Religiöse Differenz als Problem in der politischen Diskussion
In der öffentlichen politischen Debatte der grossen westlichen Nationen scheint sich ein neues bipolares Weltbild zu etablieren, in dem an Stelle des kommunistischen Ostblocks die islamische Welt und an Stelle der kommunistischen Weltverschwörung die Bedrohung durch den Islamismus tritt. Die These vom «Clash of Civilisations» wurde zu einer wirkungsvollen Beschreibungsformel dieser neuen internationalen Konfliktwahrnehmung.
Diese wirkt sich auch auf die öffentliche Debatte der Schweiz aus. Zunehmend werden muslimische Gesellschaften und Muslime zum Problem erklärt. Die Gleichsetzung von Islam und Islamismus oder die Proteste angesichts von Baugesuchen für Minarette oder Positionspapiere von Regierungsparteien zum Islam illustrieren unterschiedliche Facetten dieser Wahrnehmung.
Ziel
In einer vergleichenden Forschungsanlage untersucht dieses Projekt erstens die Veränderung der öffentlichen Aufmerksamkeit seit 1979 für Akteure, die als muslimisch und jüdisch typisiert werden. Zweitens werden die Differenzsemantiken gegenüber Juden und Muslimen erfasst, ihre Karriere rekonstruiert und die Akteure eruiert, die diese Differenzsemantiken verwenden.. Drittens analysiert dieses Forschungsvorhaben die Konflikte um die Verwendung spezifischer Differenzsemantiken aber auch die Etablierung von Differenzsemantiken, die nicht mehr in der öffentlichen Kommunikation hinterfragt werden.
Bedeutung
Starke oder nicht hinterfragte Differenzsemantiken in der öffentlichen Debatte können eine erschwerte Integration für die betroffenen Minderheiten wie auch eine Verschlechterung der politischen Kultur der Schweiz zur Folge haben. Die Analyse der medialen Berichterstattung und der Parlamentsdebatten anhand von Normen, die dem modernen Öffentlichkeitsverständnis inne wohnen, soll Reflexionswissen über diese Ethnisierung des Politischen produzieren.