Wirtschaftssektoren: SMI-Marktvolumen vs. öffentlicher Beachtungsgrad

Das fög – Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft / Universität Zürich erfasst seit 2007 kontinuierlich die Resonanz und die medienvermittelte Reputation sämtlicher 20 SMI-Unternehmen in einem Sample von 14 Schweizer Leitmedien.

Eine Gruppierung dieser Unternehmen entlang der im SMI vorgenommenen Indexkorbzusammensetzung (vgl. in Abb.1 unten die Zusammensetzung der „SMI-Baskets“ gemäss SIX Group) ermöglicht einen Vergleich zwischen dem Marktvolumen der einzelnen Wirtschaftssektoren (SMI-Baskets) und ihrem medienöffentlichen Beachtungsgrad (Resonanz). Damit lässt sich die Frage beantworten, welche Sektoren gegenüber ihrem Marktvolumen in der Öffentlichkeit überrepräsentiert sind und welchen Sektoren in den Medien im Verhältnis zu ihrer ökonomischen Bedeutung ein zu geringes Gewicht beigemessen wird. Folgende Befunde zeigen sich:

  • Finanzdienstleistungen: Aufgrund von Finanzkrise, Steuerhinterziehungsdebatte und verschiedenen Skandalen (z.B. Adoboli, Libor-Affäre) stehen insbesondere die Banken stark im öffentlichen Fokus. Der Finanzsektor ist im Vergleich zu seinem SMI-Markvolumen denn auch massiv überrepräsentiert: 18% vs. 43% (vgl. Abb. 1). Die öffentliche Durchdringung des Finanzsektors ist jüngst allerdings deutlich rückläufig (vgl. Abb. 2). Dies ist ein Beleg dafür, dass gemäss öffentlicher Wahrnehmung die Banken ihren Nimbus als zentrale Wertschöpfungssäulen der Schweizer Volkswirtschaft zunehmend einbüssen.
  • Telekommunikation: Der Freitod von Carsten Schloter hat den öffentlichen Beachtungsgrad für den Telekommunikationssektor ab Mitte 2013 noch einmal deutlich erhöht (vgl. Abb. 2). Gemessen am SMI-Marktvolumen ist der Telekom-Sektor aber bereits seit 2008 durchgehend überrepräsentiert (vgl. Abb. 1). Anders als bei den Finanzdienstleistern geht diese Überrepräsentation aber nicht auf Skandale oder Affären zurück (Fastweb-Engagement als Ausnahme der Regel), sondern ist a) auf die spezielle Rolle der Swisscom als ehemaliger Staatsbetrieb (u.a. Regulationsdebatten aufgrund anhaltender Marktmacht) und b) auf den unmittelbaren Bezug der Produkte zum ‚Endverbraucher‘ (z.B. Ausbau Glasfaser-Netz) zurückzuführen.
  • Gesundheitswesen und Verbrauchsgüter: Auf die beiden Sektoren zusammen entfallen rund zwei Drittel des gesamten SMI-Marktvolumens (38 und 28 Prozent). Mit einem gemeinsamen Resonanzanteil von lediglich 25% sind diese Sektoren in der öffentlichen Kommunikation am deutlichsten unterrepräsentiert (vgl. Abb. 1): Im Verhältnis zu ihrer ökonomischen Bedeutung wird diesen zwei Sektoren also ein zu geringes Gewicht beigemessen. Ohne die massive Skandalisierung von Daniel Vasella Anfang 2013 anlässlich seines Abgangs (Abzocker-Vorwurf) wäre das Untergewicht des Pharmasektors in der Medienarena noch wesentlich stärker ausgeprägt (vgl. Abb. 2).
  • Industrieunternehmen und Grundstoffe sind gemessen an ihrem Marktvolumen in den Medien ebenfalls unterrepräsentiert. Unternehmen dieser Sektoren erhalten nur sehr punktuell und praktisch ausschliesslich im Rahmen der Veröffentlichungen ihrer Geschäftszahlen öffentliche Beachtung.

Gesamthaft zeigt sich im Verhältnis zum Marktvolumen eine fortbestehende, wenn auch abnehmende Überrepräsentation der Finanzbranche in der medienvermittelten Kommunikation, während die Realwirtschaft (Industrie, Verbrauchsgüter, Pharma) nach wie vor vergleichsweise unterrepräsentiert ist, im Kontext der Finanz- und Wirtschaftskrise aber stark an Boden gut gemacht hat und bezüglich öffentlicher Durchdringung aufholt.

Abb. 1 und 2