Dossier: Abstimmungs-Monitor
6. März 2013
Hier können Sie die Dynamik der Berichterstattung über die Abstimmungen vom 3. März 2013 verfolgen. Die untenstehenden Grafiken wurden seit Anfang Februar 2013 wöchentlich aktualisiert.
Abstimmungen vom 3. März 2013
In der letzten Woche vor der Abstimmung hat die Medienaufmerksamkeit für alle drei Abstimmungsvorlagen wie auch bei früheren Vorlagen wieder abgenommen. Damit bestätigt sich das Bild, das sich in den letzten Wochen mit intensiverer Kampagnendynamik herauskristallisiert hat: Insgesamt haben die Medien in den drei Monaten bis zum Abstimmungstermin ihre „Abstimmungsberichterstattung“ zu zwei Dritteln der Abzockerinitiative gewidmet. Das Raumplanungsgesetz erhielt dreimal weniger und der Familienartikel viermal weniger Resonanz.
Während der Familienartikel bei verhältnismässig schwacher Resonanz (nur) knapp auf Zustimmung stiess - sich das Verhältnis von Zustimmung und Ablehnung also ausgeglichen gestaltete -, war der Zuspruch für die Revision des Raumplanungsgesetzes bei etwas stärkerer Resonanz ausgeprägter. Bei der Abzockerinitiative schliesslich überwogen insgesamt die Pro-Positionen.
Für das Abstimmungsergebnis zur Abzockerinitiative ist entscheidend, dass bereits vor der „heissen Phase“ des Abstimmungskampfes in den Medien über viele Jahre hinweg das Problem „Abzocker“ mit hoher Intensität bewirtschaftet worden war. Die Initianten als „Besitzer“ dieses Themas besassen damit bereits vor Beginn der konkreten Abstimmungsdebatte einen substantiellen Startvorteil.
Sample: Alle redaktionellen Beiträge zu den drei Vorlagen der Medien Blick, Le Matin, Le Temps, Neue Zürcher Zeitung, Tages-Anzeiger und 20 Minuten.
Zeitraum: 12. Dezember 2012 bis 2. März 2013
Die starke Resonanz der Abzockerinitiative ist auch im Vergleich zu früheren Abstimmungsvorlagen beachtlich. In den drei Monaten vor dem Abstimmungstermin zieht sie insgesamt deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich als die Ausschaffungsinitiative (plus rund 35%), die bisher resonanzstärkste Volksinitiative der letzten zwei Jahre. Hinter dieser starken Resonanz stehen vor allem die Diskussion um Daniel Vasellas Abgangsentschädigung und der Fokus auf die Haltung der SVP zur Abzockerinitiative.
Ebenfalls erhält die Debatte über die „Abzocker“ deutlich mehr Aufmerksamkeit als die „Steuergerechtigkeitsinitiative“ 2010, die ebenfalls Fragen der sozialen Gerechtigkeit thematisierte. Es scheint, dass die Abzockerinitiative in mehrerer Hinsicht zentrale Bedürfnisse der Medien nach einer spannenden „Geschichte“ erfüllt: Darauf weist die Art der Berichterstattung hin, mit der die Medien erstens auf die Kampagnenaktivitäten selbst fokussieren (z.B. Rückzug des Internetfilms von Economiesuisse über die Gefahren der Abzockerinitiative), zweitens den Konflikt personalisieren (v.a. am Fall von Daniel Vasella) und dramatisieren (v.a. zwischen Thomas Minder und Christoph Blocher, daneben auch innerhalb der SVP) und drittens moralisch-emotionale Skandalisierungen hervorheben, wie es sich exemplarisch bei der Thematisierung von Vasellas Abgangsentschädigung zeigt, die „schockiert“ (Le Temps), „einhellig aufregt“ (Blick) und „Entsetzen“ auslöst (Tages-Anzeiger).
Sample: Alle redaktionellen Beiträge zu den drei Vorlagen der Medien Blick, Le Matin, Le Temps, Neue Zürcher Zeitung, Tages-Anzeiger und 20 Minuten (nur für Pro/Contra-Berechnung).
Zeitraum: jeweils die letzten 12 Wochen vor Abstimmungstermin








