Medienagenda – Themen im Juni 2016

Die Schweizer Medienlandschaft wurde im Juni von zwei Themen geprägt: Dem EU-Referendum in Grossbritannien (Brexit) und der Fussball-Europameisterschaft in Frankreich. Sie generierten nicht nur relativ zu den anderen Themen aussergewöhnlich viele Medienbeiträge, sondern auch absolut: Über kein Thema wurde in diesem Jahr in einem Monat mehr berichtet als über die EURO und den Brexit. Ausserdem bemerkenswert: Die Flüchtlingskrise in Europa, die seit Anfang Jahr stets in den monatlichen Top 3 rangierte, ist im Juni nicht mehr in den Top 10 vertreten.

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Brexit intensiviert die Debatte über die Reform der EU

Die Abstimmung über den Ausstritt Grossbritanniens aus der EU war bei allen Medien ein stark beachtetes Thema. Seit den Eidgenössischen Wahlen im Oktober 2015 gab es kein gewichtigeres Kommunikationsereignis in einem Monat. Vor allem kurz vor und nach der Abstimmung vom 23. Juni gab es in Sachen Politik und Wirtschaft kein anderes Thema, das vergleichbare öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen vermochte – insbesondere in den Rundfunkmedien. Im Sog der Berichterstattung über den Brexit hat sich auch die Debatte über den Zustand und die Zukunft der Europäischen Union intensiviert. Die Thematik rangiert im Juni auf Platz 8.

Gotthard-Eröffnung und Asylpolitik dominieren die Inlandberichterstattung

Am 1. Juni wurde der Gotthard-Basistunnel im Rahmen einer grossen Feier mit viel nationaler und internationaler Prominenz eröffnet. Das Ereignis wurde medial umfangreich begleitet: Die Gotthard-Eröffnung war wie schon im Mai das gewichtigste Inlandthema des Monats (Rang 3).

Während die europäische Flüchtlingskrise trotz tragischen Bootsunglücken im Mittelmer im Juni erstmals seit Anfang Jahr nicht mehr in den monatlichen Top 10 klassiert ist, bleibt die Schweizer Asylpolitik ein viel diskutiertes Thema. Im Monat der Abstimmung über die Asylgesetzrevision rangiert das Kommunikationsereignis auf Platz 6. Wieder mehr Berichterstattung gab es im Juni über islamistische Strömungen in der Schweiz (Rang 9). Für Schlagzeilen sorgten vor allem Schweizer Jihad-Reisende wie der totgeglaubte Christian I. aus Winterthur.

Fussball dominiert die Boulevard- und Gratismedien

Neben dem Brexit war die Fussball-Europameisterschaft in Frankreich das gewichtigste Thema im Juni (Rang 2). In den Boulevardmedien Blick und Le Matin und in der Gratiszeitung 20 Minuten war die Resonanz der EM sogar deutlich grösser als jene zum Brexit. Nebst der Berichterstattung über die teilnehmenden Mannschaften waren unter anderem die Fan-Krawalle in diversen französischen Städten und die Angst vor Terroranschlägen wichtige Themen. Mit dem Dopingskandal um die russischen Leichtathleten rangiert im Juni ein zweites Sportkommunikationsereignis in den Top 10 (Rang 10).

Terror in Orlando und Präsidentschaftswahlkampf

Erneut erhält ein islamistisch motiviertes Attentat sehr viel Medienresonanz in den Schweizer Medien (vgl. Medienagenda 1. Quartal 2016): Der Terroranschlag auf den Nachtklub „Pulse“ in Orlando vom 12. Juni belegt Rang 4 und ist das einzige neue Kommunikationsereignis in den Top 10 des Monats.

Teilweise stellten die Medien auch einen Bezug zu den US-Präsidentschaftswahlen her, so zum Beispiel der Blick: „Hilft das Orlando-Massaker Donald Trump im Wahlkampf?“ (14.6.2016, S. 1) Auch sonst gab es im Juni erneut viel Berichterstattung über die bevorstehenden US-Wahlen (Rang 5). Im Hinblick auf die Nominierungsparteitage von Ende Juli und die Wahl vom 8. November dürfte die Intensität der Berichterstattung in Zukunft noch zunehmen.

Dauerregen statt Hitzesommer

Komplettiert wird die Medienagenda mit der Berichterstattung über den Dauerregen zum eigentlichen Sommerbeginn in der Schweiz (Rang 7). Vergleichbares gab es auch vor einem Jahr: Auf der Medienagenda vom Juli 2015 rangierte der damalige Hitzesommer auf Platz 2.