Zwischenbericht zur Wahlberichterstattungsanalyse

Die vorliegenden Ergebnisse sind Zwischenresultate einer laufenden Analyse zur Wahlberichterstattung. Diese Anfang 2012 abgeschlosssene Analyse wird unter anderem von FORS/Selects und dem Schweizerischen Nationalfonds unterstützt.

Weitere Resultate zur Wahlberichterstattung wurden am Mediensymposium von SRG SSR präsentiert. Die vollständigen Resultate sowie die begleitende Präsentation von Kurt Imhof liegen in einer französischen und deutschen Version vor.

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Konfliktthemen im Wahlkampf 2011

In der Berichterstattung über innenpolitische Vorgänge vermochte in den Wochen vor den diesjährigen Eidgenössischen Wahlen kein Konflikt-Thema zu dominieren, das als genuines Kern-Thema einer bestimmten Partei gelten könnte. Stattdessen führten mehrere mit der Finanz- und Wirtschaftskrise verbundene „externe“ Ereignisse wie die Reaktionen auf den „starken Franken“, der „Fall Adoboli“ oder die Zuspitzung der Schuldenkrise europäischer Staaten dazu, dass Parteien vor allem zu Fragen der (De-)Regulierung Stellung beziehen mussten (z.B. „too big to fail“, Hilfspaket etc.). Auch unvorhergesehene Krawalle und Ausschreitungen setzten die Parteien unter Druck („Kriminalität“). Durch diese „Zerhackung“ der Kampagnen war keine Partei in der Lage, „ihr“ Thema erfolgreich und nachhaltig auf die Agenda zu setzen. Insbesondere schaffte es dieses Mal die SVP nicht, das Migrations-Thema zum dominierenden Wahlkampf-Thema zu machen.

Resonanz politischer Parteien im Wahlkampf 2007 und 2011

Im Zeitvergleich von 2007 und 2011 fällt auf, dass 2007 die provokative Kampagne der SVP im Bereich der Migrationspolitik („Schäfchen“-Plakate) und mit Fokus auf Christoph Blocher („SVP wählen – Blocher stärken“) die Berichterstattung entscheidend beeinflusste und die SVP weitaus am meisten Resonanz erhielt. Dieser Mechanismus – Provokation und Reaktion – spielt in der Berichterstattung zu den Wahlen 2011 nur noch teilweise. Zwar erzielt nach wie vor die SVP am meisten Resonanz, nach wie vor auch wegen ihrer provokativen Kampagne, doch führen die verhalteneren Reaktionen anderer Parteien und der Medien zu einer nun gleichmässiger verteilten Parteien-Resonanz. 2011 stärker profitieren können die Sozialdemokraten und die BDP: Bei beiden Parteien sorgen sowohl die bevorstehenden Bundesratswahlen für eine relativ starke Resonanz (Nachfolge Calmy-Rey, mögliche Abwahl Widmer-Schlumpf) als auch die Krisen-Ereignisse (Positionierung der SP und von Widmer-Schlumpf bei Regulierungsfragen).