Medienagenda – Themen im November 2016

Neben der enormen Medienresonanz für die US-Präsidentschaftswahlen und Donald Trump haben im November mit Blick ins Ausland die Vorwahlen in Frankreich, der Tod von Fidel Castro und die Entwicklungen in Syrien, im Irak und in der Türkei für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Von den Inlandthemen generierten dieselben Themen wie im Vormonat viel öffentliche Resonanz: Die Abstimmung über die Atomausstiegsinitiative und die debattierte Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative.

Medienagenda November 2016

Enorme Aufmerksamkeit für die US-Wahlen

Nachdem die Präsidentschaftswahlen in den USA seit Monaten zunehmend Aufmerksamkeit in den Schweizer Medien erhielten, wurde im Wahlmonat November erwartungsgemäss der Höhepunkt erreicht. Das Ereignis rangiert erneut auf dem ersten Rang der Medienagenda und konnte nochmals an Resonanz zulegen. Jeder achtzehnte Beitrag thematisierte im November 2016 im Durchschnitt die US-Präsidentschaftswahlen. Spitzenwert! Über kein anderes Ereignis wurde in den vergangenen zwei Jahren in einem Monat intensiver berichtet. Einzig die Eidgenössischen Wahlen im Oktober 2015 und das EU-Referendum in Grossbritannien im Juni 2016 generierten annähernd die Medienaufmerksamkeit in einem Monat wie die US-Wahlen im November.

Nicht zuletzt ist der enorme Berichterstattungsumfang darauf zurückzuführen, dass die Wahl von Donald Trump im Nachgang viel Erklärungs-, Analyse- und Einordnungspotenzial bot. Die Deutungen gingen dabei in verschiedene Richtungen: „Das ist ein Votum gegen das Establishment“ titelte beispielsweise die Gratiszeitung 20 Minuten am Tag nach der Wahl (10.11.2016, S. 1), Le Matin hinterfragte unter anderem die Kampagne der unterlegenen Clinton (11.11.2016, S. 2: „A-t-elle fait tout faux?“). Bemerkenswert ist auch, dass die Kabinettsbildung der neuen Regierung im November bereits auf Platz 4 der Medienagenda rangiert ist. Das Medienphänomen Donald Trump macht dieser Bezeichnung somit auch nach den Wahlen alle Ehre.

Viel Medienresonanz auch für die Wahlen in Frankreich

Neben den US-Wahlen rangiert mit den französischen Präsidentschaftswahlen im November eine zweite Exekutivwahl in den Top 3 der Medienagenda. Das ist bemerkenswert und ein Indiz dafür, dass Personenwahlen - auch solche im Ausland – stark nachrichtenwerthaltig sind: Wie schon in den USA vermögen auch in Frankreich parteiinterne Vorwahlen viel Resonanz zu erzeugen, im November jene der Konservativen. Wie so oft bei französischen Ereignissen zeigt sich bei der Berichterstattung über die Präsidentschaftswahlen zudem der mediale „Röstigraben“: Die Abonnementszeitung Le Temps, das Boulevardblatt Le Matin und die Nachrichtensendung Le Journal berichteten weitaus häufiger darüber als die Deutschschweizer Pendants.

Syrien und Kuba

Neben den Wahlen in den USA und Frankreich fanden im November auch andere Auslandsthemen prominent Eingang in die Berichterstattung der Schweizer Medien: Der Bürgerkrieg in Syrien (Rang 10) vor allem im Kontext der anhaltenden Kämpfe in Aleppo und der IS-Konflikt im Rahmen der Rückeroberung von Mossul durch irakische Truppen (Rang 7). Als weiterer Krisenherd generierte die Türkei im November wieder mehr Berichterstattung. Im Nachgang des gescheiterten Putschversuchs vom Juli sorgt der Umbau der Türkei zu einem immer autoritärer regierten Staat weiterhin für viel Missmut und anhaltend umfangreiche mediale Aufmerksamkeit. Als weiteres Auslandereignis rangiert im November der Tod von Fidel Castro in den Top 10 (Rang 9).

Atomausstiegsinitiative und Umsetzung der MEI

Was sich schon im Vormonat Oktober abzeichnete, bestätigte sich im November: Die Atomausstiegsinitiative war eine in den Medien sehr ausführlich debattierte Abstimmungsvorlage (vgl. auch Abstimmungsmonitor). Andere umweltpolitische Vorlagen wie die Initiative „Energie- statt Mehrwertsteuer“ und die Initiative „Für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft“ fanden in der Vergangenheit weit weniger mediale Beachtung (rund ein Drittel bzw. rund die Hälfte). Die AAI war im November zudem das mit Abstand wichtigste innenpolitische Medienereignis. Etwas weniger Berichterstattung als im Oktober generierte die debattierte Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Dennoch ist die Thematik weiterhin in den Top 10 platziert (Rang 8). Im Kontext der Querelen um die An’Nur-Moschee in Winterthur gab es wieder mehr Berichterstattung über islamistische Strömungen in der Schweiz (Rang 6).