Medienagenda – Themen im Juli 2016

Im Juli 2016 zählen erstmals seit März 2015 (!) weder die Flüchtlingskrise noch die Schweizer Asylpolitik zu den Top-10-Verhandlungsgegenständen in den Schweizer Medien. Stattdessen ist die Rangliste geprägt von sehr stark medial bewirtschafteten Einzelereignissen wie dem Putschversuch in der Türkei, dem Attentat in Nizza sowie von den beiden Sportevents, der Fussball EM und der Olympiade. Ein absolutes Novum: Mit der Tour de France-Etappe in Bern hat es nur ein einziges Inland-Thema in die Top 10 der Rangliste geschafft.

Putschversuch in der Türkei

Der Putschversuch des Militärs in der Türkei vom 15. Und 16. Juli hat medienübergreifend viel Aufmerksamkeit erhalten und sorgte für eine enorme Anschlusskommunikation: Sowohl über Verhaftungen, internationale Reaktionen als auch über mögliche Verstrickungen der Gülen-Bewegungen mit den Putschisten wurde intensiv berichtet. Analysen oder Kommentare, die Erdogans Stellung nach dem Putsch als gestärkt wahrnahmen, waren ebenfalls zu finden. So titelte Beispielsweise die NZZ in einem Leitartikel: „Ein Putsch, der Erdogan noch stärker macht“ (NZZ vom 18.7.2016).

Terroranschlag in Nizza und Amoklauf in München

Naturgemäss grosse mediale Beachtung erhielten auch zwei tragische Ereignisse: Das Attentat an der Strandpromenade in Nizza und der Amoklauf in München. Auffällig: Das Verbrechen in Nizza hat in der französischen Schweiz massiv mehr Berichterstattung ausgelöst als in der Deutschschweiz. Betrachtet man die französischsprachige Medienarena isoliert, landet das Thema dort sogar auf dem ersten Platz.

Fokus USA: Präsidentschaftswahlen und anhaltende soziale Konflikte

Im Juli sind zwei US-Themen in den Top 10 zu finden. Einerseits hat die Berichterstattung über die Präsidentschaftswahlen zugenommen. Grund dafür waren die Parteitage der Demokraten und der Republikaner im Juli. An den beiden Events mangelte es nicht an spektakulären Zwischenfällen. Einige wurden bewusst medienwirksam inszeniert wie z.B. die Versöhnung zwischen Clinton und ihrem parteiinternen Rivalen Sanders beim Parteitag der Demokraten. Andere wiederum fanden wohl eher ungewollt grossen Widerhall: So z.B. der Eklat um den republikanischen Senator Ted Cruz, der Donald Trump am republikanischen Parteitag demonstrativ nicht unterstützte.

Anderseits erzielten die einmal mehr in Dallas eskalierenden sozialen Konflikte grosses Medienecho: Besonders die tödlichen Schüsse auf Polizisten am 7.Juli 2016 haben viel Aufmerksamkeit erhalten. Auch die „Black-Lives-Matter“ Bewegung und das Wiederaufkommen von längst überwunden geglaubten Konfliktlinien im Zusammenhang mit Diskriminierungen aufgrund der Hautfarbe wurden besonders von überregionalen Zeitungen wiederholt thematisiert.

Sport als Dauerbrenner

Das Jahr 2016 als Sportjahr zu bezeichnen ist wohl keine Übertreibung: Es finden sich alleine im Juli vier Sportereignisse innerhalb der Top 10-Themen. Damit ist der Juli 2016 ein Rekordmonat: Noch nie seit Anfang 2013 wurde innerhalb der ersten zehn Ränge so viel über Sport berichtet.

Auf Platz 3 ist die Mitte Juli zu Ende gegangene Fussball-Europameisterschaft in Frankreich zu finden. Erst im August begonnen haben die Olympischen Spiele: Dank zahlreicher Beiträge über Hintergründe und Vorbereitungsarbeiten über die Austragungsorte sowie Vorberichte über die Sportlerinnen und Sportler rangiert das Ereignis bereits auf Platz 4. Die bevorstehende Olympiade befeuerte zudem die Debatte um den Dopingskandal in Russland, in deren Folge es zum Ausschluss der russischen Leichtathletik-Delegation kam.

Die Tour de France-Etappen in Bern haben ebenfalls einige mediale Beachtung erhalten. Die Berichterstattung darüber ist in der französischsprachigen Schweiz noch etwas stärker ausgefallen als in der Deutschschweiz. Die Berichte über Bern als Ziel- und Startort von zwei Tour-de-France-Etappen, das damit einhergehende Volksfest sowie organisatorische Herausforderungen haben dazu geführt, dass im Juli immerhin ein Thema mit Schweiz-Bezug in den Top 10 der Medienagenda auftaucht.

Wo bleibt das Sommerloch?

Durch die vielen einzelnen Ereignisse im Ausland sowie die im Moment sehr präsenten Sportereignisse ist in diesem Jahr von einem Sommerloch nichts zu spüren. Anders im Juli 2015: Themen wie der Hitzesommer, das Jazz-Festival in Montreux oder das Paléo-Festival in Nyon in den Top 10 waren damals ein deutliches Anzeichen für eine gewisse Flaute an wichtigen politischen Nachrichten. Im Sommer 2016 sind einzig die fehlenden politischen Themen im Inland auffällig und könnten darauf hindeuten, dass über die Sommermonate der politische Betrieb in der Schweiz etwas heruntergefahren wird.

Brexit ist nicht mehr Top-Thema

Komplettiert wird die Agenda mit dem Kommunikationsereignis zum EU-Referendum in Grossbritannien: War das Thema im Juni noch sehr dominierend, so hat es im Juli deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten. Dies lag auch daran, dass im Juli nicht mehr allein der Brexit an sich Thema war, sondern auch Themen wie die neue Regierung um Theresa May oder die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexit auf Grossbritannien. Ausser dem Brexit selbst hat es jedoch keines dieser Themen in die Top 10 der Medienagenda geschafft.