Medienagenda Juni 2015

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Showdown um die drohende griechische Staatspleite

Nachdem sich die Berichterstattung über die Eurokrise in den vergangenen Monaten immer mehr auf die überregionalen Zeitungen NZZ, Le Temps und Tages-Anzeiger beschränkte, wurde im Juni aufgrund der dramatischen Entwicklungen auch in der Boulevard- und Gratispresse wieder intensiver darüber berichtet. Dabei hat sich der Ton im Zuge der zähen Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung und den Gläubigern, der Möglichkeit eines Staatsbankrotts und im Hinblick auf das bevorstehende Referendum in Griechenland zunehmend verschärft. Kommentare häuften sich, in denen die linke griechische Regierung und die Bevölkerung des Landes ungewohnt hart diskreditiert wurden: "Die Bürger warten offenbar lieber ab, als Steuern zu begleichen. Und auch die Syriza-Regierung übt sich im Klientelismus. Ihre Spitzenexponenten halten gerne anderen Vorträge, wie unmenschlich dumm die bisherige Spar- und Sanierungspolitik war. Konkrete Sanierungsarbeit scheint ihnen weniger zu liegen." (NZZ, 23. Juni, S. 19)

FIFA-Korruptionsskandal in allen Medien virulent diskutiert

Neben der Eurokrise war im Juni der Fortgang der FIFA-Korruptionsaffäre mit dem unerwarteten Rücktritt von Präsident Sepp Blatter Anfang Monat das prägende Medienthema, welches von allen analysierten Zeitungen umfassend behandelt wurde. Mit Stanislas Wawrinka (Rang 8) und dem FC Basel (Rang 10) rangieren neben dem Fussball-Weltverband zudem zwei weitere und somit ungewohnt viele Sport-Kommunikationsereignisse in der Rangliste der wichtigsten Themen des Monats. Über "Grand Stan" (Blick, 8. Juni, S. 13) wurde im Zuge seines Triumphes an den French Open vor allem in den analysierten Boulevardzeitungen Le Matin und Blick viel berichtet, während der Wechsel von Paulo Sousa zu Urs Fischer auf dem Trainerposten beim FC Basel vor allem im Blick und in der NZZ umfassend thematisiert wurde.

Abstimmung über die RTVG-Revision befeuert die Debatte über SRG und Service Public

Von den nationalen vier Abstimmungsvorlagen vom 14. Juni schaffte es im vergangenen Monat nur die RTVG-Revision (Rang 3) in die Top 10 der wichtigsten Themen des Monats. Darüber nahm das Berichterstattungsvolumen im Vergleich zu den Vormonaten noch einmal zu. Über die Abstimmung hinaus wurde die Problematisierung der SRG weiter geführt und eine Grundsatzdebatte über den Service Public (Rang 5) lanciert (vgl. Abstimmungsmonitor).

Mit der Asylpolitik in der Schweiz (Rang 4) und den Eidgenössischen Wahlen vom kommenden Herbst (Rang 6) rangieren daneben zwei weitere brisante innenpolitische Themen auf der Juniagenda. Ersteres ist stark regional geprägt: In den analysierten Zeitungen der Suisse romande dominiert die Auseinandersetzung über das von Asylsuchenden besetzte Centre Culturel Grütli in Genf, während in der Presse der Deutschschweiz die Abstimmung über die Abschaffung der Härtefallkommission in Zürich für viele Schlagzeilen sorgte. Darüber hinaus erzeugte die im Ständerat besprochene Reform des Asylwesens für kürzere Asylverfahren und die Schaffung neuer Bundeszentren sprachregionenübergreifende Resonanz.

Weniger Resonanz für den IS-Konflikt

In der Auslandberichterstattung wurde der andauernde IS-Konflikt (Rang 7) durch die umfassende Thematisierung der Eurokrise und den FIFA-Korruptionsskandal weniger prominent thematisiert als im Vormonat. Ähnlich wie die Ukraine-Krise (Rang 9) hat sich dieser zu einem Thema der überregionalen Medien entwickelt.