Wie in der Medienkrise über Wissenschaft berichtet wird

Hintergrund

In dieser fög-Studie wird argumentiert, dass die Wissensproduktionsstätte Wissenschaft seit den 1970er Jahren in der öffentlichen, medienvermittelten Kommunikation mit zunehmenden Legitimationsproblemen kämpft. Es steht die These im Zentrum, dass das Handlungssystem Wissenschaft einem erhöhten Problematisierungsdruck ausgesetzt ist.

Dieser Druck hat zur Konsequenz, dass wissenschaftliches Wissen den Nimbus des Unhinterfragbaren verliert und die Wissenschaft in jüngster Zeit mit akzentuierten Reputationsrisiken konfrontiert wird.

Der vermutete öffentliche Problematisierungsdruck auf das System Wissenschaft wird in unserer Studie mithilfe einer Inhaltsanalyse Schweizer Leitmedien aller Mediengattungen aus historischer (1945-2013) und gegenwartsbezogenen Perspektive (2009-2013) empirisch überprüft (Eisenegger/Gedamke 2013).

Befunde

  1. Im Langzeitvergleich zeigt sich eine Zunahme an problematisierend-skandalisierender Berichterstattung über das Handlungssystem Wissenschaft.
  2. Die gegenwartsbezogene Analyse zeigt ein zweigeteiltes Bild
    1. In Zeiten einer strukturellen Medienkrise und Ressourcenarmut wird Wissenschafts-PR massenmedial gerne und zumeist unkritisch übernommen. Hierbei handelt es sich häufig umd Kurz- und Agenturmeldung mit stark vermeldendem und werfreiem Charakter (vgl. Abb. 1: Innerwissenschaftliche Ereignisse).
    2. Journalistische Ressourcen werden mehrheitlich nur dann aktiviert, wenn die Möglichkeit besteht, Wissenschaft zu problematisieren oder sogar zu skandalisieren. In diesem Kontext sind sowohl umfangreichere, als auch kritischere Berichte zu verzeichnen (vgl. Abb.1: Hochschul- und Wissenschaftspolitik).
Abbildung 1

Literatur

Mark Eisenegger & Susanne Gedamke (2013): Wissenschaft in den Medien. Zur Logik medialer Wissenschaftsthematisierung. In: medien & zeit, 4/2013, S. 34-44.