Medienagenda Oktober 2015

Im Nachgang der Wahlen hat die Diskussion um einen zweiten SVP-Bundesratssitz erheblich an Brisanz gewonnen. Durch die Wahlen in den Hintergrund gedrängt, wurden im Oktober hingegen die Flüchtlingskrise und die daran anschliessende asylpolitische Debatte in der Schweiz. Hierzu wurden deutlich weniger Beiträge veröffentlicht als im Vormonat.

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Die Eidgenössischen Wahlen im Fokus

Seit April sind die Eidgenössischen Wahlen in den Top 10-Monatsagenden der wichtigsten Themen vertreten und seit Juli hat die Berichterstattung darüber kontinuierlich zugenommen. Im Monat der Wahlen stieg die Resonanz dabei noch einmal erheblich an: Im Oktober machte rund jeder 20. redaktionelle Beitrag in den Schweizer Leitmedien die National- und Ständeratswahlen zum Thema. In den sechs analysierten Zeitungen wurden insgesamt über 500 Artikel darüber publiziert. Die enorme Präsenz eidgenössischer Parlamentswahlen im Wahlmonat ist allerdings keine Ausnahme: Auch im Jahr 2011 waren sie im Oktober das mit Abstand gewichtigste Kommunikationsereignis.

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen

Bereits im Vorfeld der Parlamentswahlen gab es gelegentlich Berichterstattung über die bevorstehenden Gesamterneuerungswahlen des Bundesrats vom 9. Dezember. Mit dem Wahlsieg der SVP hat sich diese Debatte weiter akzentuiert, das Kommunikationsereignis rangiert neu auf Platz 3. Nachdem Eveline Widmer-Schlumpf rund 10 Tage nach den National- und Ständeratswahlen ihren Rücktritt bekanntgab, fokussiert die Berichterstattung über die Bundesratswahlen seither vor allem mögliche SVP-Bundesratskandidaten.

Die Flüchtlingskrise rückt in den Hintergrund

Der mediale Blick ins Ausland war im Oktober vielfältiger als in den Vormonaten. Während die Flüchtlingskrise (Rang 5) und daran anschliessende asylpolitische Debatten in der Schweiz (Rang 6) und anderen Ländern – wohl nicht zuletzt aufgrund des Wahlmonats – deutlich an Resonanz einbüssten, gab es insbesondere über den Bürgerkrieg in Syrien (Rang 4) und den wieder aufgeflammten Nahostkonflikt (Rang 8) umfangreiche Berichterstattung.

Darüber hinaus sorgte der FIFA-Korruptionsskandal im Kontext der Suspendierung von Sepp Blatter und den neusten Enthüllungen um die Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaften nach Deutschland erneut für viele Schlagzeilen (Rang 2). Der IS-Konflikt hat hingegen weiter an Resonanz eingebüsst und rangiert nur noch auf Platz 10.

Zwei Wirtschaftsthemen komplettieren die Medienagenda

Mit dem Abgas-Skandal beim deutschen Automobilhersteller Volkswagen (Rang 7) und den angekündigten Umstrukturierungen bei der Credit Suisse (Rang 9) komplettieren zwei Wirtschaftskommunikationsereignisse die Top 10-Medienagenda des Monats. Die am 21. Oktober vom neuen Chef Tidjane Thiam vorgestellten personellen, organisatorischen und strategischen Änderungen bei der Schweizer Grossbank wurden dabei ebenso von allen Medien thematisiert wie der Fortgang des VW-Skandals.