Medienagenda - Themen im März 2017

Die Politik dominiert die Agenda der Schweizer Medien im Monat März: Neun der ersten zehn Ränge der Medienagenda sind mit politischen Themen besetzt. Die Präsidentschaftswahlen in Frankreich waren das meist beachtete Ereignis aus dem Ausland, die Rentenreform das wichtigste Inland-Thema.

Politik dominiert die Medienagenda im März

Dass der März aus Medienperspektive ein Politik-Monat war, zeigt sich auch mit Blick auf die Top 50-Themen: 76% der Berichterstattung behandelten ein Politik-Ereignis; 8% mehr als im Vormonat Februar. Weniger wichtig waren im März dagegen Sport- und Kulturereignisse (-10% bzw. -4%). Geographisch hat sich der Fokus der Berichterstattung nach dem Abstimmungsmonat Februar ebenfalls verschoben: 46% der Berichterstattung über die Top 50-Themen fokussierte im März ein Auslandereignis (+5%).

Top-Thema: Die Präsidentschaftswahlen in Frankreich

War vor einigen Monaten die US-Präsidentschaftswahl das Top-Thema, so ist es nun diejenige in Frankreich vom 23. April. Bereits seit November 2016 gehört sie zu den jeweils wichtigsten 10 Medienereignissen des Monats, doch erstmals belegte die Wahl um die Nachfolge von François Hollande im März nun Rang 1 der Medienagenda. Was den Wahlausgang anbelangt, gibt es nur vorsichtige Prognosen. Noch ist der Überraschungserfolg Donald Trumps in bester Erinnerung und die Möglichkeit eines ähnlichen Szenarios mit der rechtspopulistischen Front-National-Kandidatin Marine Le Pen nicht auszuschliessen.

Innerhalb der Wahlberichterstattung ist es jedoch nicht Le Pen (243 Nennungen), die im März am meisten Medienresonanz in der Schweiz generierte. Mehr Aufmerksamkeit erhielten der Kandidat der Républicains François Fillon (502 Nennungen) und „En Marche!“-Gründer Emmanuel Macron (312 Nennungen). Während sich Fillon weiterhin dem Vorwurf der Veruntreuung öffentlicher Gelder ausgesetzt sah, avancierte Macron länger wie mehr zum Hoffnungsträger aller Le-Pen-Gegner.

Rentenreform gibt nicht nur im Nationalrat zu reden

Auf Platz 2 der Medienagenda rangiert im März mit der Rentenreform ein innenpolitisches Thema, das angesichts seiner gesellschaftlichen Relevanz sonst untergebührlich thematisiert wird. Die ursprünglich von Alain Berset ausgearbeitete Vorlage hatte für Streit zwischen Stände- und Nationalrat gesorgt. Die Einigungslösung wurde vom Nationalrat in der entscheidenden Abstimmung schliesslich mit der knappst möglichen Mehrheit angenommen. Das Schauspiel haben die Medien, wohl auch aufgrund dieser Kontroversen, mit grosser Aufmerksamkeit mitverfolgt. Passend hierfür sprach der Blick vom «AHV-Krimi» (1. März 2017, S.2).

Die Billag vor dem Aus?

Die Billag war im März aus zwei Gründen öffentlich stark präsent (Rang 7): Einerseits wurde die No-Billag-Initiative zur Abschaffung der Gebühren im Ständerat behandelt, andererseits wurde völlig unerwartet bekannt, dass der Billag AG der Auftrag entzogen wird, die Gebührengelder einzuziehen. Ungewöhnlich viel Resonanz für ein kantonales Wahl-Issue erzielten die Staatsratswahlen im Wallis (Rang 4). Die grosse Aufmerksamkeit war insbesondere der spektakulären Abwahl von SVP-Hardliner Oskar Freysinger und dem Verdacht auf Wahlbetrug geschuldet.  

Die Türkei, die EU und erneut Trump

Nach mehrmonatiger Abwesenheit ist die Türkische Politik im März gleich doppelt zurück in den Top 10: Die Verfassungsreform rangiert einen Monat vor der Abstimmung auf Platz 8. Noch umfassender wurde über das Verhältnis der Schweiz zur Türkei berichtet (Rang 3). Grund dafür sind Differenzen zwischen den beiden Ländern, weil türkische Politiker in der Schweiz für ein JA werben wollten. Geschürt wurde die Debatte auch vom Blick, der auf seiner Frontseite und auf türkisch für ein NEIN Werbung machte.

Der Brexit (Rang 5) generierte im März viel Aufmerksamkeit, weil die Regierung May sich nun daranmacht, das Abstimmungsresultat in die Tat umzusetzen. Die Tatsache, dass die historische Zäsur der EU mit ihrem 60-jährigen Jubiläum zusammenfiel, bot für die Medien erneut Anlass, die Stabilität und die Zukunft der Europäischen Union zu diskutieren.  

Donald Trump ist zwar noch immer die mit Abstand meist thematisierte Person des Monats (1068 Nennungen innerhalb der Top 50-Issues), doch rangiert sein Regierungshandeln im März „nur“ noch auf Rang 6 der Ereignishierarchie. Komplettiert wird die März-Medienagenda mit dem Frauentag bzw. der Feminismus-Debatte (Rang 10). Neben der jährlichen Demo vom 8. März wurde insbesondere viel über den an die USA angelehnten „Woman’s March“ berichtet.