Berichterstattungsdynamik über den Klimawandel und die Weltklimapolitik

Heute Montag, 30. November 2015, beginnt in Paris die 21. UN-Klimakonferenz. Ziel dieser Konferenz ist die Vereinbarung eines internationalen Klimaschutzabkommens als Nachfolgeregelung des Kyoto-Protokolls. Auch verschiedene Schweizer Medien haben im Vorfeld mit Spezial-Seiten auf den wichtigen Event hingewiesen. Aber wie sieht es mit der langfristigen Medienaufmerksamkeit für die Klimathematik in den Schweizer Medien aus?

Wie die Analyse der Berichterstattungsdynamik über den Klimawandel und die Weltklimapolitik zeigt, verhelfen die jährlich stattfindenden Klimagipfel der Thematik zwar wiederkehrend zu öffentlicher Aufmerksamkeit, doch vermögen sie die Klimadebatte seit 2009 nicht mehr nachhaltig zu prägen.

Seit das Kyoto-Protokoll im Februar 2005 in Kraft getreten ist, lassen sich in Bezug auf die öffentliche Thematisierung des Klimawandels und der Weltklimapolitik grob zwei Phasen beschreiben. Während zwischen 2005 und 2009 insgesamt umfangreich über die Thematik berichtet wurde, nimmt die Reflexion ab 2009 deutlich ab. Die jährlichen Gipfeltreffen erzeugen immer weniger Aufmerksamkeit, und dazwischen wird das Weltklima nur noch sporadisch zum Thema gemacht.

Während Ereignisse wie die Flüchtlings- und Asylpolitik und diverse Konfliktherde (u.a Ukraine, Nahostkonflikt, Kampf gegen IS in Syrien und Irak) von Medien und Politik 2015 starke Beachtung erfahren, finden die Fürsprecher der Klima-Thematik weit weniger Aufmerksamkeit. In diesem Jahr (Zeitraum 1.1. bis 27.11.2015) rangiert das Kommunikationsereignis zur Weltklimapolitik auf Rang 156 der wichtigsten Themen der Schweizer Medien.

Ein anderes Bild zeigt sich für die Zeit vor 2009: Mit dem ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten Al Gore hatte der Kampf gegen die globale Erwärmung ein prominentes Gesicht. Insbesondere mit seinem preisgekrönten Dokumentarfilm „An Invconvenient Truth“ verhalf er der Thematik ab der zweiten Jahreshälfte 2006 medienwirksam zu weltpolitischer Relevanz. Die Klimaerwärmung wurde in der Phase rund um die Gipfel von Nairobi und Bali auch aufgrund dessen als wichtiges Thema wahrgenommen.

Die Klimakonferenz in Kopenhagen vom Dezember 2009 hatte das Ziel, eine Nachfolgeregelung für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zu vereinbaren. Diesem Klimagipfel wurde deswegen bereits im Vorfeld eine hohe Bedeutung beigemessen. Zu Stande kam jedoch nur ein Minimalkonsens ohne verbindliche Reduktionsziele bis 2020. In Paris soll nun gelingen, was in Kopenhagen gescheitert war: Die Vereinbarung eines neuen weltweiten Klimaabkommens, das die Staaten durch verbindliche Ziele in die Pflicht nimmt.