Medienagenda 2. Quartal 2017

Die Bundesratsersatzwahl gehörte nach dem Rücktritt von Didier Burkhalter von Mitte Juni im zweiten Quartal 2017 bereits zu den zwanzig wichtigsten Themen (Rang 17). Aufgrund der gestiegenen Aufmerksamkeit der Schweizer Medien für Exekutivwahlen ist zu erwarten, dass das Ereignis in den nächsten Wochen in der Themenhierarchie noch aufsteigen wird. Die Auslandsberichterstattung war zwischen April und Juni von der politischen Agenda Frankreichs geprägt: Nicht nur die Präsidentschaftswahlen (Rang 1) sorgten für viel Aufmerksamkeit, sondern auch die Parlamentswahlen und die neue Regierung um Emmanuel Macron.

Bundesratsersatzwahlen versprechen Resonanz

Wie eine Untersuchung des fög über die Wahlberichterstattung in der Schweiz seit den 1960er-Jahren zeigt, stieg die Bedeutung von Exekutivwahlen in Schweizer Medien in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich an (vgl. Udris/Lucht/Schneider 2015).

In einem kommerzialisierten Mediensystem, in dem Politik vermehrt „im Modus personalisierter und emotionalisierter Berichterstattung“ transportiert wird, stehen Personen und Konflikte zunehmend im Mittelpunkt. Das zeigt sich auch in der Wahlberichterstattung: Bundesratswahlen, und dabei insbesondere Ersatzwahlen ohne klaren Wahlausgang, erhielten im Vergleich mit Parlamentswahlen länger wie mehr Aufmerksamkeit.

Ein Tessiner?

Obwohl der Rücktritt Burkhalters erst zwei Wochen vor Quartalsende bekannt gegeben wurde, rangieren die Ersatzwahlen bereits auf Platz 17 der Themenhierarchie. Besonders intensiv hat dabei der Blick berichtet: Im Juni war die Ersatzwahl das wichtigste politische Thema des Boulevardblattes. Dass stärker kommerzialisierte Medien intensiver über Bundesratswahlen berichten, zeigte sich ebenfalls bereits in der Vergangenheit und insbesondere bei konfliktintensiven Wahlen.

Bei der Suche geeigneter Kandidierender herrscht bei den bevorstehenden Wahlen in Bezug auf die Parteizugehörigkeit offenbar Einigkeit, eine FDP-Nachfolge scheint unbestritten. Rege debattiert wird dagegen die Frage der Herkunft. „Und jetzt ein Tessiner!“ titelte der Blick (15.06.17) beispielsweise und nahm damit die oft genannte Forderung auf, der Südkanton müsse nach 18 Jahren ohne Vertretung in der Landesregierung berücksichtigt werden. Am meisten genannt als möglicher Nachfolger wurde im Juni denn auch FDP-Nationalrat und Bundeshaus-Fraktionspräsident Ignazio Cassis. Unumstritten ist er allerdings nicht. So findet unter anderem der Tages-Anzeiger (30.06.17): „Muss es tatsächlich ein Tessiner sein?“ Konfliktpotenzial hat auch Cassis‘ Engagement für die Krankenkassen-Branche. Und müsste es nicht auch eine Frauenkandidatur geben? Im Juli hat sich nach Isabelle Moret und Laura Sadis auch die Waadtländer Staatsrätin Jacqueline de Quattro in Stellung gebracht.

Resonanzstarke Wahlen aus dem Ausland

Nicht nur Schweizer Exekutivwahlen sorgen für umfassende Medienresonanz, sondern auch solche aus dem Ausland. Die französischen Präsidentschaftswahlen waren im ersten Quartal 2017 das Top-Ereignis und waren es im zweiten erneut. „Europas neue Lichtgestalt“ (Tages-Anzeiger, 23.06.17), Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron, gewann die Stichwahl der Präsidentschaftswahlen gegen Marine Le Pen deutlich und konnte mit seiner Partei „La République en marche“ danach auch bei den Parlamentswahlen reüssieren (Rang 7). Getrieben durch die sehr umfassende Berichterstattung in den Medien der Suisse romande rangiert Macrons neue Regierung auf Platz 5 der Themenhierarchie.

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