Tages-Anzeiger und Basler Zeitung: Zwei Medien mit unterschiedlichen Profilen

Die Basler Zeitung und der Tages-Anzeiger, das Flaggschiff von Tamedia, berichten über nationale Abstimmungsvorlagen sehr unterschiedlich. Die Tonalität unterscheidet sich deutlich, besonders bei resonanzstarken Vorlagen im Bereich Ausländer, Wirtschaft, Soziales und Medien. In der Summe zeigen sich unterschiedliche publizistische Profile, die bei einem Verkauf der BaZ an Tamedia vermutlich nicht mehr in dieser Form bestehen bleiben würden.

Das schweizerische Mediensystem ist im Umbruch. Eines der Zeichen ist die weiter und rasch steigende Medienkonzentration, die in der Schweiz im europäischen Vergleich sehr hoch ist. Diese zeigt sich in der Zentralisierung von Redaktionen (Stichwort Mantelsysteme) unter anderem bei Tamedia, im geplanten Joint Venture zwischen AZ Medien und der NZZ Mediengruppe – und aktuell beim diskutierten möglichen Verkauf der Basler Zeitung an Tamedia.

Ein Blick in die Daten des «Abstimmungsmonitors» zeigt: Falls neben dem Tages-Anzeiger neu auch die Basler Zeitung Teil der überregionalen zentralisierten «Tamedia-Redaktion» werden sollte, würden zwei Titel mit sehr unterschiedlichen publizistischen Profilen zusammengeführt.

Die Tonalität unterscheidet sich zwischen den beiden Titeln deutlich, besonders bei resonanzstarken Vorlagen im Bereich Ausländer (Durchsetzungsinitiative, Asylgesetz), Wirtschaft (USR III), Soziales (Altersvorsorge 2020) und Medien (No Billag). In der Summe zeigen sich unterschiedliche publizistische Profile: In politischer Hinsicht entsprechen sie tendenziell einem linksliberalen Profil (Tages-Anzeiger) respektive einem rechtskonservativen Profil (Basler Zeitung). Falls die Basler Zeitung von den SVP-Exponenten verkauft und in die zentralisierte Tamedia-Redaktion integriert wird, ist es unwahrscheinlich, dass sie ihr aktuelles publizistisches Profil beibehält.

Abstimmungsvorlagen und Tonalität: Medien unterscheiden sich darin, ob und wie sie die verschiedenen Abstimmungsvorlagen zum Thema machen. Die Tonalität gegenüber einer Vorlage ist eines der Beispiele, bei denen diese Unterschiede gut untersucht werden können. Denn eine Abstimmungsvorlage erfordert von allen immer eine «Ja»- oder «Nein»-Position und so zeigt sich in der Abstimmungsberichterstattung in der Summe eine bestimmte Tonalität, d.h. mehr Zustimmung oder mehr Ablehnung – sei es indem die Medien selber kommentieren und bewerten, sei es indem die Medien Akteure auswählen, zitieren und Gastbeiträge schreiben lassen, die über eine Vorlage streiten. Mehr zur Methodik des Abstimmungsmonitors in den Berichten zu den einzelnen Vorlagen auf: http://www.foeg.uzh.ch/de/analyse/dossier.html