Medienagenda Dezember 2015

Die Agenda der Schweizer Medien im Dezember war insbesondere durch die Bundesratswahlen geprägt (Rang 1). Mit dem Weltklimagipfel in Paris erhielt zudem für einmal auch wieder ein umweltpolitisches Issue überdurchschnittliche Aufmerksamkeit in den Medien.   

Medienagenda Dezember 2015
Medienagenda Dezember 2015

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Rennen um vakanten Bundesratssitz

Mit deutlichem Abstand belegt das KE zu den Bundesratswahlen vom 9. Dezember Rang 1 in der Medienagenda des Monats. Die umfangreiche Vorberichterstattung wurde im November stark von den Terroranschlägen in Paris überschattet, fokussierte aber bereits früh deutlich auf die offiziellen Kandidaten der SVP. Am Dreierticket mit Guy Parmelin, Norman Gobbi und Thomas Aeschi sowie am generellen Anspruch der SVP auf einen zweiten Bundesratssitz wurde denn auch in der ersten Dezemberwoche nicht mehr gerüttelt. Dennoch konnten die ins Rennen geschickten SVP-Kandidaten in der öffentlichen Wahrnehmung nicht uneingeschränkt überzeugen (vgl. Reputationsmonitor Politik, 6. Dezember 2015).

Kurz vor dem Wahltermin wurden erneut einzelne Befürchtungen über Sprengkandidaten laut, die sich mit der verhältnismässig reibungslos verlaufenen Wahl des Waadtländer Weinbauers Guy Parmelin aber nicht bestätigten. Die Suisse romande erhält damit einen dritten Bundesrat; eine Tatsache,  die in den französischsprachigen Medien (insbesondere Le Temps) besonders viel Resonanz erzeugte.

Verschärfte Bedrohungswahrnehmung

Schlüsselereignisse wie die Terroranschläge in Paris, der Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak (Rang 6) und nicht zuletzt auch die wachsenden Flüchtlingsströme aus den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt führten 2015 zu umfangreichen Anschlussdebatten, in welchen eine  steigende Bedrohungswahrnehmung gegenüber dem Fremden generell und gegenüber islamistischem Terror im Besonderen zum Ausdruck kam. Im Dezember erhält dieser Themenkomplex mit dem KE über den Terrorverdacht in Genf (Rang 7) einen starken Schweiz-Bezug. Im Zuge der Ermittlungen entflammt einerseits die Diskussion über eine Terror-Zelle im Inland sowie die Forderung verschärfter Massnahmen zum Schutz der Inneren Sicherheit (Ränge 8 und 9).

Auch die beträchtliche Resonanz für die Regionalwahlen in Frankreich (Rang 3) ist hauptsächlich vor dem Hintergrund der Terrorfurcht und deren Auswirkungen auf das politische Klima zu erklären. Die Sorge, der rechtsradikale Front National könnte besonders stark zulegen, verlieh den Wahlen einen besonderen Nachrichtenwert.

Schliesslich rangiert auf Platz 10 das KE zur Schweizer Asylpolitik, welches seit Mai durchgehend zu den 10 grössten Themen eines Monats gehörte. Fortlaufend standen damit die Herausforderungen und Probleme im Umgang mit einer steigenden Anzahl an Flüchtlingen im medialen Fokus.

Weitere wichtige Kommunikationsereignisse im Dezember

Auch der FIFA-Korruptionsskandal (Rang 2) erzielte im Dezember einmal mehr grosse Resonanz. Das KE um die Verstrickungen Sepp Blatters und weiterer ranghoher Funktionäre zeichnete im vergangenen Jahr eine bemerkenswerte Karriere. Mit dem Entscheid der FIFA-Ethikkommission, Blatter und Platini für acht Jahre zu sperren, erreichte der Skandal im Dezember nun einen weiteren Höhepunkt.

Etwas hoffnungsvoller verlief die Berichterstattung über den 21. Weltklimagipfel in Paris und die an diesem Treffen verhandelten politischen Ziele (Rang 4). „Plötzlich ist Klimaschutz wieder cool“ (1. Dezember, S.1) kommentierte beispielsweise der Blick und die NZZ titelte im Nachgang der Verhandlungen „Neuer Elan für das Klima“ (24. Dezember, S. 10).

Zu guter Letzt sorgte der Kinostart des siebten Teils der Weltraumsaga Star Wars für gehörigen medialen Wirbel (Rang 5). Es ist ungewöhnlich dass Kultur-Ereignisse diesen Stellenwert bekommen. Im Scheinwerferlicht stand dabei insbesondere die ungeheure Vermarktungsmaschinerie von Fanartikeln und Spielwaren, welche dem neusten Streich des Disney-Konzerns bereits vor dem Verkauf der ersten Eintrittskarten zum Kassenschlager verhalf.