twitter die das fög durchführt. Die Untersuchung analysiert das Follower-Netzwerk der am Diskurs beteiligten Twitter-User und liefert detaillierte Erkenntnisse zu den einzelnen Communities und zur Dynamik in der Debatte. Die Hauptbefunde werden nächste Woche publiziert