Viel Medienresonanz für Car-Crash im Wallis

Das Carunglück im Wallis war vier Tage lang das Top-Thema in der Schweizer Medienöffentlichkeit.

Inwiefern genügend gesamtgesellschaftliche Relevanz gegeben war, wurde verschiedentlich in Frage gestellt. Eine Position ging dahin, dass die öffentliche Betroffenheit über den Tod der 22 Kinder dermassen gross war, dass die Medien nichts anderes als ihre Pflicht taten. Dem wurde entgegengesetzt, dass die durchaus gerechtfertigte Betroffenheit einer Trauergemeinschaft nicht auf die Gesellschaft und damit das Medienpublikum als Ganzes übertragen werden kann. Relevanz für eine Gemeinschaft dürfe nicht mit Relevanz für die Gesellschaft verwechselt werden. Hierzu die Diskussion von Rothenbühler und Imhof in Duell Aktuell.

Top-Thema Car Crash

Anhand nebenstehender Grafik lässt sich zeigen, wie intensiv das Carunglück im Wallis medial bewirtschaftet wurde. Startend am Unglückstag, dem 14. März, löste das Kommunikationsereignis eine regelrechte Betroffenheitslawine aus. Innerhalb von nur neun Tagen erschien das Ereignis 110 mal auf den Frontseiten der wichtigsten Schweizer Presse- und Onlinemedien und wurde im Radio und TV prominent in Aufmacherbeiträgen zum Thema gemacht. Damit steht dieses Ereignis, zumindest die Anzahl Beiträge betreffend, in Konkurrenz zur Diskussion über die Finanzmarktkrise oder dem Regierungsprogramm Obamas.

In der Regel wird besonders intensiv über Ereignisse berichtet, die überraschend und spektakulär erscheinen. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass nicht nur der Neuigkeitswert bzw. die Verpflichtung zur Aktualität die Massenmedien veranlasst, gewisse Ereignisse intensiver zu beobachten als andere. Insbesondere Ereignissen, die als besonders tragisch bzw. moralisch verwerflich erachtet werden widerfährt – zumindest für kurze Zeit - überproportionale mediale Aufmerksamkeit (vgl. auch Terroranschlag in Marokko, Mord an Lucie Trezzini, Pädophilie Fälle in der katholischen Kirche).

Neben des Neuigkeitswerts entscheiden also nicht zuletzt der Sensationswert und der moralische Gehalt darüber, wie stark ein Ereignis bewirtschaftet wird. Ereignisse, die emotional betroffen machen, zeichnen sich regelhaft durch eine hohe Berichterstattungsintensität aus. Dafür weisen diese Ereignisse eine umso kürzere Halbwertszeit auf. In diesen Fällen kann von einem regelrechten Hype gesprochen werden.