Medienagenda – Themen im April 2016

Mit den Panama-Papers kommt erstmals seit Beginn dieser Messung ein Investigativ-Projekt zuoberst auf der Agenda der Schweizer Medien zu liegen. Weiterhin brisant und resonanzstark bleibt im Monat April auch die Flüchtlingsproblematik. Eher ungewöhnlich rangiert auf Platz 7 zudem prominent die Berichterstattung über die Einführung der neuen 50er-Note in der Schweiz.  

Panama Papers

Argentiniens neuer Präsident Mauricio Macri, Islands Ministerpräsident Sigmundur Gunnlaugson, der britische Premierminister David Cameron, Russlands Präsident Wladimir Putin und der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino: Das sind die Namen nur einiger der zahlreichen prominenten Persönlichkeiten, welche infolge des Datenlecks beim Offshore-Dienstleister Mossack Fonseca aus Panama in Erklärungsnot gerieten.

Die Enthüllungen über die legalen und illegalen Strategien zur Steuervermeidung, welche auf der koordinierten Aufbereitung von über elf Millionen E-Mails, Urkunden, Verträgen, Abrechnungen und Bankauszügen durch über 350 Journalisten aus aller Welt beruhen, sorgten ab dem 4. April für eine resonanzstarke Berichterstattung in allen analysierten Schweizer Medien und insbesondere in der Neuen Zürcher Zeitung und im Tages-Anzeiger.

Flüchtlingsthematik prägt die Öffentlichkeit weiterhin

Die umfassende Skandalberichterstattung über die Panama Papers verdrängte die Diskussion über die europäische Flüchtlingskrise auf Rang 2 der Agenda. Im Monat nach dem EU-Türkei-Abkommen zur Rückführung syrischer Flüchtlinge wurde die problematische Umsetzung des Deals (z.B. Internierungslager auf der griechischen Insel Chios) ebenso prominent thematisiert wie der Anstieg der Migrationsbewegungen über das Mittelmeer infolge der Sperrung der Balkanroute, ein Bootsunglück mit möglicherweise über 400 Todesopfern und die Errichtung einer Sperranlage auf dem Brennerpass.

Die Schweizer Asylpolitik (Rang 3) sorgt im April nicht nur im Kontext dieser Entwicklungen für weiterhin viel Medienresonanz, sondern auch im Hinblick auf die bevorstehende Abstimmung über die Asylgesetzrevision.

Eine insbesondere in der Boulevard- und Gratispresse resonanzstark thematisierte Geschichte über ein Vorkommnis an einer Schule in Baselland (Gemeinde Therwil), hat es im Monat April bis auf Rang 4 der Agenda geschafft. Der verweigerte Händedruck von zwei Schülern (mit muslimischem Hintergrund) gegenüber ihrer Lehrerin hat eine intensive Berichterstattung über Integration entfacht.

Abstimmungsvorlagen noch nicht unter den Top 10

Von den am 5. Juni 2016 zur Abstimmung gelangenden Vorlagen, hat im Monat April lediglich die Abstimmungsvorlage zur Asylgesetzrevision, die im KE zur Schweizer Asylpolitik auf Rang 3 behandelt wird bereits Eingang die Top 10-Agenda gefunden. Die anderen vier Vorlagen befinden sich auf den Rängen 12 ("Für ein bedingungsloses Grundeinkommen"), 13 ("Pro Service Public") 29 (Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes) und 56 (Verkehrsfinanzierung – „Milchkuh“-Initiative).

Aussenpolitische Dauerbrenner

Obwohl die Berichterstattung darüber rückläufig war, rangieren im April neben der Flüchtlingskrise weiterhin auch der Syrische Bürgerkrieg (Rang 5) und die US-Präsidentschaftswahlen (Rang 6) unter den gewichtigsten zehn Themen des Monats. Aufgrund der Berichterstattung über die laufenden Ermittlungen ist zudem auch der Brüsseler Terroranschlag vom 22. März erneut in den Top 10 platziert (Rang 8). Der umfassend thematisierte Tod des US-amerikanischen Sängers Prince (Rang 9) komplettiert die Monats-Top 10 des Aprils.