Medienagenda - Themen im August 2017

Die Bundesratsersatzwahlen waren im August erstmals das Top-Thema des Monats. Für umfassende Aufmerksamkeit sorgten daneben die bevorstehende Abstimmung über die Reform der Altersvorsorge und zahlreiche Krisen- und Katastrophenereignisse: Der Terroranschlag von Barcelona, der Hurrikan Harvey und der Bergsturz in Bondo, die Ausschreitungen in Charlottesville und der Atomwaffenstreit mit Nordkorea.

Bundesratswahlen: Spannung sorgt für Resonanz

Die drei offiziell nominierten FDP-Kandidierenden für die Nachfolge von Didier Burkhalter – Isabelle Moret, Ignazio Cassis und Pierre Maudet – konnten sich im August auch resonanzseitig deutlich von der Konkurrenz abheben: Sie erhielten nicht nur deutlich mehr Aufmerksamkeit als in den Vormonaten, sondern auch deutlich mehr als die Nichtnominierten. Der gemeinhin favorisierte Cassis generierte mit 539 Nennungen rund 16% bzw. 23% mehr Beachtung als die Kandidierenden der Suisse romande, Moret und Maudet.

Abstimmung über die Ernährungssicherheit kaum beachtet

Viel Medienresonanz generierte im August auch die bevorstehende Abstimmung über die Altersvorsorge 2020 (Rang 3). Wie der Abstimmungsmonitor zeigt, wird die Vorlage öffentlich sehr ausgeglichen diskutiert: Zustimmung und Kritik halten sich die Waage, wobei die FDP am meisten Aufmerksamkeit erhält. Die Kontroverse verschafft der Vorlage nicht nur deutlich mehr Resonanz als der thematisch ähnlichen „AHVplus“-Initiative vor einem Jahr, sondern auch deutlich mehr als der Vorlage über die Ernährungssicherheit. Diese rangiert auf der Medienagenda nur knapp innerhalb der Top 100.

Katastrophenereignisse im In- und Ausland

Naturkatastrophen haben hohen Nachrichtenwert und sorgen deswegen regelhaft, jedoch meist kurzfristig für viel Berichterstattung. Im August gab es gleich zwei solche Ereignisse, welche Eingang in die vorderen Ränge der Medienagenda fanden. Zum einen der Bergsturz in Bondo (Rang 7) und zum anderen der Hurrikan Harvey (Rang 9). Mit dem Anschlag von Barcelona (Rang 2) rangiert zudem und erneut ein islamistisch motiviertes Terrorereignis in den Top 10. Der Umstand, dass der Täter vorerst flüchtig war und eine Spur in die Schweiz führte, sorgte dafür, dass die Berichterstattung relativ lange anhielt. 

Bedeutungsverlust der Politikberichterstattung

Noch deutlicher als im Juli machte sich im August das Sommerloch bemerkbar. Nicht nur Human Interest-, sondern auch Sport-, Wirtschafts- und Kulturthemen erhielten auf Kosten der Politik (-10%) viel Resonanz. In Sachen Sport rangiert zwar nur die Leichtathletik-WM in London (Rang 6) in den Top 10, dahinter folgen aber zahlreiche weitere resonanzstarke Themen (bspw. Transfer Neymar Jr., Unspunnenfest, Rücktritt Usain Bolt). Aus dem Bereich Kultur ist das Filmfestival Locarno in den Top 10 platziert (Rang 8).

Auslandsberichterstattung mit Fokus USA

Die Auslandsberichterstattung wurde erneut von den Geschehnissen in den USA geprägt. Neben Hurrikan Harvey sorgten insbesondere die Ausschreitungen in Charlottesville für umfassende Berichterstattung (Rang 10). Thematisiert wurde dabei häufig Donald Trump, dessen Reaktionen auf die Ereignisse für viel Kritik sorgten. Seit Februar 2016 und dem Beginn der Wahlberichterstattung gab es somit keinen Monat, in welchem Trump nicht in den Top 10 aufgetaucht war.

Eine prominente Rolle spielen die USA auch im Atomwaffenstreit mit Nordkorea (Rang 4). Das Ereignis sorgt für umfassende Medienresonanz, auch in den Boulevard- und Gratismedien. Der Blick schreibt vom „irren Kim" und titelt: "Welt in Angst!" (12.8.2017). Die Flüchtlingskrise (Rang 5) komplettiert die Top 10 des Monats: Sie erhielt aufgrund der Fokussierung auf die repressive Politik der EU im Mittelmeerraum trotz sinkender Flüchtlingszahlen etwas mehr Resonanz als zuletzt.