Medienagenda September 2015

So schliessen beispielsweise die intensiv geführten Debatten zur Asyl- und Flüchtlingspolitik in der Schweiz und in Deutschland, aber auch der anhaltende Kampf gegen den IS und der Bürgerkrieg in Syrien an die momentan alles überschattende Flüchtlings-Thematik an.

Mit dem VW-Abgas-Skandal befindet sich seit März das erste Mal wieder ein Unternehmens-Issue in den obersten Rängen der Medienagenda.

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Europaweite Flüchtlingskrise und Asyldebatte in der Schweiz

Das Ausmass der Berichterstattung über Flüchtlinge, die zu Hunderten in Zügen nach München und Wien reisten oder am Bahnhof von Budapest campierten, erreichte im September einen neuen Höhepunkt: "Aus der Flüchtlingskrise ist ein Drama geworden", kommentierte Tages-Anzeiger-Chefredaktor Res Strehle Anfang Monat in einem Leitartikel die neusten Entwicklungen in der europäischen Flüchtlingskrise (Tages-Anzeiger, 5. September, S.1). Das Bild eines toten syrischen Jungen an einem türkischen Touristenstrand sorgte darüber hinaus für breites Entsetzen und der politische Alleingang der ungarischen Regierung für viel Kritik.

Im Zuge dieser Kette von Ereignissen in der ersten Monatshälfte rückte danach die Forderung nach einer gesamteuropäischen Lösung der Krise zunehmend in den medialen Fokus. Mit der Asylpolitik der Schweiz (Rang 3) und der deutschen Flüchtlingspolitik (Rang 6) rangieren neben der gesamteuropäischen Perspektive auf die Flüchtlinge (Rang 1) im September auch zwei nationale migrationspolitische Themen prominent auf der Medienagenda.

Darüber hinaus erzielt im Kontext der zahlreichen Flüchtlinge aus Syrien auch wieder vermehrt der syrische Bürgerkrieg mediale Aufmerksamkeit (Rang 9). Im Fokus steht Syrien zudem weiterhin aufgrund des IS-Konflikts, wobei die Bekämpfung der Islamisten einerseits und deren steigender Einfluss in Ägypten andererseits breit thematisiert wurden (Rang 7).

Heisse Phase für die Eidgenössischen Wahlen

Im Monat vor dem Urnengang beginnt definitiv die „heisse Phase“ des Wahlkamps. Insbesondere in den analysierten Boulevardzeitungen Blick und Le Matin sowie in der Gratiszeitung 20 Minuten gab es im September deutlich mehr Berichterstattung als in den Vormonaten. Eine zwischenzeitlich publizierte Analyse des fög zur Medienberichterstattung über die Eidgenössischen Wahlen (Reputationsmonitor Politik) zeigt darüber hinaus, dass die SVP im Wahljahr 2015 am meisten mediale Aufmerksamkeit erhält. Ihren Anteil konnte sie im September sogar nochmals leicht erhöhen.

Umfangreiche Skandalberichterstattung über VW und FIFA

Neben den Flüchtlingen und den Eidgenössischen Wahlen prägen zwei Skandale die Medien-Agenda im September. Insbesondere der am 19. September publik gewordene Skandal der Automobilbranche, dass Volkswagen bewusst Luftschadstoff-Messungen verfälscht haben soll, erzeugt eine intensive Berichterstattung auch in den Schweizer Medien. Die "teuerste Dummheit der Automobilgeschichte" (Tages-Anzeiger, 22. September, S. 11) erhielt bis Ende Monat in allen analysierten Medien viel Aufmerksamkeit (Rang 4).

Im September hat auch die FIFA-Affäre (Rang 5) neue Bedeutung erlangt (Auslieferung von Eugenio Figueredo an die USA, Suspendierung von Generalsekretärs Jérôme Valcke sowie die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Präsident Sepp Blatter). Angesichts der zwischenzeitlichen Suspendierung von Sepp Blatter als FIFA-Präsident dürfte dem Issue weiterhin grosse Bedeutung zukommen.

Weitere bedeutende Kommunikationsereignisse

Die Verabschiedung der globalen Entwicklungsziele am UNO-Gipfel in New York haben insbesondere im Le Temps für umfangreiche Berichterstattung gesorgt. Die Thematik rangiert auf Platz 8 und rundet die Monatsagenda zusammen mit der Berichterstattung über Papst Franziskus und dessen Besuch in den USA (Rang 10) ab.