Interesse an News wieder rückläufig. KI-Chatbots ergänzend genutzt, Vertrauen jedoch gering.
Das Interesse an Nachrichten geht langfristig zurück. Auch digitale News verlieren an Reichweite. KI-Chatbots werden zwar zunehmend zu Newszwecken genutzt, bisher jedoch eher ergänzend. Auch geniessen Chatbots deutlich weniger Vertrauen als etablierte Informationsmedien.
Der Reuters Institute Digital News Report beleuchtet einmal pro Jahr die Newsnutzung in 48 Ländern, darunter der Schweiz. Der heute publizierte Länderbericht des fög stellt die wichtigsten Daten für die Schweiz zusammen.
Neue Akteur:innen und Technologien beeinflussen unsere Mediennutzung zunehmend. So nutzen mittlerweile 10% der Schweizer Bevölkerung Chatbots der Künstlichen Intelligenz (KI) wie ChatGPT oder Perplexity, um sich zu informieren (vgl. Darstellung 5); bei den 18- bis 24-Jährigen sind es bereits 20%. Allerdings werden diese Angebote bisher vor allem als Ergänzung zu bestehenden Quellen verwendet. News-Influencer:innen spielen in der Schweiz eine vergleichsweise geringe Rolle: 19% nutzen solche Inhalte, deutlich weniger als im internationalen Durchschnitt (27%).
Bei den genutzten Informationsquellen sind digitale Kanäle mittlerweile am weitesten verbreitet. Newssites sind mit 63% die häufigste Newsquelle, Social Media liegt auf Rang drei (42%). TV-Nachrichten schauen noch 49%. Gleichzeitig verlieren alle Kanäle, auch digitale, langfristig an Reichweite – besonders stark die klassischen Medien wie Print (–37 PP seit 2016), Fernsehen (–20 PP) und Radio (–18 PP), etwas weniger die digitalen Kanäle. Die Ergebnisse legen nahe, dass Nachrichten insgesamt an Bedeutung verlieren.
Passend zur sinkenden News-Nutzung ist auch das Interesse an Nachrichten weiterhin rückläufig: 2026 gibt weniger als die Hälfte der Menschen in der Schweiz an (49%), sehr oder äusserst an Nachrichten interessiert zu sein, das sind 4 Prozentpunkte (PP) weniger als im Vorjahr. Die Anzahl derjenigen, die gelegentlich oder oft bewusst Nachrichten vermeiden (sog. News Avoidance), liegt mit 39% auf dem Niveau des Vorjahres. Im längerfristigen Vergleich hat deren Anzahl jedoch deutlich zugenommen (+13 PP seit 2019).
Ein zentrales Thema bleibt das Vertrauen in Medien. Im Berichtsjahr sind 42% der Befragten der Ansicht, man könne dem Grossteil der Nachrichtenmedien meist vertrauen, deutlich mehr als bei Nachrichten auf Social Media (17%) oder aus KI-Chatbots (16%, vgl. Darstellung 20). Ein besonders hohes Vertrauen geniessen Abonnementszeitungen wie die NZZ oder Le Temps sowie die Angebote der SRG.
Auch die Leistungen der SRG für die Gesellschaft werden in der Bevölkerung tendenziell positiv eingeschätzt. 42% geben an, dass öffentliche Medien positive Einflüsse auf die Gesellschaft haben, 14% sehen negative Einflüsse, 40% weder noch und 4% haben mit „weiss nicht“ geantwortet. Personen, die den öffentlichen Medien positive Einflüsse zuschreiben, haben gleichzeitig ein höheres Medienvertrauen und sind eher bereit, für Online-Nachrichten zu bezahlen.
Die Zahlungsbereitschaft für Online-News ist gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig: 2026 gaben 19% der Befragten an, im vergangenen Jahr für digitale Nachrichten bezahlt zu haben (-3 PP). Entscheidend für Zahlungsentscheide ist vor allem der individuelle Nutzen, etwa der Zugriff auf relevante Inhalte oder ein werbefreier Zugang (vgl. Darstellung 30). Gesellschaftliche Motive spielen ebenfalls eine Rolle, aber weniger stark. So unterstützen beispielsweise 30% der Zahlenden den Journalismus, weil sie ihn als gesellschaftlich wichtig erachten.
Der Länderbericht Schweiz basiert auf den Daten des Reuters Institute Digital News Report 2026. Die Schweiz ist seit 2016 Teil dieser Untersuchung und das fög – Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich ist offizieller Kooperationspartner. Die Ergebnisse für die Schweiz beruhen auf einer repräsentativen Onlinebefragung von über 2’000 Personen Anfang 2026.
Alle Resultate und vertiefte Analysen in unserem Länderbericht: Digital News Report 2026 - Länderbericht Schweiz (PDF, 749 KB)
Zum globalen Bericht des Reuters Institute for the Study of Journalism / University of Oxford: Digital News Report 2026
Bild: istock.com/Kudryavtsev Pavel