Medienagenda Mai 2015

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Skandale auf den Top-Rängen

Dass Skandale durch eine besonders starke Medienberichterstattung geprägt sind, zeigt sich im Mai gleich doppelt: Nicht nur über den FIFA-Korruptionsskandal, sondern auch über die Kasachstan-Affäre und das zweifelhafte Lobbying-Mandat von FDP-Nationalrätin Christa Markwalder wurde in allen analysierten Zeitungen innerhalb kurzer Zeit enorm viel geschrieben. Die FIFA-Affäre schaffte so problemlos den Sprung an die Spitze der Medienagenda im Mai, obwohl diese erst am 27. Mai ins Rollen kam und bis Ende Monat nur drei für die Analyse relevante Publikationstage folgten.

Veränderter Diskurs über die Flüchtlingskrise

Im April hat ein dramatisches Bootsunglück, bei dem Schätzungen zufolge mehr als 800 Flüchtlinge ums Leben kamen, die Debatte über die Flüchtlingskrise im Mittelmeer neu lanciert. Der Diskurs wurde auch im Mai weitergeführt, allerdings mit inhaltlich anderem Fokus. Während im April vor allem die dramatischen Zustände auf dem Mittelmeer und in den Empfangszentren umfangreich geschildert wurden, waren im Mai die Massnahmen der EU thematischer Schwerpunkt der Berichterstattung. Diese lassen sich weniger moralisch und emotional vermitteln, womit die Debatte an Attraktivität für die Gratis- und Boulevardmedien verlor. Dieser Umstand manifestiert sich im Abstieg des Kommunikationsereignisses auf Rang 10 der wichtigsten Themen des Monats. Das Quotenmodell zur Umverteilung der Flüchtlinge in Europa einerseits und das militärische Vorgehen gegen Schlepperbanden andererseits wurden nur noch von den Qualitätszeitungen Le Temps, NZZ und Tages-Anzeiger prominent thematisiert.

Mehr Berichterstattung als in den Vormonaten gab es im Mai dagegen über die Asylpolitik der Schweiz (Rang 9), welche inhaltlich durch die Flüchtlingskrise im Mittelmeer befeuert wurde. Linke wie rechte Politiker bezogen Stellung dazu, wie sich die Schweiz im Kontext der Flüchtlingskrise positionieren solle. Hinzu kamen die Diskussionen über die Abschaffung der Härtefallkommission im Kanton Zürich und das neue Asylverfahrenszentrum in Zürich-West.

Weitere Politikthemen aus dem In- und Ausland

Neben der Kasachstan-Affäre und der Asylpolitik sorgte im Vormonat der nationalen Abstimmungen mit der RTVG-Vorlage ein weiteres innenpolitisches Ereignis für überdurchschnittlich viel Berichterstattung. Das Kommunikationsereignis rangiert auf Platz 3, während die anderen Abstimmungsvorlagen weit weniger Resonanz erzielten (vgl. Abstimmungsmonitor). Über die Eidgenössischen Wahlen vom Herbst wurde im Mai etwas weniger berichtet als im Vormonat, dennoch rangiert das KE weiterhin in den Top 10 (Rang 8).

Wieder mehr Berichterstattung als im April gab es über den andauernden IS-Konflikt in Syrien und Irak (Rang 6). Insbesondere in den Qualitätszeitungen Le Temps, NZZ und Tages-Anzeiger wurden die neusten Entwicklungen resonanzstark thematisiert, wobei die Kämpfe um die antike Oasenstadt Palmyra und um Ramadi im Fokus standen. Nicht ausschliesslich, jedoch weit prominenter als die Boulevard- und Gratiszeitungen, beschäftigten sich diese Medien auch mit dem Ende des 2. Weltkriegs, das sich zum 70. Mal jährte (Rang 5).

Viel Medienresonanz für die Bluttat von Würenlingen und das Filmfestival von Cannes

Aussergewöhnlich resonanzstark thematisiert wurde im Mai über alle analysierten Medien hinweg mit der Bluttat von Würenlingen ein klassisches Boulevard-Ereignis. Zwar widmete die Boulevardzeitung Blick dem Amok deutlich am meisten Aufmerksamkeit, doch haben auch die analysierten Zeitungen der Suisse romande und die Abonnementszeitungen der Deutschschweiz laufend über den Stand der Ermittlungen informiert. Abgerundet wird die Medienagenda des Monats Mai vom Kommunikationsereignis über das Filmfestival von Cannes, über welches insbesondere im Le Temps umfangreich berichtet wurde (Rang 4).