Schliessung L'Hebdo: Qualität quo vadis?

Mit der Schliessung des Wochenmagazins L’Hebdo verliert die Westschweiz einen Spitzenreiter im Bereich Medienqualität. Gemeinsam mit Le Temps hat der Titel im Jahr 2016 die Klassierung der französischsprachigen Medien angeführt (Qualitätsscore 7.7), wobei er sich insbesondere im Bereich Einordnungsleistung und Professionalität hervorgetan hat.

Dies ist teilweise auf das Format der Wochenpresse zurückzuführen: Durch den langsameren Publikationsturnus kann vermehrt auf einordnende Hintergrundberichterstattung und investigativen Journalismus fokussiert werden. Jedoch konnten auch Titel mit dem gleichen Publikationsrhythmus L’Hebdo nicht das Wasser reichen: Im gesamtschweizerischen Vergleich in der Kategorie Wochenpresse / Magazine belegte er den Spitzenplatz.

Der hohe Grad an publizistischer Qualität hat sich allerdings nicht auf Auflagen- und Abonnentenzahlen niedergeschlagen. Seit 2009 verliefen diese rückläufig. Damit veranschaulicht die Schliessung L’Hebdos das bekannte Dilemma im Schweizerischen Zeitungsmarkt: Ein hohes Qualitätsniveau bewahrt nicht vor ökonomischem Misserfolg. Angesichts dieser Tatsache bleibt ebenso offen, ob andere Westschweizer Medientitel den entstandenen Qualitätsverlust auffangen werden können und wollen.

Die Schliessung verstärkt zudem die Kontrolle des Zeitungsmarktes durch wenige grosse Medienhäuser. Im Jahr 2015 kontrollierte die Tamedia AG 70% des Westschweizer Medienmarktes. Das heisst 70% aller konsumierter Medienprodukte stammten aus dem Hause Tamedia AG. Der Rückzug von Ringier (12% Anteil im Jahr 2015) wird die Tamedia AG als Hauptkontrolleur somit weiter bestärken. Die Schliessung des Wochenmagazins L’Hebdo bedeutet somit nicht nur einen Qualitätsverlust, sondern zugleich einen signifikanten Rückgang der publizistischen Vielfalt in der Westschweiz.