Medienagenda Juli 2015

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Eurokrise überschattet alles

Nach wie vor sehr resonanzstark thematisiert wird die Schuldenkrise Griechenlands. Ausgangspunkt für die Berichterstattung bildet in diesem Monat das Referendum zu den griechischen Sparmassnahmen am 5. Juli. Die Schwerpunkte in der Berichterstattung variieren zwischen der Suche nach einem politischen Ausweg aus der Krise und der Schilderung des Alltags der griechischen Bevölkerung bzw. der Sichtweise des "Mannes auf der Strasse". Besonders die Gratiszeitung 20 Minuten konzentrierte ihre Berichterstattung zur Eurokrise auf diesen Aspekt ("Wir Griechen bleiben so oder so die Leidtragenden", 1.7.2015; "In griechischen Hotels werden die Vorräte knapp", 8.7.2015; "Australier hilft weinendem Griechen", 9.7.2015). Zudem verweist eine Vielzahl von Beiträgen auf das Spannungsverhältnis zwischen den Entscheidungsträgern in Griechen-land und jenen der EU ("Regierungschef Tsipras und Kanzlerin Merkel sind die eigentlichen Gegenspieler in der Euro-Krise. Beide müssen jetzt unangenehme Entscheidungen fällen", NZZ 7.7.2015; "Nur Alexis Tsipras lacht noch immer ", Blick 8.7.2015).

Weitere aussenpolitische Krisenherde

Deutlich weniger Beachtung, aber dennoch auf Rang 4 der Medienagenda platziert, fand im Juli das Kommunikationsereignis zur Beilegung des Atomstreits mit dem Iran (Rang 4). Der Deal mit den USA wurde insbesondere von den überregionalen Medien sehr aufmerksam verfolgt, in dem auf die Vor- und Nachteile davon und die Bedeutung dieser diplomatischen Wende eingegangen wurde.

Wie in den Vormonaten findet sich das KE zum Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak auf den vorderen Rängen der Medienagenda (Rang 7). Im Vordergrund steht insbesondere die unvermittelte Verwicklung der Türkei in die Kriegsgeschehnisse.

Innenpolitische Themen

Weiterhin bewegt die Asyldebatte die breite Öffentlichkeit (Rang 5) und nach wie vor herrscht Uneinigkeit über die Lösungsansätze zur Unterbringung der Flüchtlinge. Besonders im Fokus standen in diesem Monat Berichte über Einwanderer aus Eritrea.

Zweites innenpolitisches Thema sind die Eidgenössischen Wahlen vom Herbst 2015 (Rang 3). Bereits seit April rangiert das Kommunikationsereignis unter den Top-10-Themen des Monats. Es wird umfangreich über Parteistrategien berichtet und Portraits von Kandidaten und Kandidatinnen werden veröffentlicht.

Saisonale Ereignisse bestätigen das Sommerloch und FIFA-Skandal auf dem Rückzug

Ähnlich umfangreich, wie über die Eidgenössischen Wahlen wird im Juli über den ausserordentlichen Hitzesommer berichtet. Obschon dieses Kommunikationsereignis (KE) mit Vorliebe von den Boulevard- und Gratiszeitungen bewirtschaftet wird und bei den überregionalen Zeitungen entsprechend deutlich weniger Gewicht einnimmt, erreicht es Rang 2 in der Medienagenda Juli. Eher selten rangieren Kulturanlässe in der Top-10-Medienagenda eines Monats. Aufgrund der grossen Resonanz in den französischsprachigen Medien sind mit dem KE über das Montreux Jazz Festival (Rang 6) und das Paléo Festival in Nyon (Rang 8) in diesem Monat gleich zwei saisonale Festival-KE prominent vertreten. Ebenfalls mehr Resonanz in der Medienarena der Suisse Romane erhielt die Tour de France (Rang 10).

Deutlich rückläufig ist im Juli die Berichterstattung über die FIFA-Korruptionsaffäre (Rang 9). Im Zentrum stehen im Juli die Frage nach dem Präsidium und die Suche nach den geeigneten Nachfolgekandidaten.