Medienagenda

Medienagenda

Welche Themen setzten die Schweizer Leitmedien im vergangenen Monat zuoberst auf ihre Agenda? Welches waren die "Newcomer", welches die Auf- und Absteiger im Vergleich zum Vormonat? 


Medienagenda Juni 2018

Nicht nur die ausführliche Sportberichterstattung, sondern auch die Debatte um den Doppeladler-Jubel der Schweizer Nati-Spieler Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka haben dafür gesorgt, dass die Fussballweltmeisterschaft in Russland im Juni 2018 mit Abstand das wichtigste Thema war. Geprägt wurde der Monat auch durch Berichterstattung im Themenbereich Migration. Der Postauto-Skandal war das wichtigste Schweiz-Thema.

Fussballweltmeisterschaft ist omnipräsent

2018 entpuppt sich mehr und mehr als Sportjahr. Auch im Juni war das mit Abstand wichtigste Thema ein sportlicher Grossanlass. Die Fussball-WM in Russland dominierte die Berichterstattung medienübergreifend. Der Anteil der Berichterstattung ist enorm hoch und hat Rekordwerte erreicht. Die Schweizer Nationalmannschaft erhielt natürlich besonders viel Aufmerksamkeit. Ende Juni war das Schweizer Team noch im Turnier und die Hoffnung auf eine Schweizer «Sommermärchen» am Leben. Der Blick sah im Match gegen Schweden sogar «Das Spiel der historischen Chance» (Blick, 28.6, S.13). Daneben gab es zahlreiche Beiträge zum Doppeladler-Jubel einiger Schweizer Spieler. Diese Affäre trug wohl auch dazu bei, dass die beiden Leistungsträger Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri die meistgenannten Spieler der Schweizer Nati waren (je 351 Nennungen). Die Story um die umstrittene Geste erhielt auch ausserhalb der Schweiz mediale Resonanz. Sogar die amerikanische «New York Times» veröffentlichte einen Hintergrundartikel dazu. In den Schweizer Medien ebenfalls speziell beachtet wurde das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft, die man eigentlich als Angstgegner der Schweiz im Achtelfinal erwartet hatte.

Erneut viel Resonanz für Migrationsthemen

Ähnlich dem letzten Monat waren auch im Juni verschiedene Themen aus dem nahen und fernen Ausland vertreten. Dabei fällt auf, dass das Thema Migration wieder eine wichtige Rolle gespielt hat. Die Flüchtlingskrise in Europa ist wieder in den Fokus gerückt. Das ist einigermassen erstaunlich, weil sich die Flüchtlingszahlen im Vergleich zu 2015 ff. auf relativ tiefen Niveau bewegen. Ein Aufhänger für Medienberichte war der Streit um zurückgewiesene Rettungsschiffe, die in der Folge längere Zeit im Mittelmeer verharren mussten, bevor sie an Land gelassen wurden. Auch um Migration ging es in den USA, wo Donald Trump mit weiteren Verschärfungen seiner Migrationspolitik für Empörung gesorgt hatte.

Der US-Präsident sorgte auch aussenpolitisch für Aufmerksamkeit. Sein Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Un hielt die Welt in Atem. Auch medial wurde das Treffen mit Spannung erwartet und ausführlich analysiert. Auch der Streit um die protektionistischen Massnahmen der US-Regierung fand Eingang in die Schweizer Medienlandschaft. Eine wichtige Rolle spielte dabei, dass auch die Schweiz von den Massnahmen betroffen sein könnte. Ergänzt wurden die aussenpolitischen Themen mit der Berichterstattung über die Wahlen in der Türkei.

Postauto-Skandal erlebt neue Aufmerksamkeitswelle

Wichtigstes Thema mit innenpolitischem Bezug war der Postauto-Skandal. Der Verlauf der Berichterstattung war hier wellenartig. Nachdem der Skandal vor einigen Monaten ein Top-Thema in den Schweizer Medien war, ist die Aufmerksamkeit danach stark abgeflacht. Dies hatte sich nun im Juni drastisch geändert. Auslöser war der Rücktritt von Susanne Ruoff. Sofort wurde der Skandal wieder in den Fokus der Medien gehoben, wobei insbesondere weitere Personaldiskussionen im Zentrum der Aufmerksamkeit standen.

Der Besuch des Papstes in der Schweiz erhielt vor allem im «Blick» viel Resonanz. Eher ungewöhnlich ist, dass auch die welsche Qualitätszeitung «Le Temps» sowie «Le Journal» diverse Beträge zum Thema veröffentlichten.

Ebenfalls wichtig waren die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU. Diese Entwicklung reiht sich in einen langfristigen Trend ein (siehe dazu: http://www.foeg.uzh.ch/dam/jcr:dde77178-b1ba-4f41-a63d-45fff62c377e/Medienagenda%201Q2018.pdf).

Zuletzt hat es auch die Olympia-Kandidatur von Sion wieder in die Top 10 geschafft. Dies jedoch wohl zum letzten Mal, da das Vorhaben an der Urne bachab geschickt wurde. 

Medienagenda Mai 2018

Im Mai 2018 war die Eishockey-Weltmeisterschaft in Dänemark das wichtigste Thema. Der Monat war ausserdem geprägt von der Berichterstattung über mehrere internationale Konflikte. Die Abstimmung über das Geldspielgesetz war das wichtigste Thema mit Schweiz-Bezug.

Schweizer Erfolg im Eishockey

Wie schon in den Monaten zuvor haben auch im Mai Sport-Themen die Schweizer Medienlandschaft geprägt. Die Eishockey-WM in Dänemark war das Kommunikationsereignis mit der höchsten Resonanz. Wichtigster Grund dafür war das starke Abschneiden der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft. Es ist sehr deutlich zu sehen, wie die Berichterstattung im Verlauf des Turniers zunahm und um den 20.Mai, dem Tag des WM-Finales, einen Höhepunkt erreichte. Nach dem Ende des Turniers gab es Analysen zum starken Schweizer Team und Berichte über den euphorischen Empfang, der den Eishockeyanern nach der Rückkehr in die Schweiz geboten wurde. Die Begeisterung über den Effort des Schweizer Teams und die ausgebrochene Schweizer Eishockey-Euphorie fasste der «Blick» mit den Worten zusammen: «Wir sind eine Scheibe!» (Blick vom 22.5, S.13).

Nebst der Eishockey-WM wurde auch über das Ende der Super-League-Saison viel berichtet. Im Fokus standen hier Rückblicke auf die Saison. Der Meistertitel der Young Boys wurde eingeordnet und es wurde spekuliert, ob die dominante Ära des FC Basel zu Ende gegangen ist.

Globale Brennpunkte

Viel Resonanz erhielten internationale Konflikte, die die Welt im Mai in Atem hielten. Die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch Donald Trump hat in den Schweizer Medien Besorgnis ausgelöst. Es wurde gemeinhin befürchtet, dass sich ein neuer globaler Krisenherd entwickelt, falls das Abkommen mit dem Iran durch die verbliebenen Nationen nicht mehr aufrecht gehalten werden kann. Das Verhalten Trumps wurde über alle Medientitel hinweg als Fehler gewertet.

Der Nahost-Konflikt hat im Mai eine neue Phase der Eskalation durchlaufen, nachdem die USA ihre Botschaft nach Jerusalem verschoben haben. Wiederum kommt Donald Trump nicht gut weg. Die Verschiebung der Botschaft wurde als unnötige Provokation aufgefasst. Gegen Ende des Monats liess die mediale Aufmerksamkeit für das Thema deutlich nach.

Während Trumps Arbeit in diesen beiden Konflikten negativ bewertet wurde, sieht die Lage beim Koreakonflikt anders aus. Die Tatsache, dass sich die Lage in Korea merklich beruhigt hat und sich sogar ein Treffen zwischen Trump und Kim Jong-Un organisieren liess, brachte Trump durchaus einen gewissen Respekt ein.

Ebenfalls ein wichtiges Thema war die Regierungsbildung in Italien, da zeitweise unklar war, ob nun nochmals Neuwahlen anstehen. Mehrere Medien haben fälschlicherweise den Wirtschaftsexperten Carlo Cottarelli als neuen Ministerpräsidenten gemeldet und Analysen zu seiner kommenden Technokratenregierung veröffentlicht. Auch wurden medienübergreifend von anstehenden Neuwahlen berichtet, bevor dann klar wurde, dass doch noch eine Regierung unter Führung von Guiseppe Conte zu Stande kommt.

Abstimmungssonntag

Innenpolitisch gab der Abstimmungssonntag vom 10.Juli zu reden. Die Aufmerksamkeit war aber etwas geringer als bei anderen Abstimmungen (vgl. Abstimmungsmonitor). Das Geldspielgesetz wurde relativ intensiv diskutiert, während die Vollgeldinitiative nicht zu den 10 wichtigsten Themen des Monats gehört. Die Resonanz für beide Abstimmungen hat sich aber im durchschnittlichen Rahmen bewegt und war in keiner Weise besonders auffällig.

Vor allem in der französischsprachigen Schweiz gab eine umstrittene Reise des Genfer Staatsrates Pierre Maudet zu reden. Der prominente FDP-Politiker musste sich des Vorwurfs der Bestechlichkeit erwehren, da er nur unzureichend erklären konnte, warum er sich eine Reise nach Abu Dhabi bezahlen liess.

Ergänzt wird die Medienagenda des Monats Mai durch das Filmfestival in Cannes und durch die royale Hochzeit von Meghan Markle und Prinz Harry. 

Medienagenda April 2018

Der Bürgerkrieg in Syrien hat im Vergleich zu den letzten Monaten deutlich an Resonanz zugelegt und war im März das wichtigste Thema. Die Entscheidungen um den Schweizermeistertitel im Eishockey und Fussball sorgten für viel Sportberichterstattung. In der Romandie standen zudem die Wahlen in Genf stark im Fokus.

Syrien im Fokus

Der Bürgerkrieg in Syrien ist ein Thema, dass seit Jahren regelmässig viel Aufmerksamkeit in den Schweizer Medien erhält. Die Resonanz schwankt jedoch abhängig von einzelnen wichtigen Ereignissen. Ein solches hat im April mit dem Giftgasangriff des Assad-Regimes in Duma stattgefunden. Es hat dazu beigetragen, den Krieg in Syrien wieder in die Schlagzeilen zu heben. In diesem Zusammenhang wurde auch über die Lieferung von potentiellen Bestandteilen des Kampfgases Sarin aus der Schweiz berichtet.

Normalerweise sind Eskalationen von Konflikten der Treiber von Medienresonanz. Im Koreakonflikt verhielt es sich im April umgekehrt: Thema war das Treffen der beiden Staatschefs der beiden Koreas und die damit verbundene Deeskalation des Konflikts. Der Schwenk des Framings von der kurz bevorstehenden Eskalation hin zur Versöhnung brauchte wenige Zeit. Noch im September 2017 wurde über Korea unter dem Blickwinkel grösster Sorge und Anspannung berichtet. Umso grösser ist nun auch das Staunen und die Erleichterung in den Medien. Die Annäherung der Staatschefs Moon Jae-In und Kim Jong-Un wurde durchwegs positiv bewertet, wenngleich in einigen Berichten eine gewisse Skepsis ob der schnellen Wende durchdrang.

Leicht Rückläufige Resonanz konnte für den Fall Cambridge Analytica/Facebook gemessen werden. Der Auftritt Mark Zuckerbergs vor dem US-Kongress sorgte aber weiterhin für Medienberichte. Die Berichterstattung verlagerte sich vermehrt auf den Konzern Facebook und seine Probleme mit dem Datenschutz.

Prominent in den Medien war auch der Wahlgang in Ungarn. Hohen Nachrichtenwert entstand aus dem Konflikt zwischen Viktor Orban und der EU. Es stand die Frage im Raum, ob Orban für seine konfrontative Politik gegenüber der EU und für seine Migrationsfeindlichkeit belohnt wird oder nicht. Weil Ungarn mit seiner Rechtsregierung eine Art Test für die Stabilität der EU darstellt, nahm die Wahl in der Schweizer Medienlandschaft einen höheren Stellenwert ein, als für ein Land von Ungarns Grösse üblich ist.

 Der Katalonienkonflikt hat sich bisweilen ein wenig entspannt, seit Carles Puidgemont in Deutschland aus der Haft entlassen wurde. Nach der Freilassung zu Beginn des Monats war die mediale Resonanz rückläufig.

Im nahen Ausland haben die Streiks von Teilen des Personals im französischen Bahnverkehr dazu geführt, dass die Rolle Emmanuel Macrons und seiner Wirtschaftspolitik zum Thema wurde. Die Berichterstattung dreht sich insbesondere um die Frage, ob sich der forsch auftretende Macron sich gegenüber den widerspenstigen französischen Gewerkschaften durchsetzen kann.

Entscheidungen im Sport

Die Schweizer Fussball- und Eishockeyliga erfreuen sich zwar grosser Beliebtheit, doch für die Spitze der Medienagenda reicht die Resonanz im Normalfall nicht. Anders im April. Da die Berner Young Boys im Fussball erstmals seit 1986 überlegen Schweizermeister geworden sind, fiel die Entscheidung zusammen mit dem Finale der Eishockey-Playoffs. Beide Entscheidungen waren im April wichtige Themen. Sowohl der Zürcher «Tages-Anzeiger» als auch die «Bernerzeitung» reagierten auf den Sieg «ihrer» Teams mit einer Sonderbeilage.

Regionalwahl in Genf

Genf als wichtigste Stadt der Romandie stand erwartungsgemäss unter grosser Beobachtung der Westschweizer Medien. Das Ereignis stand auch deshalb im Fokus der Medien, weil versucht wird, von regionalen Wahlergebnissen auf nationale Trends zu schliessen, je näher das «Superwahljahr» 2019 mit den National- und Ständeratswahlen rückt.

Ergänzt wird die Rangliste durch die Debatte um die Gesundheitskosten. Die Diskussionen werden immer wieder durch Vorschläge aufgewärmt, wie sich das Schweizerische Gesundheitssystem reformieren lässt. Für Wirbel gesorgt hat insbesondere die Anregung der CSS-Chefin Philomena Colatrella, die Mindestfranchise auf bis zu 10'000 Franken zu erhöhen.

Medienagenda März 2018

Wichtigstes Thema im März war der Fall um den vergifteten russischen Ex-Agenten Sergei Skripal. Ebenfalls viel Resonanz erhielten die Wahlen in Italien und Russland. Anders als in anderen Monaten, als jeweils ein einzelnes Thema dominierte, präsentiert sich die Medienagenda im März ausgeglichen.

Blick ins Ausland

Im März wurde viel über Ausland-Themen berichtet. Das wichtigste Thema des Monats war der Fall Sergei Skripal. Die Vergiftung des Ex-Agenten und seiner Tochter warf grosse mediale Wellen, insbesondere auch, weil der Vorfall auf der diplomatischen Ebene zu anhaltender Verstimmung zwischen Russland und Grossbritannien geführt hat. Es wurden Vergleiche gezogen zu den Zeiten des kalten Krieges, als Agenten-Storys präsenter waren als heutzutage. Dabei wurde verschiedentlich die Befürchtung geäussert, dass auch die bilateralen Beziehungen zwischen Grossbritannien und Russland auf ein ähnliches Niveau wie zu damaligen Zeiten absinken könnten.

In den Medien präsent waren zwei Wahlgänge mit unterschiedlichem Charakter: In Italien sorgten die Stimmengewinne von den Protestparteien für viel Berichterstattung. Während vor den Wahlen noch Silvio Berlusconi der meistthematisierte Akteur war, war dies im März Matteo Salvini, der Spitzenkandidat des Rechtsbündnisses. Ebenfalls stark im Fokus standen nebst Berlusconi der eigentliche Wahlsieger Luigi Di Maio sowie Ex-Ministerpräsident Matteo Renzi. Kandidierende von kleineren Parteien wurden im März konsequent ignoriert.

In Russland hingegen lagen die Dinge einfacher:  Der Sieg von Amtsinhaber Wladimir Putin stand zu keinem Zeitpunkt in Frage. Im Fokus standen daher weniger die Wahlergebnisse, sondern die generelle Richtung der politischen Entwicklung in Russland. Dennoch gab es eine nennenswerte Anzahl an Berichten über mögliche oder vermeintliche Akteure der Opposition. Alex Nawalny, dem die Teilnahme an der Wahl verweigert wurde, wurde als tatsächlicher Oppositioneller wahrgenommen und war nebst Putin der meistgenannte Akteur. Xenija Sobtschak sowie der letztlich zweitplatzierte Pawel Grudinin wurden in den Medien eher als Kandidierende gesehen, die letztlich das System Putin stützten.

Auch um Wahlen, jedoch in einem anderen Sinne, ging es bei dem Skandal um Cambridge Analytica. Die Firma hatte mit Facebook-Daten offenbar gezielt versucht, Wahlen zu beeinflussen, so unter anderem die US-Wahl 2016. Die Berichterstattung und die Skandalisierung der Ereignisse verlagerte sich jedoch bald hin zu Facebook und dessen Umgang mit Daten im Allgemeinen.

Zur Vielfalt an Ausland-Berichterstattung trugen zwei weitere Themen bei: Donald Trump war einmal mehr Thema im März. Seine Wirtschaftspolitik, insbesondere die Strafzölle, liessen in diversen Medien Befürchtungen aufkommen: So fand sich in der wirtschaftsaffinen NZZ die Überschrift: «Trump riskiert einen Handelskrieg» (NZZ vom 3.3., S.30). Sie traf damit den allgemeinen Tonfall der Berichte recht treffend. Zuletzt stand Carles Puigdemont im Fokus: Der katalanische Politiker wurde in Deutschland verhaftet, der darauffolgende Auslieferungsprozess generierte viel Resonanz.

Raiffeisen und Post mit Negativschlagzeilen

Waren es im Februar die SRG und die Post, die sich starkem Gegenwind ausgesetzt sahen, so kam mittlerweile eine weitere Institution dazu: Die Raiffeisen-Bank gehört zwar nicht zum Bereich Service-Public, doch sie stand als Genossenschaftsbank bisher für Stabilität und Sicherheit. Nebst des bekannten und nun verhafteten Ex-Vorsitzenden Pierin Vincenz stand mit der Zeit immer mehr das aktuelle Raiffeisen-Personal um CEO Patrik Gisel in der Kritik.

Die SRG kommt derweil nicht aus den Schlagzeilen: Noch wird weiter diskutiert, wie die SRG aussehen soll und ob die Gebühreneinnahmen nicht doch gekürzt werden sollten. Und auch die Aufmerksamkeit für den Postauto-Skandal ebbt nicht wirklich ab: Die internen Untersuchungen vermochten in der Medienlandschaft nicht zu überzeugen, sodass die Post weiterhin stark in der Kritik stand. 

Medienagenda Februar 2018

Der Februar war ein Sportmonat: Mit Abstand wichtigstes Thema waren die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Im Fokus war auch der Service Public: Sowohl die Postauto-Affäre als auch die No-Billag-Initiative erhielten viel Aufmerksamkeit. Mit dem Syrienkrieg und den Wahlen in Italien wurde auch über aussenpolitische Ereignisse prominent berichtet. 

Olympische Spiele dominieren

Wenn wichtige Sportereignisse stattfinden, dominieren sie die Medienagenda. Im Februar war dies besonders ausgeprägt zu beobachten. Kein anderes Medienereignis hatte annähernd so viel Resonanz wie die Olympischen Spiele. Insgesamt wurden in den untersuchten Medientiteln 524 Beiträge zum Thema veröffentlicht, mehr als je zuvor in einem Monat zu einem Thema gezählt wurden. Nebst vielen Beiträgen zur Organisation des Megaevents wurde ein starker Fokus auf die Schweizer Delegation und ihre Resultate gelegt. Meistgenannter Athlet war mit 284 Erwähnungen Dario Cologna. Beat Feuz wurde 254 Mal erwähnt und lag damit auf Rang 2. Wendy Holdener als meistgenannte Sportlerin kam mit 159 Nennungen insgesamt auf den dritten Rang. Die männlichen Athleten erhielten insgesamt mehr Aufmerksamkeit als die weiblichen Sportlerinnen, obwohl die Männer- und die Frauendelegation, gemessen an Medaillen, praktisch gleich erfolgreich abschnitten.

Im Sog von Pyeongchang 2018 schafften es zwei weitere Ereignisse mit Bezug zu den olympischen Spielen in die Top 10. Einerseits war dies die Doping Affäre um russische Athleten, die vor allem vor Beginn der Wettbewerbe für viel Wirbel sorgte. Anderseits wurde bereits in die Zukunft geschaut: Die Olympiabewerbung von Sion für 2026 fand insbesondere in den französischsprachigen Medien viel Aufmerksamkeit.

Service Public unter Beschuss

Im Februar erhielten zwei Themen bzw. Institutionen sehr viel Resonanz, die zum Bereich „Service Public“ gehören. Wie bereits im Vormonat wurde intensiv über die No-Billag-Initiative und die SRG berichtet. Sehr bemerkenswert ist aber, dass die Resonanz im Vergleich zum Januar rückläufig war. Diese Tendenz lässt sich am ehesten damit erklären, dass die Niederlage der Initiative je länger desto deutlicher vorhergesagt wurde. Knappe Entscheide erzeugen in der Regel mehr Berichte. Das Ausmass der Berichterstattung über No-Billag ist im Vergleich mit anderen Volksinitiativen dennoch klar überdurchschnittlich. Die Abstimmung über die Finanzordnung schaffte es hingegen nicht annähernd in die Top 10.

Ähnlich wie die SRG handelt es sich bei der Post und insbesondere bei der Postauto AG um eine altehrwürdige Schweizer Institution, die sich ungewohnten Turbulenzen ausgesetzt sieht. Der mediale Diskurs war sehr stark personalisiert: Konzernleiterin Susanne Ruoff war die mit Abstand wichtigste Akteurin und stand äusserst stark in der Kritik. Ein weiteres wichtiges Thema mit Schweiz-Bezug waren zudem erneut die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU.

Verschiedenste aussenpolitische Schauplätze

Wie bereits in Frankreich, Deutschland und Österreich erzeugten die Wahlen im Nachbarland Italien viel Medienresonanz. Im EU-Gründungsmitglied Italien wurde die Parteienlandschaft gehörig durcheinandergewirbelt. Ein starker Fokus lag auf der Person von Silvio Berlusconi. So schrieb „Le Matin“ pointiert: „Le grand retour de Berlusconi“ (23.2, S. 25). Die Rückkehr des „Cavaliere“ dominierte die Berichterstattung über die Wahlen geradezu: Die Kandidierenden der anderen grossen Parteien wurden viel weniger, diejenigen kleinerer Wahlbündnisse überhaupt nicht erwähnt.

Ein weiteres wichtiges aussenpolitisches Thema war der Bürgerkrieg in Syrien. Über den Konflikt wird seit seiner Entstehung permanent berichtet. Jedoch war er im letzten Jahr etwas aus den Schlagzeilen geraten. Über die aktuellen Angriffe auf Ost-Ghuta und die damit verbundene humanitäre Katastrophe wird aber in den Schweizer Medien wieder viel berichtet.

Eher zu Beginn des Monats sorgten die weltweiten Einbrüche an den Börsen für viel Resonanz. Die Aufmerksamkeit flachte jedoch ab, sobald klar wurde, dass der Crash eher eine kurzfristige Korrektur der Börsen war und kein Beginn einer grossen Krise. Ein Ereignis, das in der französischsprachigen Schweiz wesentlich mehr Resonanz erhielt als in der Deutschschweiz, waren die Vergewaltigungsvorwürfe an die Adresse des Islamwissenschaftlers Tariq Ramadan. 

Medienagenda Januar 2018

Am Besuch Donald Trumps am WEF 2018 kam kein Medium vorbei: Der Anlass führt die Rangliste der wichtigsten Schweizer Medienereignisse im Januar an. Innenpolitisch war die No-Billag-Initiative das wichtigste Thema. 5 der Top-10 Themen der Medienagenda kamen im Januar neu auf die Agenda. 

Davos als Mittelpunkt der Weltpolitik

Top-Thema im ersten Monat des neuen Jahres war das World Economic Forum WEF in Davos. Der Besuch Donald Trumps in der Schweiz führte zu einer Welle an Berichterstattung. Die bisher eher kritische Perspektive auf den US-Präsidenten wich dabei einer gewissen Trump-Euphorie. Der „Blick“ tat sich dabei besonders hervor. Chef-Redaktor Christian Dorer liess sich eine Ausgabe des Boulevardblatts von Donald Trump live vor der Kamera signieren. Auch über die Regierungstätigkeit von Trump wurde im Zuge des WEF sowie des 1-Jahr-Jubiläums seiner Amtseinführung berichtet. Es erschienen diverse Bilanzen, Rückblicke und Analysen zu seiner bisherigen Regierungszeit. Weitere aussenpolitische Ereignisse in den Top-10 waren die Koalitionsverhandlungen in Deutschland (Stichwort GroKo) sowie die Proteste im Iran.

Medienthemen sorgen für Resonanz

Die No-Billag-Initiative war das wichtigste innenpolitische Thema. Die Initiative erzeugt überdurchschnittlich viel Resonanz (vgl. Abstimmungsmonitor) und nimmt im Januar Rang 2 der Medienagenda ein. Die hohe Beachtung vor dem Abstimmungstermin vom 4. März zeigt, wie sehr die Medienlandschaft durch die potentiell bevorstehenden Umwälzungen, die durch ein Ja an der Urne ausgelöst werden könnten, bewegt wird.

Als weiteres Medien-Thema generierten die Ereignisse rund um die Schweizerische Depeschenagentur SDA viele Medienberichte (Rang 8). Ähnlich wie bei der No-Billag-Initiative geht es um einen tragenden Pfeiler des Schweizer Mediensystems: Denn die SDA ist ein wichtiger Zulieferer von Informationen für die Berichterstattung in Schweizer Medien (vgl. SDA-Analyse). Der Umbau der Agentur im Zuge der neuen Besitzerstruktur und insbesondere der gross angelegte Abbau von Stellen führten zu Streiks und einer medienpolitischen Debatte auf nationaler Ebene.

Ein weiteres Politik-Thema waren die bilateralen Beziehungen der Schweiz mit der EU (Rang 5). Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der Rolle von Neu-Bundesrat Ignazio Cassis. Der Aussenminister präsentierte seine Agenda für ein institutionelles Rahmenabkommen mit der EU. Er wurde in den Medien vielfach mit der Ankündigung vor seiner Wahl, er werde in den Verhandlungen mit der EU den „Reset-Knopf“ drücken, konfrontiert.

Wetterkapriolen in der Schweiz

Die vielen Niederschläge in der Schweiz haben im Januar sehr viel Resonanz erzeugt. Die eingeschneiten Dörfer waren wochenlang Thema in sämtlichen Medien. Insbesondere Zermatt, das mehrfach eingeschneit war, wurde oft erwähnt: Fast 200 Mal wurde der Name der Tourismusdestination im Januar in den untersuchten Medien genannt. Rang 7 wird durch den Sturm Burglind belegt, sodass ungewöhnlicherweise zwei Wetter-Themen in den Top-10 der Medienagenda Platz finden.

Auch ein Sportereignis figuriert unter den meistbeachteten Themen im Januar: Wie schon im Vorjahr wurde das Australian-Open in Melbourne dank dem Sieg von Roger Federer zum medialen Grossereignis. Parallelen zum Vorjahr sind unübersehbar: Auch vor einem Jahr nahm die Berichterstattung zu, je näher der Erfolg Federers rückte. Die Resonanz reichte jedoch nicht ganz an die des Vorjahres heran.

Medienagenda Dezember 2017

Johnny Hallyday stirbt 74-jährig, die bilateralen Beziehungen mit der EU erreichen einen Tiefpunkt und #MeToo das Bundeshaus: Dies waren die wichtigsten Themen in der Schweizer Medienlandschaft der Vorweihnachtszeit. Für viel Resonanz sorgten ausserdem die Wahlen in Katalonien, Trumps Jerusalem-Entscheid, No Billag, der Brexit, die Fussball-WM und die SBB.

Bilaterale Beziehungen mit der EU auf dem Tiefpunkt

„So quält uns die EU“ (Blick, 23.12.207), „Vorbei mit der Freundschaft“ (Tages-Anzeiger, 19.12.2017), „Chronik eines bilateralen Desasters“ (NZZ, 21.12.2017): Die Schweizer Medien waren sich kurz vor Weihnachten einig, dass die Verhandlungen über ein Rahmenabkommen mit der EU auf dem Gefrierpunkt angelangt waren. Dass die Europäische Union die Schweizer Börsenregulierung nur befristet bis Ende 2018 anerkennt, sorgte zwischenzeitlich für viel Berichterstattung. Die Thematik rangiert im Dezember auf Platz 1 der Medienagenda.

Bereits vier Monate vor der Abstimmung war die No-Billag-Initiative im November das wichtigste Politik-Thema aus dem Inland. Auch im Dezember wurden die Debatten über die Initiative intensiv weitergeführt. No Billag belegt Platz 6 in der Themenhierarchie.

Drei Politik-Themen aus dem Ausland in den Top 10

Keine drei Monate nach der Unabhängigkeits-Abstimmung wurde die Bevölkerung in Katalonien erneut zur Urne gebeten: Ein neues Parlament wurde gewählt. Die Entwicklungen im Nordosten Spaniens waren nach September und Oktober zum dritten Mal das wichtigste Ausland-Ereignis (Rang 4). Die separatistischen Parteien errangen eine kleine Parlamentsmehrheit, gleichzeitig ging mit Inés Arrimadas und der Partei Ciudadanos eine Kraft als Siegerin aus den Wahlen hervor, welche sich für die Einheit Spaniens einsetzt.

Nicht nur die Schweiz ringt mit der EU um die zukünftige Ausgestaltung ihrer Beziehungen, auch Grossbritannien. Die Brexit-Verhandlungen belegen im Dezember Platz 7 der Medienagenda. Für noch mehr Resonanz sorgte Donald Trumps umstrittener Entscheid, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen (Rang 5). Für den Friedensprozess zwischen Israel und Palästinensern wurde der Schritt gemeinhin als blockierend eingeschätzt.

Fussball-WM erneut Sportthema Nr. 1

Im Vergleich zum Vormonat nahm der Anteil der Sportberichterstattung innerhalb der Top 50 leicht zu. Das wichtigste Thema war erneut die bevorstehende Fussball-WM in Russland (Rang 8). Anders als in den Vormonaten standen allerdings nicht sportliche Ereignisse im Zentrum, sondern der Rücktritt von OK-Präsident Vitali Mutko. Der Präsident des russischen Fussball-Verbandes, Vize-Ministerpräsident und ehemalige Sportminister wird verdächtigt, im staatlichen russischen Dopingskandal eine zentrale Rolle gespielt zu haben.

Johnny Hallyday und Yannick Buttet in der Romandie im Fokus

In den Medien der Deutschschweiz kaum ein Thema, in der Suisse romande die Nummer 1: Kein Thema sorgte in der Westschweiz für mehr Berichterstattung als der Tod von Johnny Hallyday. Auch im Qualitätsblatt Le Temps wurden annähernd 20 Artikel über das Ableben des französischen Musikers publiziert. Insgesamt rangiert das Ereignis auf Platz 2 der Monatsagenda vom Dezember.

Ähnlich stark im Fokus wie Hallyday stand in der Suisse romande Ende Jahr nur einer: Yannick Buttet (Rang 3). Im November wurde bekannt, dass der „CVP-Shootingstar“ (Tages-Anzeiger, 30.11.2017) Frauen stalkte und bedrängte. Keine drei Wochen später liess der Walliser verkünden, dass er aus dem Nationalrat zurücktrete. Damit hat #MeToo das Bundeshaus erreicht. Auch sonst sorgte die Debatte über sexuelle Belästigung im Dezember weiterhin für viel Resonanz (Rang 10).

Komplettiert wird die Top 10 im Dezember von der SBB. Die Bundesbahnen sorgten unter anderem mit dem Fahrplanwechsel und mit dem neuen Chef Personenverkehr Toni Häne für überdurchschnittliche Medienresonanz.

Medienagenda November 2017

Zum zweiten Mal im laufenden Jahr führt ein Sportereignis die Monatsagenda an: Über kein Thema wurde im November umfassender berichtet als über die bevorstehende Fussball-WM in Russland und die Qualifikation der Schweizer Nationalmannschaft. Im Kontext des ersten Schweizer Digitaltages erfuhr die Digitalisierung einen neuen Beachtungshöhepunkt. No Billag gehört über drei Monate vor der Abstimmung bereits zu den Top 10.

Spannung sorgt für Resonanz

Die Qualifikation für die Fussball-WM in Russland war in den Schweizer Medien das wichtigste Thema im November. Die beiden Barrage-Partien der Schweiz gegen Nordirland sorgten für umfassende Berichterstattung, thematisiert wurde aber auch das dramatische Scheitern Italiens. Abgesehen davon waren Sport-Themen im Vergleich zum Vormonat weniger präsent. Die Champions League auf Rang 31 war das zweitwichtigste sportliche Ereignis.

Zwei neue Politikereignisse aus dem Ausland in den Top 10

Die Koalitionsverhandlungen in Deutschland (Rang 3) waren im November das bedeutendste Politikthema aus dem Ausland. Auf Rang 5 folgt der Militärputsch gegen Robert Mugabe in Simbabwe, neben der Verurteilung von Ratko Mladic (Platz 9) das zweite neue Politikereignis aus dem Ausland in den Top 10. Das Top-Ereignis aus dem Vormonat, die angestrebte Unabhängigkeit Kataloniens, verlor deutlich an Beachtung (Rang 6). Die Inhaftierung von Vertretern der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung und die mögliche Auslieferung des abgesetzten katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont an Spanien sorgten aber für zahlreiche Schlagzeilen.

No Billag drei Monate vor der Abstimmung bereits wichtigstes Politikthema aus dem Inland

In Anbetracht der Tatsache, dass erst am 4. März über die Initiative abgestimmt wird, war das Berichterstattungsvolumen über No Billag bereits sehr beachtlich. Besonders viel berichtet hat dabei der Blick. Unter anderem hat das Boulevardblatt die Stellungsnahmen der SRG-Mitarbeiter Stefan Hofmänner, Susanne Wille und Sabine Dahinden kritisch kommentiert: „Pleiten, Pech und Pathos“ (Blick, 18.11.2017). Die bilateralen Verträge der Schweiz mit der EU, über die im Rahmen des Besuchs von EU-Kommissions-Präsident Jean-Claude Juncker im dritten Monatsdrittel debattiert wurde, waren das zweitwichtigste Politikthema aus dem Inland (Rang 10).

Der Digitaltag bündelt die Aufmerksamkeit für die Digitalisierung

Am 21. November fand der erste Schweizer Digitaltag statt. Die teilweise als Partner in die Organisation involvierten Medien nahmen den Event zum Anlass, ausführlich über Chancen und Risiken der Digitalisierung zu berichten. Wie bereits in der Analyse zum dritten Quartal 2017 gezeigt wurde ist die Digitalisierung ein Trendthema, welches in letzter Zeit starke Beachtung erfährt (Platz 2).

Paradise Papers und weitere Skandale

Die Enthüllungen rund um die „Paradise Papers“, die der Tages-Anzeiger zusammen mit fast 100 weiteren Medienhäusern weltweit veröffentlicht hat, waren im November das wichtigste neue Thema und rangieren auf Platz 4. Hohe Resonanz haben auch die weiteren Enthüllungen im Kontext #MeToo erzielt (Rang 8). Neue prominente Angeschuldigte waren im November Sepp Blatter, Ed Westwick und Bill Clinton.

Medienagenda Oktober 2017

Der Streit um die Unabhängigkeit Kataloniens war im Oktober das mit Abstand gewichtigste Thema in den Schweizer Medien. Seit April und den französischen Präsidentschaftswahlen erhielt kein Ereignis in einem Monat mehr öffentliche Aufmerksamkeit. Die Qualifikation für die Fussball-Weltmeisterschaften folgt auf Rang 2, wobei Sportereignisse im Oktober auch sonst viel Resonanz generierten.

Eskalation in Spanien

Der Unabhängigkeitsstreit um Katalonien hat die Medienagenda im Oktober dominiert, die immer neuen Eskalationsstufen sorgten für anhaltende Resonanz. Die Thematik rangiert auf der Medienagenda des Oktobers mit deutlichem Abstand auf Rang 1. Andere aussenpolitische Ereignisse, welche im Oktober medial umfassend begleitet wurden, waren die Neuwahlen in Österreich (Rang 3), der Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas (Rang 8) und der IS-Konflikt (Rang 9); allesamt Themen, die im Vormonat weit weniger Resonanz generierten. Andere, zuletzt viel beachtete Auslandthemen sind hingegen aus dem Fokus geraten, so zum Beispiel der Rohingya-Konflikt und der Atomstreit mit Nordkorea.

Sportthemen im Aufwind

Der Oktober war auch ein Sport-Monat. Die Schlussphase der Qualifikation für die Fussball-Weltmeisterschaften 2018 in Russland und dabei insbesondere die Vorbereitungen auf die Partien der Schweizer Nationalmannschaft gegen Portugal und Nordirland sorgten anhaltend für viel Resonanz (Rang 2). Knapp ausserhalb der Top 10 folgen der Angriff Christian Constantins gegen Rolf Fringer (Rang 11) und das Tennis-Turnier von Basel, bei dem erneut Roger Federer reüssieren konnte (Rang 13).

Schweizer Nobelpreis sorgt für Aufsehen

Die Tatsache, dass die Schweizerische Forschungslandschaft nach 15 Jahren wieder einen Nobelpreisträger vorweisen kann, gab Anlass zur umfassenden Berichterstattung über die Vergabe des Preises an den Biophysiker Jacques Dubochet von der Universität Lausanne (Rang 6). Als weiteres Schweiz-Thema rangiert auf Rang 7 die Olympiakandidatur von Sion für die Winterspiele 2026. Diskutiert wurde unter anderem die Frage, ob es dazu eine nationale Volksabstimmung geben soll. Klare Position bezieht dazu der Tages-Anzeiger mit dem Kommentar: «Olympia? Abstimmen!» (23.10.2017). Auf Platz 10 rangiert die Altersvorsorge 2020, über die im September abgestimmt wurde. Dass ein Abstimmungsthema im Monat nach der Abstimmung in den Top 10 verbleibt, ist ungewöhnlich und zeigt, dass die Reform der Altersvorsorge weiterhin ein zentrales Anliegen darstellt.

USA doppelt in den Top 10, aber nicht wegen Trump

Dass Themen aus den USA in den Top 10 der Schweizer Medien rangieren, ist keine Seltenheit. Ausser im Juni waren die Vereinigten Staaten im laufenden Jahr immer in den Top 10 des Monats vertreten. Der Oktober bestätigt diesen Trend: Komplettiert wird die Rangliste der wichtigsten Themen durch den Amoklauf von Las Vegas (Rang 5) einerseits und durch die Aufdeckung von Fällen sexueller Belästigung durch den Hollywood-Filmproduzenten Harvey Weinstein (Rang 4) andererseits. Dieser Skandal hat eine veritable Welle losgetreten: Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht weitere prominente Männer sexueller Straftaten angeklagt werden. Insbesondere in sozialen Netzwerken wird (unter dem Hashtag #MeToo) eine intensive Debatte über Sexismus geführt.

Medienagenda September 2017

Politische Themen aus dem In- und Ausland dominierten die Berichterstattung der Schweizer Medien im Monat September. Gefolgt von der Abstimmung über die Altersvorsorge 2020 führt die Bundesratsersatzwahl die Rangliste der wichtigsten Ereignisse an. Deutschland, Spanien, die USA, Nordkorea und Myanmar standen in der Auslandsberichterstattung im Fokus.

Bedeutungsgewinn der Politikberichterstattung

Nachdem im Juli und August zahlreiche Sport- und Human Interest-Themen die Medienberichterstattung in der Schweiz mitprägten, stand der August wieder stark im Zeichen des politischen Geschehens (+20%): Hurrikan Irma (Rang 5) und der Angriff von FC Sion-Präsident Christian Constantin gegen TV-Experte Rolf Fringer (Rang 10) waren die einzigen Ereignisse in den Top 10 aus diesen Bereichen.

Bundesratsersatzwahl: Spannung sorgt für Resonanz

Rang 1 der Medienagenda belegt erneut die Bundesratsersatzwahl. Der Ausgang der Wahl folgte dabei der Aufmerksamkeitslogik der Medien: Ignazio Cassis erhielt seit Bekanntgabe des Rücktritts von Didier Burkhalter in jedem Monat die meiste Resonanz (im September 776 Nennungen) und konnte die Wahl klar für sich entscheiden. Pierre Maudet erhielt zum Schluss mehr Aufmerksamkeit (585 Nennungen) als Isabelle Moret (426 Nennungen) und schnitt auch bei der Wahl besser ab als seine Kontrahentin.

Diskrepanz in der Abstimmungsberichterstattung

Hinter der Bundesratsersatzwahl rangiert die Abstimmung über die Altersreform 2020 auf Platz 2 der Medienagenda. Insgesamt generierte die Vorlage deutlich mehr Resonanz als durchschnittliche Abstimmungsthemen. Das Abstimmungsresultat war wie die Berichterstattung im Vorfeld sehr ausgeglichen: Zuspruch und Ablehnung hielten sich in den Medien die Waage (vgl. Abstimmungsmonitor). Über die Vorlage zur Ernährungssicherheit wurde extrem wenig berichtet; selbst im Abstimmungsmonat September rangiert die Debatte nur auf Rang 35. Neben der Altersvorsorge sorgte von den Inlandthemen dagegen die angekündigte Erhöhung der Krankenkassenprämien für viel Berichterstattung (Rang 7).

Weltpolitische Rundschau

Zahlreiche internationale Politikthemen sind in den Top 10 der Medienagenda vom September vertreten. Top-Thema war dabei die Bundestagswahl in Deutschland (Rang 3). Im Vergleich mit der französischen Präsidentschaftswahl vor wenigen Monaten fiel die Resonanz allerdings weit geringer aus. Ein Grund dafür ist, dass der Wahlausgang absehbarer war als in Frankreich. Trotz vielerorts erwartetem guten Abschneiden der AfD, welche insbesondere auf Facebook erfolgreicher kommunizierte als die anderen Parteien (vgl. Studie über Politische Inszenierungen), wurde insbesondere der Erfolg Merkels gemeinhin erwartet.

Viel Aufmerksamkeit hatte die vergangenen Wochen Spanien aufgrund des Unabhängigkeitsreferendums in Katalonien (Rang 5) gebündelt. Während der Atomwaffenstreit mit Nordkorea (Rang 6) bereits im August ein wichtiges Thema war, wurde Myanmar im September in den Fokus der Schweizer Öffentlichkeit katapultiert: Das Vorgehen gegen die Rohingya-Minderheit und deren Flucht nach Bangladesh generierten umfassende Berichterstattung (Rang 8).

Im Fokus stand daneben auch und erneut die USA. Zum einen generierten die Protestaktionen von Sportlern (#TakeAKnee) gegen Donald Trump und dessen Reaktionen umfassende Berichterstattung (Rang 9), zum anderen Hurrikan Irma, der in Mittel- und Nordamerika noch intensiver wütete als zuvor Harvey.

 

Medienagenda August 2017

Die Bundesratsersatzwahlen waren im August erstmals das Top-Thema des Monats. Für umfassende Aufmerksamkeit sorgten daneben die bevorstehende Abstimmung über die Reform der Altersvorsorge und zahlreiche Krisen- und Katastrophenereignisse: Der Terroranschlag von Barcelona, der Hurrikan Harvey und der Bergsturz in Bondo, die Ausschreitungen in Charlottesville und der Atomwaffenstreit mit Nordkorea.

Bundesratswahlen: Spannung sorgt für Resonanz

Die drei offiziell nominierten FDP-Kandidierenden für die Nachfolge von Didier Burkhalter – Isabelle Moret, Ignazio Cassis und Pierre Maudet – konnten sich im August auch resonanzseitig deutlich von der Konkurrenz abheben: Sie erhielten nicht nur deutlich mehr Aufmerksamkeit als in den Vormonaten, sondern auch deutlich mehr als die Nichtnominierten. Der gemeinhin favorisierte Cassis generierte mit 539 Nennungen rund 16% bzw. 23% mehr Beachtung als die Kandidierenden der Suisse romande, Moret und Maudet.

Abstimmung über die Ernährungssicherheit kaum beachtet

Viel Medienresonanz generierte im August auch die bevorstehende Abstimmung über die Altersvorsorge 2020 (Rang 3). Wie der Abstimmungsmonitor zeigt, wird die Vorlage öffentlich sehr ausgeglichen diskutiert: Zustimmung und Kritik halten sich die Waage, wobei die FDP am meisten Aufmerksamkeit erhält. Die Kontroverse verschafft der Vorlage nicht nur deutlich mehr Resonanz als der thematisch ähnlichen „AHVplus“-Initiative vor einem Jahr, sondern auch deutlich mehr als der Vorlage über die Ernährungssicherheit. Diese rangiert auf der Medienagenda nur knapp innerhalb der Top 100.

Katastrophenereignisse im In- und Ausland

Naturkatastrophen haben hohen Nachrichtenwert und sorgen deswegen regelhaft, jedoch meist kurzfristig für viel Berichterstattung. Im August gab es gleich zwei solche Ereignisse, welche Eingang in die vorderen Ränge der Medienagenda fanden. Zum einen der Bergsturz in Bondo (Rang 7) und zum anderen der Hurrikan Harvey (Rang 9). Mit dem Anschlag von Barcelona (Rang 2) rangiert zudem und erneut ein islamistisch motiviertes Terrorereignis in den Top 10. Der Umstand, dass der Täter vorerst flüchtig war und eine Spur in die Schweiz führte, sorgte dafür, dass die Berichterstattung relativ lange anhielt. 

Bedeutungsverlust der Politikberichterstattung

Noch deutlicher als im Juli machte sich im August das Sommerloch bemerkbar. Nicht nur Human Interest-, sondern auch Sport-, Wirtschafts- und Kulturthemen erhielten auf Kosten der Politik (-10%) viel Resonanz. In Sachen Sport rangiert zwar nur die Leichtathletik-WM in London (Rang 6) in den Top 10, dahinter folgen aber zahlreiche weitere resonanzstarke Themen (bspw. Transfer Neymar Jr., Unspunnenfest, Rücktritt Usain Bolt). Aus dem Bereich Kultur ist das Filmfestival Locarno in den Top 10 platziert (Rang 8).

Auslandsberichterstattung mit Fokus USA

Die Auslandsberichterstattung wurde erneut von den Geschehnissen in den USA geprägt. Neben Hurrikan Harvey sorgten insbesondere die Ausschreitungen in Charlottesville für umfassende Berichterstattung (Rang 10). Thematisiert wurde dabei häufig Donald Trump, dessen Reaktionen auf die Ereignisse für viel Kritik sorgten. Seit Februar 2016 und dem Beginn der Wahlberichterstattung gab es somit keinen Monat, in welchem Trump nicht in den Top 10 aufgetaucht war.

Eine prominente Rolle spielen die USA auch im Atomwaffenstreit mit Nordkorea (Rang 4). Das Ereignis sorgt für umfassende Medienresonanz, auch in den Boulevard- und Gratismedien. Der Blick schreibt vom „irren Kim" und titelt: "Welt in Angst!" (12.8.2017). Die Flüchtlingskrise (Rang 5) komplettiert die Top 10 des Monats: Sie erhielt aufgrund der Fokussierung auf die repressive Politik der EU im Mittelmeerraum trotz sinkender Flüchtlingszahlen etwas mehr Resonanz als zuletzt.  

Medienagenda Juli 2017

Wie im Vorjahr wird die Berichterstattung im Sommer von zahlreichen Sportereignissen geprägt. Wichtigstes Ereignis war im Juli das Tennisturnier in Wimbledon, welches insbesondere durch den Sieg Roger Federers sehr viel Resonanz erhielt. Innerhalb der Politikberichterstattung überwogen zwar Themen aus dem Ausland, die Bundesratsersatzwahl war aber dennoch Thema Nr. 1. Neben Ignazio Cassis konnten sich im Juli Jacqueline de Quattro und Isabelle Moret als Kandidatinnen etablieren: Sie erhielten im Vergleich zum Vormonat deutlich mehr Aufmerksamkeit.

Sportthemen füllen das Sommerloch

Der Juli 2017 zeigt, was bereits im Jahr zuvor auffällig war: Sportereignisse sind im Sommer nicht nur zahlreich, sie generieren dann auch besonders viel Resonanz. Im Vergleich zum Juni hat der Anteil der Sportberichterstattung innerhalb der Top 50-Themen um 12 Prozent zugenommen, vor allem auf Kosten der Politik (vgl. Abb. 2).

Stärker als sonst prägten Sportereignisse auch die Top 10: Dank des Sieges von Roger Federer ist das Tennis-Turnier von Wimbledon das Top-Ereignis des Monats. Im Verlaufe des Turniers hat sich eine wahre Federer-Euphorie entwickelt, die ihren Höhepunkt nach dessen Finalsieg fand. "King Roger, wir verneigen uns", titelte die Gratiszeitung 20 Minuten beispielsweise (17.07.17).

Ebenfalls Eingang in die Top 10 fanden die Tour de France (Rang 4) und die Frauen-Fussball-Europameisterschaft in den Niederlanden (Rang 9). Es ist das erste Mal seit der regelmässigen Publikation dieser Analyse, dass ein Thema aus dem Bereich Frauensport in den Top 10 auftaucht. Damit widerspiegelt sich dessen wachsende Beachtung auch in der Medienagenda.

Die Bundesratswahl als Politikthema Nr. 1

Auf Rang 2 der Themenhierarchie rangieren im Juli die Bundesratsersatzwahlen. Das Feld möglicher Kandidatinnen und Kandidaten konkretisiert sich langsam, die Aufmerksamkeit der Medien konzentriert sich stärker als im Juni auf wenige Personen. Am meisten im Fokus stand erneut Ignazio Cassis, der Anfang Monat von der Tessiner FDP offiziell nominiert wurde (vgl. Abb. 3). Erfolgreich positioniert hat sich im Juli die Frauen-Fraktion der Romandie: Waren Jacqueline De Quattro und Isabelle Moret im Vormonat eher unter „ferner liefen“ zu finden, so haben sie sich mittlerweile zur meist beachteten Konkurrenz für Cassis entwickelt. Dahinter lichten sich die Reihen: Andere Kandidierende haben es schwer, Aufmerksamkeit zu bekommen. Eine Ausnahme bildet Laura Sadis: Ihre Resonanz ist im Juli leicht gestiegen, obwohl sie von der Tessiner FDP nicht nominiert wurde. Sadis wird als mögliche Sprengkandidatin gehandelt.

Zahlreiche Politikthemen aus dem Ausland prägten den Juli

Im Vergleich zum Juni hat der Anteil der Auslandsberichterstattung innerhalb der Top 50-Themen stark zugenommen: 66 Prozent der Medienbeiträge thematisierten Ereignisse aus dem Ausland, 15 Prozent mehr als im Vormonat. Neben den erwähnten Sportereignissen wurden insbesondere Politikthemen resonanzstark thematisiert.

Der G20-Gipfel in Hamburg erhielt davon am meisten Aufmerksamkeit: Protestaktionen und insbesondere die Krawalle standen stark im Fokus der Berichterstattung (Rang 3). Die Türkei und die Regierung Erdogan waren vor allem deshalb ein Thema, weil sich der gescheiterte Putschversuch im Juli gejährt hatte (Rang 6). Er war Anlass zu diversen Analysen der politischen Entwicklungen in der Türkei. In den Top 10 rangiert auch die Regierung Trump, die mit den erneuten Personalrochaden für Aufmerksamkeit sorgte (Rang 5). Mit der Flüchtlingskrise (Rang 9) und dem IS-Konflikt (Rang 10) befinden sich des Weiteren zwei Dauerbrenner in den Top 10. Komplettiert wird die Medienagenda durch ein Ereignis aus dem Bereich Human Interest: Die Kettensäge-Attacke von Schaffhausen (Rang 7).

Medienagenda Juni 2017

Neben dem Kantonswechsel Moutiers und der Bundesratsersatzwahl sorgten im Juni Ereignisse aus Frankreich und Grossbritannien für viel Medienresonanz. Zum einen wurde umfassend über die Parlamentswahlen in diesen Ländern berichtet, zum anderen sorgten der Terroranschlag und der Brand des Grenfell Towers in London für kurzfristige Aufmerksamkeit. Insgesamt präsentiert sich die Medienagenda vom Juni ausgeglichener als die letzten Monate. Sehr dominant thematisierte Ereignisse wie zuletzt die französischen Präsidentschaftswahlen gab es im Juni nicht.

«Mouxit» in der Suisse romande im Fokus

Die Abstimmung über den Kantonswechsel Moutiers von Bern nach Jura sorgte insbesondere in der Medienarena der Suisse romande für viel Berichterstattung (Rang 2). Über kein Inlandereignis wurde umfassender berichtet. Die Stimmberechtigten der bernjurassischen Gemeinde haben am 18. Juni bei einer Stimmbeteiligung von sehr hohen 88 Prozent beschlossen, sich dem Kanton Jura anzuschliessen. 

Nachdem Didier Burkhalter seinen Rücktritt per Ende Oktober bekanntgab, begannen die Spekulationen um seine Nachfolge medienübergreifend bereits am Folgetag (Rang 3). Zu den Favoriten gehört aller Voraussicht nach der Tessiner Arzt und FDP-Fraktionspräsident Ignazio Cassis. Er wäre der erste Tessiner Bundesrat seit 1999.

London als Brennpunkt des Monats

Gleich zwei tragische Ereignisse aus der britischen Hauptstadt rangieren im Juni in den Top 10. Zum einen der schwere Terroranschlag vom 3. Juni, der dritte in Grossbritannien in drei Monaten (Rang 8), und zum anderen der Brand des Grenfell Tower (Rang 10). Am 14. Juni war das 24-stöckige Gebäude in West-London durch einen defekten Kühlschrank in Brand geraten, 80 Menschen starben in der Folge.

Dazwischen fand die britische Unterhauswahl statt (Rang 4). Diese bescherte der amtierenden Premierministerin Theresa May eine bittere Niederlage. Ihre Partei hat im Parlament die absolute Mehrheit und damit die Rückendeckung für die Brexit-Verhandlungen mit der EU, die in der zweiten Monatshälfte in Angriff genommen wurden, verloren.

Tennis und Wahlen in Frankreich

Besser als Theresa May erging es Emmanuel Macron in Frankreich. Seine Partei «La République en marche» hat nach den Präsidentschaftswahlen auch bei den Parlamentswahlen (Rang 1) einen grossen Erfolg feiern können. Macron, «Europas neue Lichtgestalt» (Tages-Anzeiger, 23. Juni 2017), verfügt in der Nationalversammlung neu über die absolute Mehrheit.  In der zweiten Monatshälfte sorgte der Rücktritt mehrerer Kabinettsmitglieder und die Neubesetzung der Posten für Furore (Rang 7). Dennoch stand im Juni nicht Macron oder May, sondern US-Präsident Donald Trump am stärksten im Fokus der Medien: Kein Akteur generierte mehr Nennungen als er. Für Aufruhr sorgte insbesondere sein Entschluss, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen werde (Rang 6).

Mit dem Grand Slam Tennis-Turnier von Roland Garros rangiert ein drittes französisches Ereignis in den Top 10 des Monats (Rang 5). Das Traditionsturnier sorgte auch aufgrund der Erfolge von Stanislas Wawrinka (Final) und Timea Bacsinszky (Halbfinal) für viel Berichterstattung.

Poststellen-Abbau konkretisiert sich

Bis 2020 sollen nur noch 800 bis 900 von heute 1250 Poststellen bestehen bleiben. Besonders rasant zeigt sich der Abbau der Post im Kanton Luzern: Ein Drittel der Poststellen verschwindet. Diese Meldung hat der Post ungewohnt viel Berichterstattung verschafft (Rang 9).

Medienagenda Mai 2017

Die Anzahl neuer Themen auf der Agenda war seit der regelmässigen Publikation der Analyse im Oktober 2013 in keinem Monat höher. Mit dem Terroranschlag von Manchester, der Bildung der neuen Regierung in Frankreich, dem Schweizer Fussball-Cup und dem Hackerangriff WannaCry rangieren gleich vier neue Themen in den Top 10. Auch das Filmfestival Cannes und die Spionageaffäre um Daniel M. generierten sehr viel mehr Resonanz als im Vormonat. Die Agenda ist somit durch starke Veränderungen geprägt. Keine Verschiebung gibt es aber an der Spitze: Die französischen Präsidentschaftswahlen waren erneut das Top-Thema.

Erneut viel Berichterstattung über Macron und Trump

Die französischen Präsidentschaftswahlen fanden in der Schweizer Medienöffentlichkeit sehr viel Beachtung.  Wie im April war der siegreiche Kandidat Emmanuel Macron der resonanzstärkste Akteur des Monats: Er generierte insgesamt 1451 Nennungen und stand damit noch stärker im Fokus als zuletzt. Die Bildung der neuen Regierung belegt auf der Medienagenda Rang 6 und fand insbesondere im Le Temps hohe Beachtung.

Neben Emmanuel Macron erhielt auch Donald Trump wieder sehr viel Medienaufmerksamkeit. Er war der Akteur mit den zweitmeisten Nennungen und stand vor allem im Zuge seiner ersten Auslandreise (Rang 7), aber auch im Kontext der Russlandaffäre und der Absetzung von FBI-Chef James Comey im Fokus.  

Auf Rang 3 der Medienagenda befindet sich das Attentat von Manchester. Während die Resonanz für einzelne Terroranschläge in den letzten Monaten tendenziell etwas zurückging – die Attentate von Stockholm und St. Petersburg erhielten deutlich weniger Resonanz – sorgte der Anschlag in Manchester mitunter aufgrund der beteiligten Musikprominenz für mehr Aufmerksamkeit.

Energiestrategie und Wahlen in der Waadt

Innenpolitisch generierten Ereignisse mit Bezug zum Abstimmungs- und Wahltag vom 21. Mai viel Medienresonanz. Die einzige nationale Vorlage, jene zur Energiestrategie 2050 (Rang 2), erhielt wenig erstaunlich am meisten öffentliche Aufmerksamkeit. Der Vergleich mit früheren energiepolitischen Abstimmungsvorlagen zeigt jedoch: Die Resonanz für das neue Energiegesetz war sehr hoch (vgl. Abstimmungsmonitor).

Erneut in den Top 10 rangieren auch die Staatsratswahlen im Kanton Waadt, wo im Mai der mit Spannung erwartete zweite Wahlgang stattfand (Platz 5). Mit der Spionageaffäre um Daniel M. (Rang 4) ist ein weiteres politisches Inland-Thema in den Top 10 platziert. Insbesondere der Blick berichtete sehr umfassend darüber und kommentierte bereits Anfang Monat: «Das hat das Zeug zur Staatsaffäre» (2. Mai).

Human Interest und Kultur legen zu

Das Verhältnis von Ausland- und Inlandberichterstattung ist im Vergleich zum Vormonat innerhalb der 50 wichtigsten Themen annähernd gleichgeblieben. Verschoben haben sich hingegen die Gewichte der Themenbereiche: Human Interest- und Kulturthemen wurden auf Kosten von Politik und Wirtschaft etwas wichtiger (+5% bzw. +6%). Innerhalb der Top 10 sind zwei Themen aus diesen Bereichen platziert: Das Filmfestival Cannes (Rang 9) und der Hackerangriff WannaCry (Rang 10).

Ungewohnt viel Berichterstattung generierte im Mai der Schweizer Fussball-Cup. Die Boulevardzeitungen Blick und Le Matin berichteten auf zahlreichen Sonderseiten über den Final zwischen dem FC Basel und dem FC Sion.

Medienagenda April 2017

Kein Wechsel an der Spitze der Rangliste: Die französischen Präsidentschaftswahlen führen die Medienagenda auch im Monat April an. Die Resonanz des politischen Grossereignisses hat allerdings noch einmal erheblich zugenommen; es dominierte die Berichterstattung im April ähnlich wie die US-Wahlen letzten November. Das wichtigste Inland-Thema war im Monat vor der Abstimmung die Debatte über die Energiestrategie 2050.

Auslandthemen überwiegen

Im Vergleich zum Vormonat waren Auslandthemen im April von grösserer Bedeutung: Während im März 46 % der Berichterstattung über die Top-50-Themen einen internationalen Bezug hatten, waren es im April 52 %. Verantwortlich für diese Zunahme waren neben den französischen Präsidentschaftswahlen insbesondere das Verfassungsreferendum in der Türkei (Rang 3) und der syrische Bürgerkrieg (Rang 2), der aufgrund der Militärintervention der USA als Reaktion auf einen Giftgasangriff wieder mehr Aufmerksamkeit erhielt. Die Anteile der Themenbereiche änderten hingegen nur gering: Wie im März dominierten politische Issues die Top 50.

Macron mit der meisten Medienresonanz – Weniger Beachtung für Trump

Innerhalb der Berichterstattung über die Präsidentschaftswahlen in Frankreich hat sich der Fokus deutlich verändert. Während im März die Skandalisierung der Kandidatur von François Fillon im Fokus stand, war es im April das Duell zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen in der Stichwahl. Das zeigt sich auch an der Anzahl Kandidatennennungen in den Medienbeiträgen: Macron (841) und Le Pen (766) wurden deutlich häufiger genannt als der gescheiterte Fillon (332). Der mediale Fokus auf Frankreich hat zur Folge, dass Donald Trump erstmals in diesem Jahr nicht der meistgenannte Akteur innerhalb eines Monats war. Länger wie mehr scheint sich der Nachrichtenfluss um den amerikanischen Präsidenten zu normalisieren. Anlass zur Berichterstattung gab vor allem die Bilanz seiner ersten 100 Tage im Amt (Rang 6). Zudem ist eine Versachlichung der Berichterstattung auszumachen: Vermehrt wird über politische Inhalte, insbesondere Aussen-, Wirtschafts- und Finanzpolitik, statt über die Person Trump berichtet.

Energiestrategie und die CS-Löhne waren die dominierenden Inland-Themen

Die Debatte zur Energiestrategie 2050 (Rang 4) war das resonanzstärkste innenpolitische Thema. Die Beachtung für die Vorlage, über die im Mai abgestimmt wird, war auch im Vergleich mit den letztjährigen Energievorlagen hoch: Sie erhielt gleichviel Resonanz wie die Atomausstiegsinitiative und die Initiative zur grünen Wirtschaft zusammen. Treiber der hohen Resonanz waren unter anderem Konflikte innerhalb der FDP und Wirtschaftsverbänden (vgl. Abstimmungsmonitor). Für ein Unternehmen ungewohnt viel mediale Aufmerksamkeit erhielt im letzten Monat die Credit Suisse (Rang 5). Grund dafür waren die Generalversammlung und die Entlöhnung des Top-Kaders. Die spektakuläre Protestaktion von Greenpeace-Aktivisten während der GV sorgte zusätzlich für Nachrichtenwert.

War es im Vormonat der Kanton Wallis, der durch Wahlen auf sich aufmerksam gemacht hatte, so waren es im April die Kantone Waadt (Rang 7) und Neuenburg (Rang 10). Die Resonanz fiel in den französischsprachigen Medien naturgemäss höher aus als in der Deutschschweiz.

Fussballteams auf den Rängen 8 und 9

Mit dem FC Basel und Borussia Dortmund rangieren im April auch zwei Fussballvereine in den Top 10. Beim FCB (Rang 9) sorgte der vollzogene Wechsel in der Führungsetage, der angekündigte Abgang von Urs Fischer als Trainer und der Gewinn der Meisterschaft für Aufmerksamkeit, beim BVB der Bombenanschlag auf den Teambus (Rang 8).

Medienagenda März 2017

Die Politik dominiert die Agenda der Schweizer Medien im Monat März: Neun der ersten zehn Ränge der Medienagenda sind mit politischen Themen besetzt. Die Präsidentschaftswahlen in Frankreich waren das meist beachtete Ereignis aus dem Ausland, die Rentenreform das wichtigste Inland-Thema.

Politik dominiert die Medienagenda im März

Dass der März aus Medienperspektive ein Politik-Monat war, zeigt sich auch mit Blick auf die Top 50-Themen: 76% der Berichterstattung behandelten ein Politik-Ereignis; 8% mehr als im Vormonat Februar. Weniger wichtig waren im März dagegen Sport- und Kulturereignisse (-10% bzw. -4%). Geographisch hat sich der Fokus der Berichterstattung nach dem Abstimmungsmonat Februar ebenfalls verschoben: 46% der Berichterstattung über die Top 50-Themen fokussierte im März ein Auslandereignis (+5%).

Top-Thema: Die Präsidentschaftswahlen in Frankreich

War vor einigen Monaten die US-Präsidentschaftswahl das Top-Thema, so ist es nun diejenige in Frankreich vom 23. April. Bereits seit November 2016 gehört sie zu den jeweils wichtigsten 10 Medienereignissen des Monats, doch erstmals belegte die Wahl um die Nachfolge von François Hollande im März nun Rang 1 der Medienagenda. Was den Wahlausgang anbelangt, gibt es nur vorsichtige Prognosen. Noch ist der Überraschungserfolg Donald Trumps in bester Erinnerung und die Möglichkeit eines ähnlichen Szenarios mit der rechtspopulistischen Front-National-Kandidatin Marine Le Pen nicht auszuschliessen.

Innerhalb der Wahlberichterstattung ist es jedoch nicht Le Pen (243 Nennungen), die im März am meisten Medienresonanz in der Schweiz generierte. Mehr Aufmerksamkeit erhielten der Kandidat der Républicains François Fillon (502 Nennungen) und „En Marche!“-Gründer Emmanuel Macron (312 Nennungen). Während sich Fillon weiterhin dem Vorwurf der Veruntreuung öffentlicher Gelder ausgesetzt sah, avancierte Macron länger wie mehr zum Hoffnungsträger aller Le-Pen-Gegner.

Rentenreform gibt nicht nur im Nationalrat zu reden

Auf Platz 2 der Medienagenda rangiert im März mit der Rentenreform ein innenpolitisches Thema, das angesichts seiner gesellschaftlichen Relevanz sonst untergebührlich thematisiert wird. Die ursprünglich von Alain Berset ausgearbeitete Vorlage hatte für Streit zwischen Stände- und Nationalrat gesorgt. Die Einigungslösung wurde vom Nationalrat in der entscheidenden Abstimmung schliesslich mit der knappst möglichen Mehrheit angenommen. Das Schauspiel haben die Medien, wohl auch aufgrund dieser Kontroversen, mit grosser Aufmerksamkeit mitverfolgt. Passend hierfür sprach der Blick vom «AHV-Krimi» (1. März 2017, S.2).

Die Billag vor dem Aus?

Die Billag war im März aus zwei Gründen öffentlich stark präsent (Rang 7): Einerseits wurde die No-Billag-Initiative zur Abschaffung der Gebühren im Ständerat behandelt, andererseits wurde völlig unerwartet bekannt, dass der Billag AG der Auftrag entzogen wird, die Gebührengelder einzuziehen. Ungewöhnlich viel Resonanz für ein kantonales Wahl-Issue erzielten die Staatsratswahlen im Wallis (Rang 4). Die grosse Aufmerksamkeit war insbesondere der spektakulären Abwahl von SVP-Hardliner Oskar Freysinger und dem Verdacht auf Wahlbetrug geschuldet.  

Die Türkei, die EU und erneut Trump

Nach mehrmonatiger Abwesenheit ist die Türkische Politik im März gleich doppelt zurück in den Top 10: Die Verfassungsreform rangiert einen Monat vor der Abstimmung auf Platz 8. Noch umfassender wurde über das Verhältnis der Schweiz zur Türkei berichtet (Rang 3). Grund dafür sind Differenzen zwischen den beiden Ländern, weil türkische Politiker in der Schweiz für ein JA werben wollten. Geschürt wurde die Debatte auch vom Blick, der auf seiner Frontseite und auf türkisch für ein NEIN Werbung machte.

Der Brexit (Rang 5) generierte im März viel Aufmerksamkeit, weil die Regierung May sich nun daranmacht, das Abstimmungsresultat in die Tat umzusetzen. Die Tatsache, dass die historische Zäsur der EU mit ihrem 60-jährigen Jubiläum zusammenfiel, bot für die Medien erneut Anlass, die Stabilität und die Zukunft der Europäischen Union zu diskutieren.  

Donald Trump ist zwar noch immer die mit Abstand meist thematisierte Person des Monats (1068 Nennungen innerhalb der Top 50-Issues), doch rangiert sein Regierungshandeln im März „nur“ noch auf Rang 6 der Ereignishierarchie. Komplettiert wird die März-Medienagenda mit dem Frauentag bzw. der Feminismus-Debatte (Rang 10). Neben der jährlichen Demo vom 8. März wurde insbesondere viel über den an die USA angelehnten „Woman’s March“ berichtet.

Medienagenda Februar 2017

Die Abstimmung über die Unternehmenssteuerreform III war im Februar das wichtigste Thema in den Schweizer Medien. Erstmals seit Februar 2016 und der Abstimmung über die Durchsetzungsinitiative rangiert damit wieder ein Inlandthema auf Platz eins einer Monatsagenda. Donald Trump verlor im Vergleich zum Januar etwas an Resonanz, war aber weiterhin sehr präsent: Neben seiner Regierung gehörte auch seine Migrationspolitik zu den wichtigsten Medienthemen im Februar.

Unternehmenssteuerreform auch nach der Abstimmung ein Thema

Die Abstimmung über die dritte Unternehmenssteuerreform war bereits im Januar das gewichtigste Inlandthema und wurde kontrovers diskutiert. Die Intervention von Alt-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf hatte nicht nur für viele Schlagzeilen gesorgt (vgl. Medienagenda Januar), sondern die Debatte auch inhaltlich geprägt (vgl. Abstimmungsmonitor). Das deutliche Abstimmungsresultat vom 12. Februar sorgte dafür, dass das Thema auch im Nachgang der Abstimmung in den Medien noch ausführlich behandelt wurde.

Umfassende Berichterstattung über die Umsetzung der MEI und andere innenpolitische Themen

Die Medienagenda war im Februar jedoch nicht nur aufgrund der umfassenden Berichterstattung über die Unternehmenssteuerreform stark durch Inlandthemen geprägt. Nicht weniger als fünf der zehn Top-Themen sind politische Debatten, die zurzeit auch im National- und Ständerat behandelt werden. Insgesamt hatte im Februar 62% der Berichterstattung über die Top 20-Themen einen Schweiz-Bezug. Dieser Wert ist deutlich höher als in den letzten beiden Monaten (49% im Januar, 34% im Dezember).

Nach der Unternehmenssteuerreform war die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative (Rang 6) das wichtigste innenpolitische Thema im Februar. Im Rahmen der Rentenreform (Rang 8) sorgten die von Medien und politischen Akteuren geäusserten Vermutungen, dass die Ablehnung der Unternehmenssteuerreform auch negative Folgen für die Altersvorsorge hätte, für viele Schlagzeilen. Bei der Gesundheitsreform (Rang 7) waren die Auslöser der Berichterstattung divers: Anfangs Monat sorgte beispielsweise eine Studie von Ernst&Young zur Erhöhung von Krankenkassenprämien für Resonanz.

Die Asylpolitik der Schweiz (Rang 10) war im Februar stark von kantonalen Diskursen geprägt. Während auf der einen Seite des Röstigrabens (Genf) über die Legalisierung von Sans-Papiers berichtet wurde, sorgten auf der anderen Seite (Zürich) die durch SP-Regierungsrat Mario Fehr verkündeten Verschärfungen im Asylrecht für einigen Aufruhr.

Trump bleibt präsent

Nachdem die neue Regierung der USA im Januar das Top-Medienthema war, blieb die mediale Präsenz von Donald Trump auch im Februar beachtlich: Seine Regierung rangiert auf Rang 3 der Monatsagenda und „Trump“ war erneut der Top-Begriff in den Schweizer Medien. Stark in den Fokus geriet im vergangenen Monat zudem die amerikanische Migrationspolitik, die unter dem neuen Präsidenten völlig neu ausgerichtet wird. Der Einreisestopp für Bürger diverser muslimischer Länder hat auch in der Schweiz für anhaltenden medialen Wirbel gesorgt.

Sichtbar wurde dabei ein erstes Mal der direkte Konflikt Trumps mit den Institutionen der Vereinigten Staaten. „Gericht bremst Trumps Aktivismus“ (NZZ, 6.2.2017, S. 1) und „Trump erfährt die Grenzen der Macht“ (TA, 6.2.2017, S.6) titelten die beiden grossen Deutschschweizer Tageszeitungen. Dass das System der „Checks and Balances“ im amerikanischen Staat unter der Regierung Trump aus dem Gleichgewicht geraten könnte, wird vermutlich auch in Zukunft für viel Berichterstattung sorgen.

Skandal um Fillon in Frankreich

Neben US-Berichterstattung rangieren nur zwei weitere Auslandereignisse in den Top 10 der Medienagenda Februar. Zum einen die Präsidentschaftswahl in Frankreich (Rang 2), die vor allem aufgrund des konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon Thema war, und zum anderen der anhaltende Konflikt in Syrien (Rang 9).

War es vor einem Monat noch Roger Federer, der für das sportliche Highlight des Monats sorgte, so waren es im Februar die alpinen Skirennfahrer. 7 Medaillen, davon 3 Gold, und das trotz baldigem Ausfall von Superstar Lara Gut bei der Heim-WM in St. Moritz (Rang 4): Davon haben auch die Medien zuvor kaum zu träumen gewagt. Entsprechend fiel ihre Begeisterung ab den Resultaten aus. Beispielhaft dazu der Blick-Titel vom 14. Februar 2017 auf der Frontseite: „Wir sind wieder Skination!“

Medienagenda Januar 2017

Der Januar stand ganz im Zeichen der Amtseinführung von Donald Trump. Das Thema dominierte die Berichterstattung von A bis Z. Daneben hat vor allem die Abstimmung zur Unternehmenssteuerreform III viel Aufmerksamkeit erzielt.

Trump: ein Medienereignis

Die Medienaufmerksamkeit für Donald Trump nimmt kein Ende. 213 Beiträge wurden im Januar zur Regierung Trump veröffentlicht, und mit 1‘640 Nennungen ist Trump auch wieder der meistgezählte „Begriff“ des Monats.

Nicht nur im Zuge seiner Amtseinführung wurde viel berichtet: Auch danach fand fast jeden Tag eine Äusserung, ein Tweet oder ein neues Dekret Wiederhall in der Schweizer Medienarena. Teilweise wurde diese Flut an Trump-News sogar institutionalisiert: So gibt es beim Blick eine Rubrik namens „Der tägliche Trump“. Auch über den Widerstand gegen Trump wird berichtet, seien es Demonstrationen oder aber Widerstand aus den Institutionen der USA. Dabei nicht berücksichtigt sind Themen wie das transpazifische Abkommen TPP oder die bilateralen Beziehungen zu Mexiko, über die „im Sog“ von Trump ebenfalls berichtet wurde, auch wenn sie es nicht in die Top-10 geschafft haben.

Unternehmenssteuerreform III als prägendes innenpolitisches Thema

Trotz der Dominanz der Berichterstattung um Trump hat auch ein innenpolitisches Thema beachtliche Resonanz erhalten: Die Unternehmenssteuerreform (USR III). Besonders der Vergleich zu den anderen Abstimmungsthemen des Abstimmungssonntages am 12.2.2017 ist eindrücklich (vgl. Abstimmungsmonitor). Die Vorlage zur erleichterten Einbürgerung belegt Rang 11, diejenige zum Strassenfonds NAF Rang 21. Die Debatte zur USR III wird kontrovers geführt. Bestes Beispiel hierfür ist die Intervention der Alt-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf: Sowohl ihre Warnungen betreffend der Reform als auch die darauffolgenden Gegenreaktionen wurden breit diskutiert.

Weiterhin in den Top 10 befindet sich auch die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative (Rang 5) und die Debatte um die Energiepolitik der Schweiz (Rang 8). Ersteres wurde unter anderem deshalb verhandelt, weil nun gegen den Vorschlag des Parlamentes zur Umsetzung eine kleine Gruppe überraschend ein Referendum angekündigt hat. Letzteres rückte wegen der nahenden Debatte um die Energiestrategie 2050 wieder in den Fokus.

Ebenfalls ein wichtiges Schweiz-Thema war natürlich das Word Economic Forum 2017 in Davos, auch wenn hier der internationale Bezug eine zentrale Rolle spielte. Trotz einzelner Storys über überrissene Preise in Davos lag der Fokus aber klar auf den prominenten Gästen; insbesondere die Eröffnungsrede des Chinesischen Präsidenten Xi Jinping wurde viel beachtet.

 „Goodnews“ zu „King Federer“

Obwohl v.a. negative Nachrichten die Schlagzeilen prägen, setzen Sportevents vereinzelt ein Gegengewicht: Der Sieg von Roger Federer am Australian Open gehört für die Schweizer Medien ganz eindeutig in die Kategorie „Good News“. Interessant dabei ist vor allem der Verlauf der Berichterstattung über das Turnier hinweg: Erschienen anfangs noch Zurückhaltung und gedämpfte Erwartungen angemessen, so wichen diese nach und nach einer immer grösseren Begeisterung für die Leistung von Federer, die schliesslich in purer Euphorie mündete. „Sein schönster Sieg!“ meinte der Blick (30.1.2017, S. 2), während der Tagesanzeiger seine Begeisterung ganz schlicht ausdrückte: „18“ (30.1.2017, S.1) war auf der Titelseite in Anspielung auf Federers 18. gewonnenen Grand-Slam Titel in Riesenlettern zu lesen.

Viel Raum für Aussenpolitik

Zur Kategorie „Bad News“ hingegen zählten erneut zahlreiche Auslands-Themen. Auf Rang 6 befindet sich trotz nachlassender Resonanz der Syrische Bürgerkrieg. Einen Schlüsselanlass gab es hierzu in diesem Monat nicht, vielmehr scheint der Krieg ein ständiges, trauriges, „Nachrichtenrauschen“ zu erzeugen: Berichte über Allianzen, Kampfhandlungen und Gesprächsversuche wechseln sich regelmässig ab.

Auch die bevorstehende französische Präsidentschaftswahl bekommt konstant viel Aufmerksamkeit. In diesem Monat waren es nun die Vorwahlen der Sozialistischen Partei, über die berichtet wurde. Auch wenn der Kandidat der Partei, Benoit Hamon besonders in der Deutschschweizer Medienlandschaft nicht besonders gut ankam, bestätigte sich dennoch, dass Vorwahlen ein geeignetes Mittel sind, um mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die deutschen Bundestagswahlen finden sich auf Platz 22, Tendenz steigend. Es wird sich zeigen, ob der Hype um den sozialdemokratischen Kandidaten Martin Schulz das Thema noch weiter nach vorne katapultieren wird.

Schliesslich taucht nach langem auch wieder der Brexit ganz vorne in der Rangliste auf (Rang 10). Dies aufgrund einer neuen Hürde, die im Austrittsverfahren genommen wurde: Premierministerin May offenbarte in einer Grundsatzrede ihre zwölf Ziele für die Austrittsverhandlungen.  

Obwohl der er Terroranschlag vom vergangenen Dezember in Berlin schon eine Weile her ist, fand das Thema nochmals den Weg in die Top 10, da die Ermittler unter anderem eine Spur in die Schweiz verfolgt hatten, was von den Medien prompt aufgegriffen wurde.

Medienagenda Dezember 2016

Im Dezember standen die dramatischen Zustände in Aleppo und der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz besonders stark im Fokus der Medien. Ebenso wurde der politisch umstrittenen Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative viel Aufmerksamkeit zuteil.

Traurige Schlagzeilen zum Jahresende

Schlagzeilen über Terroranschläge haben das Jahr 2016 stark geprägt und auch der letzte Monat des Jahres bildet leider keine Ausnahme: Das Attentat am Breitscheidplatz in Berlin gehörte zu den resonanzstärksten Themen des Monats (Rang 3). Die veröffentlichten 100 Beiträge bewegen sich in etwa im selben Rahmen wie bei anderen Terroranschlägen in Europa in diesem Jahr: Zum Anschlag in Brüssel waren es im März 138, zu dem in Nizza im Juli 93.

Das Thema, das im Dezember am meisten mediale Aufmerksamkeit erhalten hat, ist der Bürgerkrieg in Syrien. Verantwortlich dafür, war die Schlacht um Aleppo: Berichtet wurde unter anderem über Kampfhandlungen, über die humanitäre Lage, aber auch über die Bedeutung des offenbar beendeten Kampfes um Aleppo für den weiteren Verlauf des Syrienkonfliktes. Wie  präsent der Bürgerkrieg das ganze letzte Jahr über in den Schweizer Medien verhandelt wurde, zeigt die Analyse der bedeutendsten Themen aus dem Jahr 2016. Mit Ausnahme der Monate Juni und Juli war er stets unter den ersten 10 Rängen der monatlichen Medienagenda zu finden. Über das gesamte 2016 hinweg war der Bürgerkrieg in Syrien das drittwichtigste Thema in der Schweizer Medienlandschaft.

Trumps Kabinett

Die Wahl Donald Trumps als Präsident der USA war im November das überragende Thema in den Medien. Donald Trump sorgte auch im Dezember noch für viel Resonanz. Diesmal ist es jedoch nicht mehr die Wahl an sich, über die berichtet wurde, sondern die Regierungsbildung. Nebst Nominierungen für sein Kabinett haben sich auch Ausblicke auf Trumps Aussenpolitik gehäuft: Insbesondere die Berufungen einiger „Putin-Freunde“ in die künftige US-Regierung war Anlass für Spekulationen über die zukünftigen Beziehungen Trumps zu Russland bzw. zu Wladimir Putin.

Abstimmungen und Wahlen im Ausland

Weitere zentrale aussenpolitische Ereignisse waren – wie schon im Vormonat – die Präsidentschaftswahlen in Frankreich (Rang 6). Neu dazu kam die Abstimmung über das Verfassungsreferendum in Italien (Rang 8), dessen Ablehnung zum Rücktritt von Premier Matteo Renzi geführt hat.

Nicht in die Top 10 hat es hingegen die im Dezember stattgefundene Wiederholung der Bundespräsidentenwahl in Österreich geschafft (Rang 15). Da das Resultat relativ schnell feststand und die Wahl von niemandem beanstandet wurde, flachte die Berichterstattung sehr rasch wieder ab. Die erste Wahlrunde im Mai erhielt deutlich mehr Aufmerksamkeit und rangierte damals auf Platz 5.

Viel Raum für Innenpolitik

Wohl auch, weil die tagesaktuelle Berichterstattung über Weihnachten bis zu Neujahr traditionell etwas nachlässt, befinden sich diverse innenpolitische Themen unter den bedeutendsten Themen im Dezember. Angeführt werden sie von der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative (Rang 2), die sich seit September konstant in den Top 10 hält.

Wie immer Ende Jahr fand im Parlament die Budgetdebatte statt. Die alljährlichen Kontroversen verfehlten auch in diesem Jahr nicht ihre Wirkung in den Medien, sodass das Thema auf Platz 9 erscheint.

Ein Thema, das zum ersten Mal in den Top-10 erscheint ist die Tourismusbranche, die sich immer mehr zu einem „Sorgenkind“ entwickelt: Der fehlende Schneefall hat einige Bergregionen empfindlich getroffen, was vergleichsweise ausführlich öffentlich diskutiert wurde.

Zuletzt ist Ende Jahr auch die Reform des Gesundheitswesens nochmals in die Top 10 gerutscht. Grund dafür war vor allem die Debatte im Parlament, bei der über Franchisen, Prämien und diverse neue Vorschläge aus dem Nationalrat diskutiert wurde.  

Rückblick auf 2016

Komplettiert wird die Top 10 durch zahlreiche Berichte zum Jahreswechsel. Insbesondere der Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr 2016 nahm viel Platz ein, wohingegen die Ausblicke auf das Jahr 2017 zumindest im Dezember noch rar gesät waren. 

Medienagenda 2016

 Die US-Präsidentschaftswahlen waren im Jahr 2016 das dominante Medienthema in der Schweiz. Sie führen die Themenrangliste mit deutlichem Abstand vor der Flüchtlingskrise in Europa an. Neben weiteren Politikereignissen aus dem Ausland sorgten insbesondere zwei internationale Sportereignisse (Fussball Europameisterschaft in Frankreich und Olympische Spiele in Rio) und migrationspolitische Debatten in der Schweiz für sehr viel Medienresonanz.

Aussenpolitische Themen an der Spitze der Rangliste
Über die US-Präsidentschaftswahlen wurde 2016 in den Schweizer Medien nicht nur am intensivsten berichtet, sondern auch am nachhaltigsten: Seit Februar 2016 gehörte das Ereignis immer zu den wichtigsten sechs Themen eines Monats. Obwohl die Flüchtlingskrise im Vergleich zum Vorjahr an Medienresonanz eingebüsst hat, belegt sie im Jahr 2016 noch immer Platz 2 in der Themenrangliste der Schweizer Medien. Etwas weniger im Fokus stand in diesem Kontext auch die Schweizer Asylpolitik (Rang 5) sowie der IS-Konflikt (Rang 11). Die weiteren aussenpolitischen Themen der Top 10, der Bürgerkrieg in Syrien (Rang 3), der Brexit (Rang 4) und die politische Entwicklung in der Türkei hin zu einem immer autoritärer geführten Staat (Rang 9), verzeichneten 2016 hingegen deutliche Resonanzzuwächse.

Verunsicherung kennzeichnet die Inlandsberichterstattung

Zahlreiche wichtige Inlandthemen des Jahres 2016 kennzeichnet eine ausgeprägte Bedrohungsperspektive. Diese offenbart sich in der Form von Angst vor Flüchtlingen (Asylpolitik, Rang 5), Angst vor ausländischen Arbeitnehmern (Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative, Rang 10), Angst vor ausländischen Kriminellen (Initiative „Zur Durchsetzung der Ausschaffung krimineller Ausländer“, Rang 12) und Angst vor dem Islam (Debatte um die Integration vom Migranten und Muslimen, Rang 14; Gefahr islamistischer Strukturen in der Schweiz, Rang 16). Eine solche intensive Thematisierung und Problematisierung des «Fremden» ist symptomatisch für eine von Krisen und Verunsicherung geprägten Gesellschaft. Neben diesen Themen waren die Debatte um die Zukunft der Schweizer Energiepolitik rund um die Abstimmung zum Atomausstieg (Rang 8), die Altersvorsorge 2020 mit der Abstimmung über die AHVplus-Initiative (Rang 13) und die Debatte um die Reform des Gesundheitswesens (Rang 19) die weiteren prominenten Inlandthemen unter den Top 20 des Jahres.

Die SVP polarisiert und verschafft sich damit Resonanz
Neben der Bedeutung von Themen wird in dieser Analyse neu auch die öffentliche Beachtung und Tonalität von Unternehmen und Parteien untersucht. Am prägnantesten tritt dabei die SVP in Erscheinung: Sie erhielt mit Abstand am meisten Resonanz, wurde aber auch am negativsten bewertet. Nicht zuletzt hängt dies damit zusammen, dass die Volkspartei Kontroversen befeuert und bei migrationspolitischen Debatten – und diese wurden 2016 sehr resonanzstark geführt – als Meinungsführerin auftritt.

Von den 2016 medial meistthematisierten Unternehmen weisen allen voran die Banken die schlechtesten Tonalitätswerte auf: Die Deutsche Bank und die Credit Suisse führen die Rangliste vor der Axpo und der UBS an.

Gesamten Bericht lesen: Medienagenda 2016 (PDF, 506 KB)

 

Medienagenda November 2016

 Neben der enormen Medienresonanz für die US-Präsidentschaftswahlen und Donald Trump haben im November mit Blick ins Ausland die Vorwahlen in Frankreich, der Tod von Fidel Castro und die Entwicklungen in Syrien, im Irak und in der Türkei für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Von den Inlandthemen generierten dieselben Themen wie im Vormonat viel öffentliche Resonanz: Die Abstimmung über die Atomausstiegsinitiative und die debattierte Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. 

Enorme Aufmerksamkeit für die US-Wahlen

Nachdem die Präsidentschaftswahlen in den USA seit Monaten zunehmend Aufmerksamkeit in den Schweizer Medien erhielten, wurde im Wahlmonat November erwartungsgemäss der Höhepunkt erreicht. Das Ereignis rangiert erneut auf dem ersten Rang der Medienagenda und konnte nochmals an Resonanz zulegen. Jeder achtzehnte Beitrag thematisierte im November 2016 im Durchschnitt die US-Präsidentschaftswahlen. Spitzenwert! Über kein anderes Ereignis wurde in den vergangenen zwei Jahren in einem Monat intensiver berichtet. Einzig die Eidgenössischen Wahlen im Oktober 2015 und das EU-Referendum in Grossbritannien im Juni 2016 generierten annähernd die Medienaufmerksamkeit in einem Monat wie die US-Wahlen im November.

Nicht zuletzt ist der enorme Berichterstattungsumfang darauf zurückzuführen, dass die Wahl von Donald Trump im Nachgang viel Erklärungs-, Analyse- und Einordnungspotenzial bot. Die Deutungen gingen dabei in verschiedene Richtungen: „Das ist ein Votum gegen das Establishment“ titelte beispielsweise die Gratiszeitung 20 Minuten am Tag nach der Wahl (10.11.2016, S. 1), Le Matin hinterfragte unter anderem die Kampagne der unterlegenen Clinton (11.11.2016, S. 2: „A-t-elle fait tout faux?“). Bemerkenswert ist auch, dass die Kabinettsbildung der neuen Regierung im November bereits auf Platz 4 der Medienagenda rangiert ist. Das Medienphänomen Donald Trump macht dieser Bezeichnung somit auch nach den Wahlen alle Ehre.

Viel Medienresonanz auch für die Wahlen in Frankreich

Neben den US-Wahlen rangiert mit den französischen Präsidentschaftswahlen im November eine zweite Exekutivwahl in den Top 3 der Medienagenda. Das ist bemerkenswert und ein Indiz dafür, dass Personenwahlen - auch solche im Ausland – stark nachrichtenwerthaltig sind: Wie schon in den USA vermögen auch in Frankreich parteiinterne Vorwahlen viel Resonanz zu erzeugen, im November jene der Konservativen. Wie so oft bei französischen Ereignissen zeigt sich bei der Berichterstattung über die Präsidentschaftswahlen zudem der mediale „Röstigraben“: Die Abonnementszeitung Le Temps, das Boulevardblatt Le Matin und die Nachrichtensendung Le Journal berichteten weitaus häufiger darüber als die Deutschschweizer Pendants.

Syrien und Kuba

Neben den Wahlen in den USA und Frankreich fanden im November auch andere Auslandsthemen prominent Eingang in die Berichterstattung der Schweizer Medien: Der Bürgerkrieg in Syrien (Rang 10) vor allem im Kontext der anhaltenden Kämpfe in Aleppo und der IS-Konflikt im Rahmen der Rückeroberung von Mossul durch irakische Truppen (Rang 7). Als weiterer Krisenherd generierte die Türkei im November wieder mehr Berichterstattung. Im Nachgang des gescheiterten Putschversuchs vom Juli sorgt der Umbau der Türkei zu einem immer autoritärer regierten Staat weiterhin für viel Missmut und anhaltend umfangreiche mediale Aufmerksamkeit. Als weiteres Auslandereignis rangiert im November der Tod von Fidel Castro in den Top 10 (Rang 9).

Atomausstiegsinitiative und Umsetzung der MEI

Was sich schon im Vormonat Oktober abzeichnete, bestätigte sich im November: Die Atomausstiegsinitiative war eine in den Medien sehr ausführlich debattierte Abstimmungsvorlage (vgl. auch Abstimmungsmonitor). Andere umweltpolitische Vorlagen wie die Initiative „Energie- statt Mehrwertsteuer“ und die Initiative „Für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft“ fanden in der Vergangenheit weit weniger mediale Beachtung (rund ein Drittel bzw. rund die Hälfte). Die AAI war im November zudem das mit Abstand wichtigste innenpolitische Medienereignis. Etwas weniger Berichterstattung als im Oktober generierte die debattierte Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Dennoch ist die Thematik weiterhin in den Top 10 platziert (Rang 8). Im Kontext der Querelen um die An’Nur-Moschee in Winterthur gab es wieder mehr Berichterstattung über islamistische Strömungen in der Schweiz (Rang 6).

Medienagenda Oktober 2016

 Die Schweizer Medienlandschaft stand im Oktober 2016 ganz im Zeichen der Präsidentschaftswahlen in den USA: Das Ereignis, das seit Februar dieses Jahres immer zu den mindestens sechs gewichtigsten Medienthemen des Monats gehörte, führt die Rangliste im Monat vor den Wahlen erstmals mit grossem Abstand an. Mit der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative sowie der Debatte um den Atomausstieg sind nur zwei innenpolitische Themen in den Top 10 platziert. Der Hurrikan Matthew ist das einzige neue Thema. 

Die US-Wahlen dominieren die Medienagenda, Trump die Wahlberichterstattung

Wie erwartet hat die Berichterstattung über die Präsidentschaftswahlen in den USA im Oktober nochmals stark zugenommen. Die Zahlen dazu sind beeindruckend: Der Tages-Anzeiger beispielsweise, von den analysierten Medien jene Zeitung, die am häufigsten über das Thema berichtet hat, publizierte alleine im Oktober 50 Beiträge über die Wahlen. Über kein anderes Thema hat die Abonnementszeitung auch nur annähernd so intensiv berichtet.

Ob frauenfeindliche Bemerkungen, die mögliche Nicht-Anerkennung des Wahlergebnisses oder sinkende/steigende Umfragewerte: Wie bereits während des gesamten Wahlkampfes wurde Donald Trump auch im Oktober häufiger thematisiert als seine Kontrahentin Hillary Clinton (vgl. Medienanalyse US-Präsidentschaftswahlen). Eindrücklich ist dabei, dass Trump in 37% aller Beiträge über die Wahlen vom Oktober bereits im Titel erwähnt wurde. Clinton wurde nur in 16% der Beiträge im Titel erwähnt, und dies trotz umfassender Berichterstattung über die neusten Erkenntnisse zur E-Mail-Affäre.

Diverse aussenpolitische Brennpunkte

Neben den USA stand im Oktober Syrien stark im Fokus der Schweizer Medien. Sowohl über den IS-Konflikt (Rang 2) als auch über den Bürgerkrieg in Syrien (Rang 4) wurde intensiv berichtet. Insbesondere die Schlachten um Aleppo, Mossul und Rakka gaben wiederholt Anlass zur Berichterstattung.

Mit dem Freihandelsabkommen CETA (Rang 7) und dem Bürgerkrieg in Kolumbien (Rang 10) befinden sich zudem zwei Auslandthemen in den Top 10, welche bis anhin nur wenig Resonanz generierten. Über das europäisch-kanadische Freihandelsabkommen CETA wurde im Oktober vor allem aufgrund des wallonischen Widerstandes viel berichtet: Das Abkommen drohte zu scheitern, weil der frankofone Landesteil Belgiens die Zustimmung lange Zeit verweigerte. Erst gegen Ende des Monats konnte ein Kompromiss gefunden und das Freihandelsabkommen schliesslich unterzeichnet werden. Die Hängepartie hat bewirkt, dass dem Thema über mehrere Wochen viel Aufmerksamkeit zuteil wurde.

Über den Bürgerkrieg in Kolumbien wurde im Oktober im Kontext des vom Volk abgelehnten Friedensvertrages zwischen der Kolumbianischen Regierung und der Guerillaorganisation Farc umfassend berichtet. Dass Präsident Juan Manuel Santos für seine Bemühungen den Friedensnobelpreis erhielt, hat dem Thema zusätzliche Brisanz verliehen. Mit der Flüchtlingskrise in Europa rangiert auf Platz 9 ein weiteres aussenpolitisches Thema in den Top 10 des Monats.

MEI und Atomausstieg

Der Schweizer Politikbetrieb war im Oktober vor allem im Rahmen zweier Themen medial präsent: Durch die Debatte um die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative (Rang 5) und durch die bevorstehende Abstimmung über die Volksinitiative «Für den geordneten Ausstieg aus der Atomenergie» (Rang 3).

Die MEI ist wie im Vormonat September in den Top 10 vertreten, da sich mit der Umsetzung der Vorlage nach dem National- nun auch der Ständerat befasst hat. Zudem war die bundesrätliche Ablehnung der Rasa-Initiative, die das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative rückgängig machen möchte, ein Thema in den Medien.

Vor allem im Kontext der bevorstehenden Abstimmung über die Atomausstiegsinitiative der Grünen wurde im Oktober die Schweizer Energiepolitik umfassend debattiert. Dass die Vorlage bereits weit im Voraus der Abstimmung viel Resonanz erzeugt und Platz 3 der Medienagenda belegt, zeigt, dass die Frage zur Zukunft der Atomenergie sehr intensiv geführt wird.

Naturkatastrophen und der Fall Adeline

Das einzige neue Thema in den Top 10 ist der Hurrikan Matthew, der in mehreren Staaten Mittelamerikas und in den USA verheerende Schäden angerichtet hat. Die erneuten Erdbeben in Italien haben ebenfalls viel Medienresonanz erzeugt, rangieren aber knapp ausserhalb der Top 10 (Platz 11).

Komplettiert wird die Rangliste der wichtigsten Medienthemen im Oktober mit der Prozessberichterstattung im Fall Adeline. Dieses Thema wurde vor allem von den französischsprachigen Medien intensiv bewirtschaftet.

Medienagenda September 2016

 Im September 2016 war die Schweizer Medienlandschaft geprägt von innenpolitischen Themen: Nicht nur die drei Eidgenössischen Abstimmungsvorlagen vom 25. September fanden Eingang in die Top 10 der Medienagenda, sondern auch der Prämienanstieg bei den Krankenkassen, die Sparmassnahmen bei der SBB und die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Das Top-Thema war allerdings der Syrische Bürgerkrieg: Erstmals seit August 2013 belegt der andauernde Konflikt wieder Platz 1 der Monatsrangliste der gewichtigsten Schweizer Medienthemen. 

Eidgenössische Abstimmungsvorlagen allesamt in den Top 10

Auch in medialer Hinsicht war der September ein „Abstimmungsmonat“: Sämtliche drei Eidgenössischen Vorlagen gehörten zu den gewichtigsten zehn Ereignissen. Oben aus schwingt dabei die Abstimmung über die vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund lancierte „AHVplus“-Initiative, die auf Platz 2 rangiert ist und im Monat vor der Abstimmung noch deutlich an Medienresonanz zulegen konnte (vgl. Abstimmungsmonitor). Dabei wurde die Initiative in der Deutschschweiz in der Tendenz negativer bewertet als in der Suisse romande. Am deutlichsten gegen die Initiative bezog die NZZ Position und titelte beispielsweise: „300 Milliarden zulasten der Jungen“ (NZZ, 17.09.2016, S.1).

Die anderen beiden Abstimmungsvorlagen, die Initiative „Für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft“ und die Vorlage zum neuen Nachrichtendienstgesetz, befinden sich auf den Plätzen 8 (NDG) und 10 (Grüne Wirtschaft).

Krankenkassenprämien, SBB und Masseneinwanderungsinitiative

Neben den Abstimmungsvorlagen haben im September drei weitere Schweizer Themen für viel mediale Aufmerksamkeit gesorgt: Die steigenden Kosten im Gesundheitswesen bzw. der Anstieg der Krankenkassenprämien (Rang 5), die teilweise hitzige Debatte im Parlament um die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative (Rang 4) und das Sparprogramm „Railfit“ der SBB und der damit verbundene drohende Stellenabbau (Rang 9). Somit war der September ungewöhnlich stark von Ereignissen in der Schweiz geprägt: Sechs oder mehr Inlandthemen in den Top 10 gab es zuletzt im August 2015.

Nach 3 Jahren zurück auf Rang 1: Der Bürgerkrieg in Syrien

Auf Platz 1 rangiert im September der Bürgerkrieg in Syrien, was vor allem auf die umfangreiche Berichterstattung über die dramatischen Entwicklungen in Aleppo zurückzuführen ist. Kurzzeitig herrschte die Hoffnung auf einen anhaltenden Waffenstillstand („Die Waffenruhe hält“, Tagesschau, 13.09.2016), die jedoch schnell wieder abschwächte („Die Waffenruhe ist in Gefahr“, Tagesschau, 17.09.2016) und sich schliesslich ganz zerschlug („Die Waffenruhe ist beendet“, Tages-Anzeiger, 20.09.2016).

Flüchtlingskrise als Stresstest für Europa?

Ähnlich umfassend wie im Vormonat wurde im September die europäische Flüchtlingskrise thematisiert (Rang 7). Unter anderem war der tragische Brand im Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos ein wichtiger Auslöser für Berichterstattung.

Im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, aber auch im Nachgang des EU-Referendums in Grossbritannien und dem 70-Jahre-Jubiläum von Winston Churchill’s geschichtsträchtiger Rede in Zürich („Let Europe arise“) wurde im September die zukünftige Ausgestaltung der Europäischen Union kritisch reflektiert: Die Thematik zur „Krise der Europäischen Union“ belegt Rang 6 auf der Monatsagenda.

Medienwirksame TV-Duelle in den USA

Komplettiert wird die Top 10 der Medienagenda einmal mehr durch die Präsidentschaftswahlen in den USA, die diesmal auf Platz 3 zu finden sind. Hauptgrund der Berichterstattung war dieses Mal das erste TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump, das mit grosser Spannung erwartet wurde. Ausblicke und Analysen zu den TV-Duellen werden wohl auch im Oktober eine wichtige Rolle spielen, bevor anfangs November die Wahl selbst ansteht.

Medienagenda August 2016

 Die mediale Berichterstattung im August 2016 war geprägt von einem dominanten Thema: Den Olympischen Spielen in Brasilien. Ebenfalls in die Kategorie Sport fällt das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Estavayer-le-lac, das im August neu in der Medienagenda auftaucht. 

Das Erdbeben vom 24. August in Italien, das in und um die Gemeinden Amatrice und Accumoli viel Schaden angerichtet hat, ist das zweite Thema, das neu in den Top 10 zu finden ist. Nachdem im Juli kein Asylthema ganz vorne in der Rangliste der Medienagenda zu finden war, tauchen nun im August die Themen Asylpolitik Schweiz, Integrationspolitik Schweiz und die Flüchtlingskrise in Europa wieder auf.

Auf die Fussball-EM folgen die Olympischen Spiele

Kein anderes Ereignis hat annähernd so viel mediale Resonanz erhalten wie die Olympischen Spiele in Brasilien. Auch der Vergleich mit anderen Monaten zeigt: Es gab selten zuvor so viel Berichterstattung über ein einzelnes Thema. Die Olympischen Spiele wurden von einigen Medien auch zum Anlass genommen, über Brasilien als Austragungsort und die Bedeutung des Sports für die Gesellschaft im Allgemeinen zu reflektieren.

Die Olympiade war aber nicht das einzige Sportereignis, von dem im August zu lesen, zu hören und zu sehen war: Auch das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest erhielt viel Aufmerksamkeit. Artikel über den Austragungsort und die Organisation des Festes (Le Matin vom 27.08.2016), Einschätzungen zu den Chancen der Favoriten (NZZ vom 26.08.2016), dem Verhältnis der Romands zur Sportart Schwingen (Tagesschau vom 27.08.2016) bis hin zu Lebensläufen einzelner Schwinger (TA vom 27.08.2016) machten die umfassende Berichterstattung über den Anlass aus.

Asyl- und Migrationspolitik zurück im Fokus

Haben noch im Juli Asyl- und Migrationsthemen das erste Mal seit langem in der Top 10 der Medienagenda gefehlt, so ist im August wieder alles beim alten: Die Asylpolitik der Schweiz ist auf Rang 2, die Integrationspolitik der Schweiz auf Rang 10 und die europäische Flüchtlingskrise auf Rang 8 platziert. Während in Sachen Integrationspolitik vor allem über ein mögliches Burkaverbot diskutiert wurde, war zur Schweizer Asylpolitik insbesondere das Flüchtlingscamp in Como häufiger Anlass für Berichte: Dass mit den Flüchtlingen an der Schweizer Grenze die grosse Weltpolitik an die Tür der Schweiz klopft, hat in der Öffentlichkeit für einige Aufregung gesorgt. Nebst dem Schwingfest in Estavayer waren das die einzigen Themen mit direktem Schweiz-Bezug.

Internationale Krisenherde

Wie vor allem im ersten Quartal des Jahres 2016 war im August der Bürgerkrieg in Syrien wieder sehr präsent. Die undurchsichtigen, komplizierten Konfliktlinien, ständig neu endstehende Kriegsschauplätze und die dürftige Informationslage spiegeln sich auch in der Berichterstattung wieder, die alles andere als übersichtlich und einheitlich ist. Wiederkehrendes Thema ist die katastrophale humanitäre Situation im Allgemeinen, insbesondere aber in Aleppo, welches nun seit geraumer Zeit von Kriegshandlungen betroffen ist.

Auch über den Kampf gegen den IS wurde weiterhin berichtet, dieses Thema ist auf Rang 9 zu finden. Anders als zu Beginn des Konflikts stand die Terrororganisation an sich etwas weniger als auch schon im Mittelpunkt, in gewisser Weise ist eine Art Gewöhnungseffekt an die grausame Vorgehensweise auszumachen. Häufiger sind nun aber Berichte über Gebietsverluste oder sonstige Niederlagen des IS zu finden.

Ebenfalls im Fokus ist die innenpolitische Situation in der Türkei. Zwar ist die Berichterstattung seit dem Putschversuch rückläufig, aber gerade die exponierte Lage der Türkei als Puffer zu den Brandherden im Nahen Osten führt wohl dazu, dass nach wie vor prominent über das Land berichtet wird.

Parallele Entwicklung der Krisen- und Asylthemen

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass sich die Resonanz für Asylthemen parallel zu derjenigen von den Krisenherden im Nahen Osten bewegt. Eine Entwicklung, die schon seit einiger Zeit zu beobachten ist: Bereits seit 2015 liegen die Diskurse immer relativ nahe beieinander, nicht selten befinden sich mindestens drei der vier Themen Asylpolitik Schweiz, Flüchtlingskrise Europa sowie der IS-Konflikt und der Bürgerkrieg in Syrien gemeinsam in den Top 10; so auch in diesem August. Anders im Juli, als sie gemeinsam vollständig aus den oberen Rängen verschwunden sind.

US-Wahlen als Konstante

Prominent berichtet wurde auch über das Erdbeben in Italien vom 24. August. Nebst den Beiträgen über die direkten Auswirkungen des Bebens waren auch allfällige Versäumnisse der Politik nach dem Erdbeben 2009 in L’Aquila ein Thema: Insbesondere die Bauweise von Gebäuden, die sich als nicht genug stabil erwiesen haben, war Gegenstand von Diskussionen.

Eine relativ stabile Menge an Aufmerksamkeit generieren die Präsidentschaftswahlen in den USA, die trotz leicht rückläufiger Resonanz auf Platz 6 der Rangliste zu finden sind. Im August gab es diesbezüglich keine besonderen, treibenden Ereignisse. Die These, dass der Wahlkampf am Wochenende vor dem Labour-Day (in diesem Jahr am 05.09.2016) so richtig lanciert wird, wird sich mit der Monatsagenda für den September gut bewerten lassen.

Medienagenda Juli 2016

Im Juli 2016 zählen erstmals seit März 2015 (!) weder die Flüchtlingskrise noch die Schweizer Asylpolitik zu den Top-10-Verhandlungsgegenständen in den Schweizer Medien. Stattdessen ist die Rangliste geprägt von sehr stark medial bewirtschafteten Einzelereignissen wie dem Putschversuch in der Türkei, dem Attentat in Nizza sowie von den beiden Sportevents, der Fussball EM und der Olympiade. Ein absolutes Novum: Mit der Tour de France-Etappe in Bern hat es nur ein einziges Inland-Thema in die Top 10 der Rangliste geschafft.

Putschversuch in der Türkei

Der Putschversuch des Militärs in der Türkei vom 15. Und 16. Juli hat medienübergreifend viel Aufmerksamkeit erhalten und sorgte für eine enorme Anschlusskommunikation: Sowohl über Verhaftungen, internationale Reaktionen als auch über mögliche Verstrickungen der Gülen-Bewegungen mit den Putschisten wurde intensiv berichtet. Analysen oder Kommentare, die Erdogans Stellung nach dem Putsch als gestärkt wahrnahmen, waren ebenfalls zu finden. So titelte Beispielsweise die NZZ in einem Leitartikel: „Ein Putsch, der Erdogan noch stärker macht“ (NZZ vom 18.7.2016).

Terroranschlag in Nizza und Amoklauf in München

Naturgemäss grosse mediale Beachtung erhielten auch zwei tragische Ereignisse: Das Attentat an der Strandpromenade in Nizza und der Amoklauf in München. Auffällig: Das Verbrechen in Nizza hat in der französischen Schweiz massiv mehr Berichterstattung ausgelöst als in der Deutschschweiz. Betrachtet man die französischsprachige Medienarena isoliert, landet das Thema dort sogar auf dem ersten Platz.

Fokus USA: Präsidentschaftswahlen und anhaltende soziale Konflikte

Im Juli sind zwei US-Themen in den Top 10 zu finden. Einerseits hat die Berichterstattung über die Präsidentschaftswahlen zugenommen. Grund dafür waren die Parteitage der Demokraten und der Republikaner im Juli. An den beiden Events mangelte es nicht an spektakulären Zwischenfällen. Einige wurden bewusst medienwirksam inszeniert wie z.B. die Versöhnung zwischen Clinton und ihrem parteiinternen Rivalen Sanders beim Parteitag der Demokraten. Andere wiederum fanden wohl eher ungewollt grossen Widerhall: So z.B. der Eklat um den republikanischen Senator Ted Cruz, der Donald Trump am republikanischen Parteitag demonstrativ nicht unterstützte.

Anderseits erzielten die einmal mehr in Dallas eskalierenden sozialen Konflikte grosses Medienecho: Besonders die tödlichen Schüsse auf Polizisten am 7.Juli 2016 haben viel Aufmerksamkeit erhalten. Auch die „Black-Lives-Matter“ Bewegung und das Wiederaufkommen von längst überwunden geglaubten Konfliktlinien im Zusammenhang mit Diskriminierungen aufgrund der Hautfarbe wurden besonders von überregionalen Zeitungen wiederholt thematisiert.

Sport als Dauerbrenner

Das Jahr 2016 als Sportjahr zu bezeichnen ist wohl keine Übertreibung: Es finden sich alleine im Juli vier Sportereignisse innerhalb der Top 10-Themen. Damit ist der Juli 2016 ein Rekordmonat: Noch nie seit Anfang 2013 wurde innerhalb der ersten zehn Ränge so viel über Sport berichtet.

Auf Platz 3 ist die Mitte Juli zu Ende gegangene Fussball-Europameisterschaft in Frankreich zu finden. Erst im August begonnen haben die Olympischen Spiele: Dank zahlreicher Beiträge über Hintergründe und Vorbereitungsarbeiten über die Austragungsorte sowie Vorberichte über die Sportlerinnen und Sportler rangiert das Ereignis bereits auf Platz 4. Die bevorstehende Olympiade befeuerte zudem die Debatte um den Dopingskandal in Russland, in deren Folge es zum Ausschluss der russischen Leichtathletik-Delegation kam.

Die Tour de France-Etappen in Bern haben ebenfalls einige mediale Beachtung erhalten. Die Berichterstattung darüber ist in der französischsprachigen Schweiz noch etwas stärker ausgefallen als in der Deutschschweiz. Die Berichte über Bern als Ziel- und Startort von zwei Tour-de-France-Etappen, das damit einhergehende Volksfest sowie organisatorische Herausforderungen haben dazu geführt, dass im Juli immerhin ein Thema mit Schweiz-Bezug in den Top 10 der Medienagenda auftaucht.

Wo bleibt das Sommerloch?

Durch die vielen einzelnen Ereignisse im Ausland sowie die im Moment sehr präsenten Sportereignisse ist in diesem Jahr von einem Sommerloch nichts zu spüren. Anders im Juli 2015: Themen wie der Hitzesommer, das Jazz-Festival in Montreux oder das Paléo-Festival in Nyon in den Top 10 waren damals ein deutliches Anzeichen für eine gewisse Flaute an wichtigen politischen Nachrichten. Im Sommer 2016 sind einzig die fehlenden politischen Themen im Inland auffällig und könnten darauf hindeuten, dass über die Sommermonate der politische Betrieb in der Schweiz etwas heruntergefahren wird.

Brexit ist nicht mehr Top-Thema

Komplettiert wird die Agenda mit dem Kommunikationsereignis zum EU-Referendum in Grossbritannien: War das Thema im Juni noch sehr dominierend, so hat es im Juli deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten. Dies lag auch daran, dass im Juli nicht mehr allein der Brexit an sich Thema war, sondern auch Themen wie die neue Regierung um Theresa May oder die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexit auf Grossbritannien. Ausser dem Brexit selbst hat es jedoch keines dieser Themen in die Top 10 der Medienagenda geschafft.

Medienagenda Juni 2016

Die Schweizer Medienlandschaft wurde im Juni von zwei Themen geprägt: Dem EU-Referendum in Grossbritannien (Brexit) und der Fussball-Europameisterschaft in Frankreich. Sie generierten nicht nur relativ zu den anderen Themen aussergewöhnlich viele Medienbeiträge, sondern auch absolut: Über kein Thema wurde in diesem Jahr in einem Monat mehr berichtet als über die EURO und den Brexit. Ausserdem bemerkenswert: Die Flüchtlingskrise in Europa, die seit Anfang Jahr stets in den monatlichen Top 3 rangierte, ist im Juni nicht mehr in den Top 10 vertreten.

Brexit intensiviert die Debatte über die Reform der EU

Die Abstimmung über den Ausstritt Grossbritanniens aus der EU war bei allen Medien ein stark beachtetes Thema. Seit den Eidgenössischen Wahlen im Oktober 2015 gab es kein gewichtigeres Kommunikationsereignis in einem Monat. Vor allem kurz vor und nach der Abstimmung vom 23. Juni gab es in Sachen Politik und Wirtschaft kein anderes Thema, das vergleichbare öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen vermochte – insbesondere in den Rundfunkmedien. Im Sog der Berichterstattung über den Brexit hat sich auch die Debatte über den Zustand und die Zukunft der Europäischen Union intensiviert. Die Thematik rangiert im Juni auf Platz 8.

Gotthard-Eröffnung und Asylpolitik dominieren die Inlandberichterstattung

Am 1. Juni wurde der Gotthard-Basistunnel im Rahmen einer grossen Feier mit viel nationaler und internationaler Prominenz eröffnet. Das Ereignis wurde medial umfangreich begleitet: Die Gotthard-Eröffnung war wie schon im Mai das gewichtigste Inlandthema des Monats (Rang 3).

Während die europäische Flüchtlingskrise trotz tragischen Bootsunglücken im Mittelmer im Juni erstmals seit Anfang Jahr nicht mehr in den monatlichen Top 10 klassiert ist, bleibt die Schweizer Asylpolitik ein viel diskutiertes Thema. Im Monat der Abstimmung über die Asylgesetzrevision rangiert das Kommunikationsereignis auf Platz 6. Wieder mehr Berichterstattung gab es im Juni über islamistische Strömungen in der Schweiz (Rang 9). Für Schlagzeilen sorgten vor allem Schweizer Jihad-Reisende wie der totgeglaubte Christian I. aus Winterthur.

Fussball dominiert die Boulevard- und Gratismedien

Neben dem Brexit war die Fussball-Europameisterschaft in Frankreich das gewichtigste Thema im Juni (Rang 2). In den Boulevardmedien Blick und Le Matin und in der Gratiszeitung 20 Minuten war die Resonanz der EM sogar deutlich grösser als jene zum Brexit. Nebst der Berichterstattung über die teilnehmenden Mannschaften waren unter anderem die Fan-Krawalle in diversen französischen Städten und die Angst vor Terroranschlägen wichtige Themen. Mit dem Dopingskandal um die russischen Leichtathleten rangiert im Juni ein zweites Sportkommunikationsereignis in den Top 10 (Rang 10).

Terror in Orlando und Präsidentschaftswahlkampf

Erneut erhält ein islamistisch motiviertes Attentat sehr viel Medienresonanz in den Schweizer Medien (vgl. Medienagenda 1. Quartal 2016). Der Terroranschlag auf den Nachtklub „Pulse“ in Orlando vom 12. Juni belegt Rang 4 und ist das einzige neue Kommunikationsereignis in den Top 10 des Monats.

Teilweise stellten die Medien auch einen Bezug zu den US-Präsidentschaftswahlen her, so zum Beispiel der Blick: „Hilft das Orlando-Massaker Donald Trump im Wahlkampf?“ (14.6.2016, S. 1) Auch sonst gab es im Juni erneut viel Berichterstattung über die bevorstehenden US-Wahlen (Rang 5). Im Hinblick auf die Nominierungsparteitage von Ende Juli und die Wahl vom 8. November dürfte die Intensität der Berichterstattung in Zukunft noch zunehmen.

Dauerregen statt Hitzesommer

Komplettiert wird die Medienagenda mit der Berichterstattung über den Dauerregen zum eigentlichen Sommerbeginn in der Schweiz (Rang 7). Vergleichbares gab es auch vor einem Jahr: Auf der Medienagenda vom Juli 2015 rangierte der damalige Hitzesommer auf Platz 2.

Medienagenda Mai 2016

Drei der fünf eidgenössischen Vorlagen vom 5. Juni rangieren im Mai unter den Top 10 der bedeutendsten Schweizer Medienthemen. Angeführt wird die Medienagenda von der Flüchtlingskrise in Europa. Obwohl die Thematik im Vergleich zum Vormonat leicht an Resonanz eingebüsst hat, ist das Thema in den Medien nach wie vor dominant. Erstmals seit Oktober 2015 rangiert kein neues Kommunikationsereignis in den Top 10.

Drei Abstimmungsvorlagen in den Top 10

Alle fünf eidgenössischen Abstimmungsvorlagen vom 5. Juni erzielten im Mai mehr Medienresonanz als im April und gehörten zu den zwanzig wichtigsten Themen des Monats. Die Abstimmungsvorlage zur Asylgesetzrevision belegt Rang 3 der Medienagenda. Gleich dahinter folgt auf Rang 4 die Initiative "Für ein bedingungsloses Grundeinkommen", welche insbesondere in den Medien der Suisse romande umfassend thematisiert wurde. Die "Pro Service Public"-Initiative rangiert ebenfalls in den Top 10 (Rang 8). Auf den Plätzen 16 und 18 folgen die „Initiative für eine faire Verkehrsfinanzierung“ und die Vorlage zur Änderung des Bundesgesetzes über die medizinisch unterstützte Fortpflanzung. Während der mediale Zuspruch für die Revision des Asylgesetzes und das neue Fortpflanzungsmedizingesetz insgesamt überwog, stiessen die Volksinitiativen in den Medien auf mehr Ablehnung als Zustimmung (vgl. Abstimmungsmonitor).

Vorfreude auf die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels

Am 1. Juni eröffneten Bundespräsident Johann Schneider-Ammann und Verkehrsministerin Doris Leuthard im Beisein zahlreicher nationaler und internationaler Prominenz den Gotthard-Basistunnel. Bereits im Vorfeld der Eröffnung sorgte der 57 km lange und damit längste Tunnel der Welt im Monat Mai für umfassende Berichterstattung: Das KE dazu rangiert im Mai auf Platz 2 und ist somit das gewichtigste Inland-Thema des Monats.

Flüchtlingskrise zurück auf Platz 1

Nachdem die Panama-Papers die Medienagenda im April angeführt und die Flüchtlingskrise vorübergehend auf den zweiten Platz verdrängt hatten, führt die Thematik die Rangliste im Mai wieder an. Insbesondere die die öffentlichen Nachrichtensendungen der Deutschschweiz (Rendez-vous und Tagesschau) berichteten auch im letzten Monat sehr umfassend darüber. Für Berichterstattung sorgten insbesondere die Räumung des Flüchtlingslagers in Idomeni an der Griechisch-Mazedonischen Grenze sowie die Häufung der Schiffsunglücke im Mittelmeer.

Wahlen in den USA und Österreich

Mit Blick ins Ausland sorgten neben der Flüchtlingskrise insbesondere die Präsidentschaftswahlen in Österreich (Rang 5) und den USA (Rang 6) für umfassende Berichterstattung. Alexander Van der Bellen wurde zum ersten grünen Bundespräsidenten Österreichs gewählt, während Donald Trump nach dem Ausscheiden von Ted Cruz als republikanischer Präsidentschaftskandidat so gut wie feststeht. Ein Zweikampf zwischen ihm und der Demokratin Hillary Clinton zeichnet sich damit je länger je mehr ab. Im Hinblick auf die Nominierungsparteitage von Mitte Juli ist zu erwarten, dass die Berichterstattung über die US-Präsidentschaftswahlen weiterhin umfangreich sein wird.

Mit der Reform des französischen Arbeitsrechtes (Rang 7), die in mehreren Städten Frankreichs für heftige Proteste sorgte, sowie dem Bürgerkrieg in Syrien (Rang 10), sind zwei weitere Ausland-Themen in den Top 10 des Monats Mai klassiert.

Der FC Zürich komplettiert die Top 10

Der Abstieg des FC Zürich in die Challange League stellt den vor allem in der Boulevard- und Gratispresse, aber auch beim Tages-Anzeiger und bei der NZZ umfassend thematisierte Tiefpunkt der Krise beim Zürcher Traditionsverein dar. Mit Ausnahme des FIFA-Korruptionsskandals rangiert damit erstmals seit August 2015 wieder ein Sportkommunikationsereignis in den monatlichen Top 10 der Schweizer Medien.

Medienagenda April 2016

Mit den Panama-Papers kommt erstmals seit Beginn dieser Messung ein Investigativ-Projekt zuoberst auf der Agenda der Schweizer Medien zu liegen. Weiterhin brisant und resonanzstark bleibt im Monat April auch die Flüchtlingsproblematik. Eher ungewöhnlich rangiert auf Platz 7 zudem prominent die Berichterstattung über die Einführung der neuen 50er-Note in der Schweiz.  

Panama Papers

Argentiniens neuer Präsident Mauricio Macri, Islands Ministerpräsident Sigmundur Gunnlaugson, der britische Premierminister David Cameron, Russlands Präsident Wladimir Putin und der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino: Das sind die Namen nur einiger der zahlreichen prominenten Persönlichkeiten, welche infolge des Datenlecks beim Offshore-Dienstleister Mossack Fonseca aus Panama in Erklärungsnot gerieten.

Die Enthüllungen über die legalen und illegalen Strategien zur Steuervermeidung, welche auf der koordinierten Aufbereitung von über elf Millionen E-Mails, Urkunden, Verträgen, Abrechnungen und Bankauszügen durch über 350 Journalisten aus aller Welt beruhen, sorgten ab dem 4. April für eine resonanzstarke Berichterstattung in allen analysierten Schweizer Medien und insbesondere in der Neuen Zürcher Zeitung und im Tages-Anzeiger.

Flüchtlingsthematik prägt die Öffentlichkeit weiterhin

Die umfassende Skandalberichterstattung über die Panama Papers verdrängte die Diskussion über die europäische Flüchtlingskrise auf Rang 2 der Agenda. Im Monat nach dem EU-Türkei-Abkommen zur Rückführung syrischer Flüchtlinge wurde die problematische Umsetzung des Deals (z.B. Internierungslager auf der griechischen Insel Chios) ebenso prominent thematisiert wie der Anstieg der Migrationsbewegungen über das Mittelmeer infolge der Sperrung der Balkanroute, ein Bootsunglück mit möglicherweise über 400 Todesopfern und die Errichtung einer Sperranlage auf dem Brennerpass.

Die Schweizer Asylpolitik (Rang 3) sorgt im April nicht nur im Kontext dieser Entwicklungen für weiterhin viel Medienresonanz, sondern auch im Hinblick auf die bevorstehende Abstimmung über die Asylgesetzrevision.

Eine insbesondere in der Boulevard- und Gratispresse resonanzstark thematisierte Geschichte über ein Vorkommnis an einer Schule in Baselland (Gemeinde Therwil), hat es im Monat April bis auf Rang 4 der Agenda geschafft. Der verweigerte Händedruck von zwei Schülern (mit muslimischem Hintergrund) gegenüber ihrer Lehrerin hat eine intensive Berichterstattung über Integration entfacht.

Abstimmungsvorlagen noch nicht unter den Top 10

Von den am 5. Juni 2016 zur Abstimmung gelangenden Vorlagen, hat im Monat April lediglich die Abstimmungsvorlage zur Asylgesetzrevision, die im KE zur Schweizer Asylpolitik auf Rang 3 behandelt wird bereits Eingang die Top 10-Agenda gefunden. Die anderen vier Vorlagen befinden sich auf den Rängen 12 ("Für ein bedingungsloses Grundeinkommen"), 13 ("Pro Service Public") 29 (Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes) und 56 (Verkehrsfinanzierung – „Milchkuh“-Initiative).

Aussenpolitische Dauerbrenner

Obwohl die Berichterstattung darüber rückläufig war, rangieren im April neben der Flüchtlingskrise weiterhin auch der Syrische Bürgerkrieg (Rang 5) und die US-Präsidentschaftswahlen (Rang 6) unter den gewichtigsten zehn Themen des Monats. Aufgrund der Berichterstattung über die laufenden Ermittlungen ist zudem auch der Brüsseler Terroranschlag vom 22. März erneut in den Top 10 platziert (Rang 8). Der umfassend thematisierte Tod des US-amerikanischen Sängers Prince (Rang 9) komplettiert die Monats-Top 10 des Aprils.

Medienagenda März 2016

Die Flüchtlingskrise und der Terroranschlag in Brüssel sorgten im März für die meisten Schlagzeilen. Dagegen verzeichneten die Präsidentschaftswahlen in den USA und der Bürgerkrieg in Syrien deutlich weniger Resonanz.

Die Flüchtlingskrise zurück auf Rang 1

Seit nunmehr einem Jahr beschäftigt sich die Schweizer Medienöffentlichkeit intensiv mit der europäischen Flüchtlingskrise. Ein verheerendes Bootsunglück hat die Thematik im April 2015 ins Zentrum des öffentlichen Interessens gerückt. Aktuell rangiert die Flüchtlingskrise erstmals seit September wieder auf Platz 1. Grund für die sehr umfangreiche Berichterstattung war insbesondere der auf dem Flüchtlingsgipfel zwischen der EU und der Türkei ausgehandelte Deal, wonach ab sofort alle Flüchtlinge, die über die Türkei die griechischen Inseln erreichen, umgehend zurückgeschickt werden sollen. Im Gegenzug wollen die EU-Staaten im Rahmen eines legalen Einreiseprogramms für jeden zurückgenommenen Syrer einen anderen Syrer aus der Türkei aufnehmen.

Viel berichtet wurde im Rahmen der Flüchtlingskrise zudem über die chaotischen Zustände in Griechenland. Im Fokus steht insbesondere der Grenzort Idomeni. Hier hat sich die Situation aufgrund der Grenzschliessung zu Mazedonien dramatisch zugespitzt. Vor allem die Nachrichtensendungen Le Journal, Tagesschau und Rendez-vous haben der Flüchtlingsthematik im März viel Aufmerksamkeit gewidmet.

Weniger Resonanz für die Brüsseler als für die Pariser Anschläge

Die Terroranschläge in Brüssel vom 22. März rangieren auf Platz 2 der Monatsagenda. Die Resonanz war im Vergleich mit den Anschlägen von Paris vom Januar und November 2015 geringer. Während das Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo das mit Abstand resonanzstärkste Monatsthema war und auch der Anschlag im November die Medienagenda mit reichlich Abstand zu den übrigen Themen anführte, wurde über die Vorgänge in Brüssel nicht so stark berichtet.

Erneuter Fokus auf Politikthemen aus dem Ausland

Mit den US-Präsidentschaftswahlen (Rang 3), dem Syrischen Bürgerkrieg (Rang 4), dem IS-Konflikt (Rang 8), der Öffnung Kubas (Rang 9) und den Landtagswahlen in Deutschland (Rang 10) sind neben der Flüchtlingskrise und dem Terroranschlag in Brüssel fünf weitere politische Themen aus dem Ausland in der Top 10 des Monats vertreten. Damit liegt der Fokus der Berichterstattung wie im Februar auf internationalen Politikthemen. 

Die Ereignisse aus der Schweiz: Mordprozess im Fall Marie, Unternehmenssteuerreform und Asylpolitik

Komplettiert wird die Medienagenda im März mit drei Themen aus der Schweiz. Erstens wurde der Prozess gegen Claude Dubois, den mutmasslichen Mörder der 2013 verstorbenen Marie S., insbesondere von den Medien der Suisse romande sehr resonanzstark thematisiert (Rang 5). Zweitens hat die im März im Nationalrat debattierte Unternehmenssteuerreform III für viel Berichterstattung gesorgt (Rang 7). Und drittens wurde vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise auch im vergangenen Monat wieder umfassend über die Schweizer Asylpolitik berichtet (Rang 6). In den nächsten Monaten wird die Berichterstattung darüber tendenziell noch zunehmen, da im Juni die eidgenössische Abstimmung zum Asylgesetzreferendum ansteht. Von den weiteren Abstimmungsvorlagen haben im März auch die Milchkuh-Initiative "Für eine faire Verkehrsfinanzierung" (Rang 25) und die Volksinitiative "Für ein bedingungsloses Grundeinkommen" (Rang 42) für beachtliche Medienresonanz gesorgt, während das Referendum zum Fortpflanzungsmedizingesetz und die Volksinitiative "Pro Service Public" noch kaum öffentlich debattiert wurden.

Medienagenda Februar 2016

Neben den Vorlagen zu den Eidgenössischen Abstimmungen vom 28. Februar 2016 erzielten vor allem internationale Politikthemen viel mediale Aufmerksamkeit. Der Bürgerkrieg in Syrien, die Vorwahlen zur US-Präsidentschaft und auch die Flüchtlingskrise sowie die Brexit-Debatte in Europa erzeugten mehr Medienberichterstattung als noch im Vormonat.

Ungleiche Resonanz für die Abstimmungsvorlagen

Der Abstimmungskampf um die Durchsetzungsinitiative (DSI) erhielt von allen vier Vorlagen deutlich am meisten Medienaufmerksamkeit. Mit der DSI führt erstmals seit der Ecopop-Initiative im November 2014 wieder eine Abstimmungsvorlage die Medienagenda der wichtigsten Themen eines Monats an. Gleichzeitig zählt sie zu den medial am stärksten beachteten Vorlagen der letzten Jahre (vgl. Abstimmungsmonitor). Mit der Vorlage zur Sanierung des Gotthard-Strassentunnels bzw. dem Bau einer zweiten Gotthardröhre rangiert im Februar eine zweite Abstimmungsvorlage unter den Top 10 Themen in der Schweiz (Rang 6). Die CVP-Initiative „Für Ehe und Familie - gegen die Heiratsstrafe“ (Rang 12) und die JUSO-Initiative „Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln!" (Rang 25) rangieren hingegen wie im Januar ausserhalb der Top 10. Die JUSO-Initiative generierte im Abstimmungsmonat als einzige der vier nationalen Vorlagen weniger Resonanz als im Vormonat.

Fokus auf internationale Politik

Die Ränge 2 bis 5 belegen Politikereignisse aus dem Ausland. Der Bürgerkrieg in Syrien ist in der monatlichen Themenhierarchie so hoch rangiert, wie seit zwei Jahren nicht mehr (Rang 2). Grund für die hohe Resonanz sind die viel beachteten Syrien-Gespräche von Anfang Monat in Genf, die Massenflucht aus Aleppo infolge der (drohenden) Luftangriffe des syrischen Regimes mit der Unterstützung Russlands und die vereinbarte Waffenruhe von Ende Monat. Rang 3 belegt die europäische Flüchtlingskrise, um deren Lösung die EU-Mitgliedstaaten und die Türkei weiterhin ringen. Mit der Brexit-Debatte folgt auf Rang 4 gleich dahinter ein weiteres europäisches Politik-Thema. Beim Gipfeltreffen in Brüssel von Mitte Monat konnten sich die Staats- und Regierungschefs auf einen Kompromiss mit Grossbritannien einigen. Rang 5 belegt die US-amerikanische Präsidentschaftswahl. Die Vorwahlen in zahlreichen Bundesstaaten und der Erfolg von Donald Trump sorgten für viel Berichterstattung.

Weitere wichtige Themen im Februar

Die Berichterstattung über den FIFA-Kongress in Zürich bzw. die Wahl von Gianni Infantino zum neuen FIFA-Präsidenten belegt im Februar Rang 7 der Medienagenda. Auf Rang 8 folgt mit dem Tod von Starkoch Benoît Violier ein Ereignis aus dem Bereich Human Interest, das insbesondere in den analysierten Medien der Suisse Romande viel Resonanz erzeugte. Der Verkauf des Schweizer Agrarunternehmens Syngenta an das chinesische Staatsunternehmen ChemChina belegt im Februar Rang 9 der wichtigsten Themen. Komplettiert wird die Medienagenda mit dem Kommunikationsereignis zur Schweizer Asylpolitik (Rang 10).

Medienagenda Januar 2016

Die Agenda der Schweizer Medien im Januar 2016 wird durch die Ausländer- und Migrationsthematik geprägt. Die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln, die Durchsetzungsinitiative und die Flüchtlingskrise in Europa sind die drei Top-Themen im Januar 2016. Nachdem die Bundesrats- und Parlamentswahlen 2015 über Monate hinweg die wichtigsten Inland-Themen waren, konnten die Abstimmungsvorlagen vom kommenden 28. Februar Anfang 2016 deutlich an Resonanz zulegen.

Wiedererstarken der Flüchtlingsthematik im Zeichen von Köln

Die Medienberichterstattung der ersten Januarwoche stand stark im Fokus der Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln und anderen Städten (Rang 1). Neben einer intensiven Ereignisberichterstattung und starker Kommentierung ist zudem eine integrationspolitische Debatte über das Frauenbild afrikanischer Migranten entbrannt, die auch hierzulande resonanzstark geführt wurde. Wieder umfassender thematisiert wurden im Kontext der Übergriffe die Flüchtlingskrise in Europa (Rang 3), nachdem diese im Dezember 2015 erstmals seit dem letzten Juli nicht zu den zehn wichtigsten Themen eines Monats gehörte. Zugenommen hat zudem auch wieder die Berichterstattung über die  Schweizer Asylpolitik (Rang 9).

 

Bürgerkrieg in Syrien und Bombenattentat in Burkina Faso als weitere Top-Themen

Neben den Kommunikationsereignissen zu den Übergriffen in der Silvesternacht und zur Flüchtlingskrise in Europa rangieren im Januar zwei weitere Auslandthemen in der Top 5: Der Bürgerkrieg in Syrien (Rang 4) und das Bomben-Attentat in der Hauptstadt von Burkina Faso (Rang 5). Diese beiden KE weisen allerdings einen starken Bezug zur Schweiz auf. Beim Anschlag in Ouagadougou waren mit Ex-Post-Chef Jean-Noël Rey und Georgie Lamon zwei Schweizer unter den Opfern, was insbesondere in den Medien der Suisse romande viel Resonanz auslöste. Der Bürgerkrieg in Syrien hatte aufgrund der Fokussierung der Friedensverhandlungen in Genf einen starken Schweiz-Bezug.

Abstimmungsvorlagen auf dem Vormarsch

Mit Blick auf die Inland-Themen zeigt sich, dass die Debatten über die Abstimmungsvorlagen vom 28. Februar stark an Resonanz zulegen konnten, nachdem die Bundesratswahlen Ende 2015 das mit Abstand gewichtigste politische Inlandthema waren. Deutlich am meisten Resonanz erzielte dabei die Durchsetzungsinitiative (Rang 2), gefolgt von der Abstimmung über die Sanierung des Gotthard Strassentunnels bzw. den Bau einer zweiten Gotthard-Röhre (Rang 10). Die beiden weiteren nationalen Abstimmungsvorlagen, die JUSO-Initiative „Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln!" (Rang 15) und die CVP-Initiative „Für Ehe und Familie - gegen die Heiratsstrafe“ (Rang 16) rangieren im Januar zwar ausserhalb der Top 10, erreichen aber immer noch relativ viel Resonanz. Mehr Resonanz als diese Initiativen generierte die SVP mit den Rücktritten von Parteipräsident Toni Brunner und Vize Christoph Blocher (Rang 8).

Weitere viel beachtete Themen

Ungewöhnlich viel Medienresonanz erzeugte im Januar der Tod des britischen Musikers David Bowie (Rang 7). In allen analysierten Medien wurde darüber berichtet, besonders häufig jedoch in der Boulevard- und Gratispresse sowie in der Neuen Zürcher Zeitung. Komplettiert wird die Medienagenda des Monats durch das Kommunikationsereignis über den Schweizer Konjunkturverlauf (Rang 6), über welchen aufgrund der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB vor einem Jahr besonders intensiv berichtet wurde.

Medienagenda Dezember 2015

Die Agenda der Schweizer Medien im Dezember war insbesondere durch die Bundesratswahlen geprägt (Rang 1). Mit dem Weltklimagipfel in Paris erhielt zudem für einmal auch wieder ein umweltpolitisches Issue überdurchschnittliche Aufmerksamkeit in den Medien.   

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Rennen um vakanten Bundesratssitz

Mit deutlichem Abstand belegt das KE zu den Bundesratswahlen vom 9. Dezember Rang 1 in der Medienagenda des Monats. Die umfangreiche Vorberichterstattung wurde im November stark von den Terroranschlägen in Paris überschattet, fokussierte aber bereits früh deutlich auf die offiziellen Kandidaten der SVP. Am Dreierticket mit Guy Parmelin, Norman Gobbi und Thomas Aeschi sowie am generellen Anspruch der SVP auf einen zweiten Bundesratssitz wurde denn auch in der ersten Dezemberwoche nicht mehr gerüttelt. Dennoch konnten die ins Rennen geschickten SVP-Kandidaten in der öffentlichen Wahrnehmung nicht uneingeschränkt überzeugen (vgl. Reputationsmonitor Politik, 6. Dezember 2015).

Kurz vor dem Wahltermin wurden erneut einzelne Befürchtungen über Sprengkandidaten laut, die sich mit der verhältnismässig reibungslos verlaufenen Wahl des Waadtländer Weinbauers Guy Parmelin aber nicht bestätigten. Die Suisse romande erhält damit einen dritten Bundesrat; eine Tatsache,  die in den französischsprachigen Medien (insbesondere Le Temps) besonders viel Resonanz erzeugte.

Verschärfte Bedrohungswahrnehmung

Schlüsselereignisse wie die Terroranschläge in Paris, der Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak (Rang 6) und nicht zuletzt auch die wachsenden Flüchtlingsströme aus den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt führten 2015 zu umfangreichen Anschlussdebatten, in welchen eine  steigende Bedrohungswahrnehmung gegenüber dem Fremden generell und gegenüber islamistischem Terror im Besonderen zum Ausdruck kam. Im Dezember erhält dieser Themenkomplex mit dem KE über den Terrorverdacht in Genf (Rang 7) einen starken Schweiz-Bezug. Im Zuge der Ermittlungen entflammt einerseits die Diskussion über eine Terror-Zelle im Inland sowie die Forderung verschärfter Massnahmen zum Schutz der Inneren Sicherheit (Ränge 8 und 9).

Auch die beträchtliche Resonanz für die Regionalwahlen in Frankreich (Rang 3) ist hauptsächlich vor dem Hintergrund der Terrorfurcht und deren Auswirkungen auf das politische Klima zu erklären. Die Sorge, der rechtsradikale Front National könnte besonders stark zulegen, verlieh den Wahlen einen besonderen Nachrichtenwert.

Schliesslich rangiert auf Platz 10 das KE zur Schweizer Asylpolitik, welches seit Mai durchgehend zu den 10 grössten Themen eines Monats gehörte. Fortlaufend standen damit die Herausforderungen und Probleme im Umgang mit einer steigenden Anzahl an Flüchtlingen im medialen Fokus.

Weitere wichtige Kommunikationsereignisse im Dezember

Auch der FIFA-Korruptionsskandal (Rang 2) erzielte im Dezember einmal mehr grosse Resonanz. Das KE um die Verstrickungen Sepp Blatters und weiterer ranghoher Funktionäre zeichnete im vergangenen Jahr eine bemerkenswerte Karriere. Mit dem Entscheid der FIFA-Ethikkommission, Blatter und Platini für acht Jahre zu sperren, erreichte der Skandal im Dezember nun einen weiteren Höhepunkt.

Etwas hoffnungsvoller verlief die Berichterstattung über den 21. Weltklimagipfel in Paris und die an diesem Treffen verhandelten politischen Ziele (Rang 4). „Plötzlich ist Klimaschutz wieder cool“ (1. Dezember, S.1) kommentierte beispielsweise der Blick und die NZZ titelte im Nachgang der Verhandlungen „Neuer Elan für das Klima“ (24. Dezember, S. 10).

Zu guter Letzt sorgte der Kinostart des siebten Teils der Weltraumsaga Star Wars für gehörigen medialen Wirbel (Rang 5). Es ist ungewöhnlich dass Kultur-Ereignisse diesen Stellenwert bekommen. Im Scheinwerferlicht stand dabei insbesondere die ungeheure Vermarktungsmaschinerie von Fanartikeln und Spielwaren, welche dem neusten Streich des Disney-Konzerns bereits vor dem Verkauf der ersten Eintrittskarten zum Kassenschlager verhalf.

Ältere Medienagenden

Medienagenda November 2015

Angeführt wird die Monatsagenda der wichtigsten Themen im November von den Terroranschlägen in Paris. Die Attentate hatten wie bei den Pariser Anschlägen vom Januar ein enormes Medienecho in allen analysierten Zeitungen zur Folge: Ausser den Eidgenössischen Wahlen im letzten Monat verzeichnete in diesem Jahr kein Kommunikationsereignis mehr monatliche Resonanz als die Anschläge in Paris.

Darüber hinaus befeuerten sie laufende sicherheitspolitische Debatten und den Diskurs über den Islamismus. Innenpolitisch dominierten im November noch einmal die Wahlen: Die zweiten Wahlgänge zur Neubesetzung des Ständerats in diversen Kantonen einerseits und die bevorstehenden Bundesratswahlen vom 9. Dezember andererseits wurden in allen analysierten Medien resonanzstark thematisiert.

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

"Kampf gegen den Terror" im Anschluss an die Attentate von Paris

Die Serie von Attentaten in der französischen Hauptstadt Paris vom 13. November war das einschneidendste Ereignis des vergangenen Monats. Die Pariser Anschläge auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" und ein jüdisches Lebensmittelgeschäft von Anfang Jahr lösten insbesondere reflexive Debatten über die Pressefreiheit und den Islamismus aus (vgl. Medienagenda vom Januar). Im Anschluss an die neusten Anschläge rücken nun Diskurse über die konkrete terroristische Bedrohungslage bspw. in der Schweiz (Rang 8) sowie über den Kampf gegen den Islamischen Staat in Syrien und im Irak (Rang 4) in den Fokus. Damit ist der mediale Blick nach Syrien wieder geprägt durch die Bedrohung des IS, nachdem in den letzten Monaten zwischenzeitlich vermehrt über den Bürgerkrieg und die russische Militärintervention berichtet wurde.

Die Flüchtlingskrise verliert weiter an Resonanz

Weiter an massenmedialer Aufmerksamkeit eingebüsst hat im November die Flüchtlingskrise (Rang 5), obwohl der Flüchtlingsstrom nach Europa trotz Kälteeinbruch nicht abriss und Ende Monat ein Aktionsplan zwischen der EU und der Türkei beschlossen wurde. Etwas mehr Berichterstattung gab es hingegen wieder über die Schweizer Asylpolitik (Rang 6), wobei vermehrt Kritik am Vorgehen des Bundes und der zuständigen Bundesrätin geäussert wurde. So wird FDP-Präsident Philipp Müller in der NZZ vom 13. November beispielsweise folgendermassen zitiert: "Das Problem ist SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga." Nur noch unterschwellig thematisieren die Medien mit Ausnahme der NZZ im November die Flüchtlingspolitik anderer Staaten, wie beispielsweise jene Deutschlands.

Ständerats- und Bundesratswahlen

Aufgrund der kantonalen Urnengänge für den Ständerat erhielten die Eidgenössischen Wahlen im November weiterhin Medienaufmerksamkeit (Rang 3). Auf grosses Interesse stiess dies vor allem noch bei den analysierten Abonnementszeitungen Tages-Anzeiger, NZZ und Le Temps, nachdem die Eidgenössischen Wahlen im Oktober auch bei den Gratis- und Boulevardmedien noch das resonanzstärkste Kommunikationsereignis waren. Umfangreicher als die Ständerats- wurden im November im Durchschnitt die Bundesratswahlen thematisiert (Rang 2). In der ersten Monatshälfte wurden dabei vor allem mögliche SVP-Kandidaten für die Nachfolge von Eveline Widmer-Schlumpf portraitiert und der Kandidatenkreis auf elf ausgeweitet, danach stand das SVP-Dreierticket mit Guy Parmelin, Norman Gobbi und Thomas Aeschi im medialen Fokus. Mehr zu den Resonanzchancen und zur Tonalität der Bundesratskandidaten erfahren Sie in unserem jüngsten Bericht zum Reputationsmonitor Politik.

Skandalumwitterter Sport

Nachdem neue Enthüllungen den FIFA-Korruptionsskandal im September und Oktober zurück in die Top-10 der wichtigsten Kommunikationsereignisse befördert hatten, wurde es im November etwas ruhiger um den Weltfussballverband (Rang 9). Im Kontext des russischen Dopingskandals sorgte neben der FIFA aber auch der Leichtathletik-Weltverband IAAF für negative Schlagzeilen (Rang 7). Abgerundet wird die Monatsagenda der wichtigsten Themen mit der Weltklimapolitik, welche zurzeit im Rahmen des Klimagipfels in Paris verhandelt wird (Rang 10). Mehr dazu finden Sie hier.

Medienagenda Oktober 2015

Wenig überraschend führen die Eidgenössischen Wahlen die Rangliste der wichtigsten Themen im Wahlmonat Oktober an. Gegenüber den Vormonaten stieg die Resonanz noch einmal erheblich an. Kein anderes Ereignis wurde in diesem Jahr in einem Monat umfassender thematisiert. Im Nachgang der Wahlen hat die Diskussion um einen zweiten SVP-Bundesratssitz erheblich an Brisanz gewonnen. Durch die Wahlen in den Hintergrund gedrängt, wurden im Oktober hingegen die Flüchtlingskrise und die daran anschliessende asylpolitische Debatte in der Schweiz. Hierzu wurden deutlich weniger Beiträge veröffentlicht als im Vormonat.

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Die Eidgenössischen Wahlen im Fokus

Seit April sind die Eidgenössischen Wahlen in den Top 10-Monatsagenden der wichtigsten Themen vertreten und seit Juli hat die Berichterstattung darüber kontinuierlich zugenommen. Im Monat der Wahlen stieg die Resonanz dabei noch einmal erheblich an: Im Oktober machte rund jeder 20. redaktionelle Beitrag in den Schweizer Leitmedien die National- und Ständeratswahlen zum Thema. In den sechs analysierten Zeitungen wurden insgesamt über 500 Artikel darüber publiziert. Die enorme Präsenz eidgenössischer Parlamentswahlen im Wahlmonat ist allerdings keine Ausnahme: Auch im Jahr 2011 waren sie im Oktober das mit Abstand gewichtigste Kommunikationsereignis.

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen

Bereits im Vorfeld der Parlamentswahlen gab es gelegentlich Berichterstattung über die bevorstehenden Gesamterneuerungswahlen des Bundesrats vom 9. Dezember. Mit dem Wahlsieg der SVP hat sich diese Debatte weiter akzentuiert, das Kommunikationsereignis rangiert neu auf Platz 3. Nachdem Eveline Widmer-Schlumpf rund 10 Tage nach den National- und Ständeratswahlen ihren Rücktritt bekanntgab, fokussiert die Berichterstattung über die Bundesratswahlen seither vor allem mögliche SVP-Bundesratskandidaten.

Die Flüchtlingskrise rückt in den Hintergrund

Der mediale Blick ins Ausland war im Oktober vielfältiger als in den Vormonaten. Während die Flüchtlingskrise (Rang 5) und daran anschliessende asylpolitische Debatten in der Schweiz (Rang 6) und anderen Ländern – wohl nicht zuletzt aufgrund des Wahlmonats – deutlich an Resonanz einbüssten, gab es insbesondere über den Bürgerkrieg in Syrien (Rang 4) und den wieder aufgeflammten Nahostkonflikt (Rang 8) umfangreiche Berichterstattung.

Darüber hinaus sorgte der FIFA-Korruptionsskandal im Kontext der Suspendierung von Sepp Blatter und den neusten Enthüllungen um die Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaften nach Deutschland erneut für viele Schlagzeilen (Rang 2). Der IS-Konflikt hat hingegen weiter an Resonanz eingebüsst und rangiert nur noch auf Platz 10.

Zwei Wirtschaftsthemen komplettieren die Medienagenda

Mit dem Abgas-Skandal beim deutschen Automobilhersteller Volkswagen (Rang 7) und den angekündigten Umstrukturierungen bei der Credit Suisse (Rang 9) komplettieren zwei Wirtschaftskommunikationsereignisse die Top 10-Medienagenda des Monats. Die am 21. Oktober vom neuen Chef Tidjane Thiam vorgestellten personellen, organisatorischen und strategischen Änderungen bei der Schweizer Grossbank wurden dabei ebenso von allen Medien thematisiert wie der Fortgang des VW-Skandals.

Medienagenda September 2015

Noch deutlicher als im Vormonat dominieren die Flüchtlingskrise in Europa, die Eidgenössischen Wahlen sowie die Schweizer Asyldebatte die Medienagenda im September. Insbesondere die Flüchtlingskrise hat jüngst nochmals deutlich an Brisanz gewonnen.

So schliessen beispielsweise die intensiv geführten Debatten zur Asyl- und Flüchtlingspolitik in der Schweiz und in Deutschland, aber auch der anhaltende Kampf gegen den IS und der Bürgerkrieg in Syrien an die momentan alles überschattende Flüchtlings-Thematik an.

Mit dem VW-Abgas-Skandal befindet sich seit März das erste Mal wieder ein Unternehmens-Issue in den obersten Rängen der Medienagenda.

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Europaweite Flüchtlingskrise und Asyldebatte in der Schweiz

Das Ausmass der Berichterstattung über Flüchtlinge, die zu Hunderten in Zügen nach München und Wien reisten oder am Bahnhof von Budapest campierten, erreichte im September einen neuen Höhepunkt: "Aus der Flüchtlingskrise ist ein Drama geworden", kommentierte Tages-Anzeiger-Chefredaktor Res Strehle Anfang Monat in einem Leitartikel die neusten Entwicklungen in der europäischen Flüchtlingskrise (Tages-Anzeiger, 5. September, S.1). Das Bild eines toten syrischen Jungen an einem türkischen Touristenstrand sorgte darüber hinaus für breites Entsetzen und der politische Alleingang der ungarischen Regierung für viel Kritik.

Im Zuge dieser Kette von Ereignissen in der ersten Monatshälfte rückte danach die Forderung nach einer gesamteuropäischen Lösung der Krise zunehmend in den medialen Fokus. Mit der Asylpolitik der Schweiz (Rang 3) und der deutschen Flüchtlingspolitik (Rang 6) rangieren neben der gesamteuropäischen Perspektive auf die Flüchtlinge (Rang 1) im September auch zwei nationale migrationspolitische Themen prominent auf der Medienagenda.

Darüber hinaus erzielt im Kontext der zahlreichen Flüchtlinge aus Syrien auch wieder vermehrt der syrische Bürgerkrieg mediale Aufmerksamkeit (Rang 9). Im Fokus steht Syrien zudem weiterhin aufgrund des IS-Konflikts, wobei die Bekämpfung der Islamisten einerseits und deren steigender Einfluss in Ägypten andererseits breit thematisiert wurden (Rang 7).

Heisse Phase für die Eidgenössischen Wahlen

Im Monat vor dem Urnengang beginnt definitiv die „heisse Phase“ des Wahlkamps. Insbesondere in den analysierten Boulevardzeitungen Blick und Le Matin sowie in der Gratiszeitung 20 Minuten gab es im September deutlich mehr Berichterstattung als in den Vormonaten. Eine zwischenzeitlich publizierte Analyse des fög zur Medienberichterstattung über die Eidgenössischen Wahlen (Reputationsmonitor Politik) zeigt darüber hinaus, dass die SVP im Wahljahr 2015 am meisten mediale Aufmerksamkeit erhält. Ihren Anteil konnte sie im September sogar nochmals leicht erhöhen.

Umfangreiche Skandalberichterstattung über VW und FIFA

Neben den Flüchtlingen und den Eidgenössischen Wahlen prägen zwei Skandale die Medien-Agenda im September. Insbesondere der am 19. September publik gewordene Skandal der Automobilbranche, dass Volkswagen bewusst Luftschadstoff-Messungen verfälscht haben soll, erzeugt eine intensive Berichterstattung auch in den Schweizer Medien. Die "teuerste Dummheit der Automobilgeschichte" (Tages-Anzeiger, 22. September, S. 11) erhielt bis Ende Monat in allen analysierten Medien viel Aufmerksamkeit (Rang 4).

Im September hat auch die FIFA-Affäre (Rang 5) neue Bedeutung erlangt (Auslieferung von Eugenio Figueredo an die USA, Suspendierung von Generalsekretärs Jérôme Valcke sowie die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Präsident Sepp Blatter). Angesichts der zwischenzeitlichen Suspendierung von Sepp Blatter als FIFA-Präsident dürfte dem Issue weiterhin grosse Bedeutung zukommen.

Weitere bedeutende Kommunikationsereignisse

Die Verabschiedung der globalen Entwicklungsziele am UNO-Gipfel in New York haben insbesondere im Le Temps für umfangreiche Berichterstattung gesorgt. Die Thematik rangiert auf Platz 8 und rundet die Monatsagenda zusammen mit der Berichterstattung über Papst Franziskus und dessen Besuch in den USA (Rang 10) ab.

Medienagenda August 2015

Neben den Eidgenössischen Wahlen, die im August erstmals zum wichtigsten Thema des Monats aufgestiegen sind, gewinnt die Flüchtlingskrise in Europa (Rang 2) und die Schweizer Asylpolitik (Rang 3) stark an Bedeutung. Für viele Schlagzeilen sorgten des Weiteren auch der Börsencrash (Rang 4) und die provokativen Äusserungen von Bischof Vitus Huonder zur Homosexualität (Rang 5). Das mit Abstand resonanzstärkste Thema des Vormonats Juli, die EU-Schuldenkrise, rangiert im August hingegen ausserhalb der Top 10

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Eidgenössische Wahlen erstmals auf Rang 1

Rund zwei Monate vor dem Urnengang gewinnt die Wahlberichterstattung zu den Eidgenössischen Wahlen kräftig an Fahrt. Mit Wahl-Events und Inszenierungskampagnen (z.B. Freiheitssong der SVP) unternehmen die Parteien, Kandidatinnen und Kandidaten allerhand, um wahrgenommen und massenmedial thematisiert zu werden. Diese Inszenierungstendenzen werden von den Medien wiederum an verschiedenen Stellen kritisch reflektiert (z.B. Blick, 17. August, S. 3: "Mit Tamtam in den Wahlkampf-Endspurt"; NZZ, 24. August, S. 11: "Festhütte SVP"). Des Weiteren werden im Kontext des Wahlkampes Wahlchancen diskutiert und Prognosen erstellt.

Europaweite Flüchtlingskrise und Asyldebatte in der Schweiz

Nachdem ein tragisches Bootsunglück im Mittelmeer den Diskurs über die Flüchtlingskrise im April neu lanciert hatte, wurde in den vergangenen Monaten auch die Asyldebatte in der Schweiz wieder resonanzstark geführt. Die chaotischen Zustände auf der griechischen Ferieninsel Kos, die Errichtung eines Grenzzaunes in Ungarn und insbesondere das Unglück mit bis zu 50 gefundenen toten Flüchtlingen in einem LKW in Österreich haben die Thematik im August nun erneut auf die Titelseiten der Schweizer Presse befördert. Im Zuge dieser Ereignisse wird die Debatte über die Asylpraxis des Bundes und die Aufnahme von Flüchtlingen in der Schweiz im August noch intensiver geführt als in den Vormonaten. Mit dazu bei trägt auch, dass die SVP migrations- und asylpolitische Themen im aktuellen Wahlkampf bewusst bewirtschaftet und erfolgreich auf die Medienagenda zu setzen vermag (vgl. auch Reputationsmonitor Politik).

Entwicklung der Börsen

Weil der Börsencrash vom 24. August auch vom Blick und der Gratiszeitung 20 Minuten thematisiert wurde, war die Entwicklung der Börsen im August für einmal keine quasi exklusive Thematik der Abonnementszeitungen Le Temps, NZZ und Tages-Anzeiger und rangiert auf Platz 4 der Medienagenda. Mit dem Geschäftsgang von Google ist daneben ein weiteres Wirtschaftskommunikationsereignis auf der Top 10 Monatsagenda platziert (Rang 8). Für Schlagzeilen sorgte dabei die Meldung, dass der Internetkonzern zu einer Holding mit dem Namen Alphabet umstrukturiert werden soll. Am virulentesten behandelt hat dies die Gratiszeitung 20 Minuten.

Die weiteren Themen

iel negative Berichterstattung gab es im August über den streitbaren Bischof Vitus Huonder, weil dieser sich Anfang Monat an einem Vortrag in Deutschland erneut sehr missverständlich gegenüber Homosexuellen äusserte und damit für reichlich Empörung gesorgt hatte. Die Thematik rangiert auf Rang 5 der Medienagenda und wurde von allen analysierten Zeitungen umfassend aufgegriffen. Mit dem Transfer von Xherdan Shaqiri zu Stoke City (Rang 9) und der Trainerrochade beim BSC Young Boys (Rang 7) rangieren im August zudem auch zwei Sport-Kommunikationsereignisse auf der Top 10 Medienagenda. Komplettiert wird die Rangliste der wichtigsten Themen des Monats durch den IS-Konflikt (Rang 6) und die Schweizer Energiepolitik (Rang 10). Anlass zur Berichterstattung gab diesbezüglich die Atomausstiegsdebatte im Ständerat von Mitte Monat.

Medienagenda Juli 2015

Das Sommerloch macht sich im Juli deutlich bemerkbar. Die Eurokrise ist mit Abstand das dominanteste Kommunikationsereignis (Rang 1). Daneben prägen saisonale, wenig resonanzstarke Ereignisse, wie etwa die Berichterstattung zur Tour de France (Rang 10), zum Paléo Festival (Rang 8), dem Montreux Jazz Festival (Rang 6) oder dem Hitzesommer 2015 (Rang 2) die Medienagenda.

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Eurokrise überschattet alles

Nach wie vor sehr resonanzstark thematisiert wird die Schuldenkrise Griechenlands. Ausgangspunkt für die Berichterstattung bildet in diesem Monat das Referendum zu den griechischen Sparmassnahmen am 5. Juli. Die Schwerpunkte in der Berichterstattung variieren zwischen der Suche nach einem politischen Ausweg aus der Krise und der Schilderung des Alltags der griechischen Bevölkerung bzw. der Sichtweise des "Mannes auf der Strasse". Besonders die Gratiszeitung 20 Minuten konzentrierte ihre Berichterstattung zur Eurokrise auf diesen Aspekt ("Wir Griechen bleiben so oder so die Leidtragenden", 1.7.2015; "In griechischen Hotels werden die Vorräte knapp", 8.7.2015; "Australier hilft weinendem Griechen", 9.7.2015). Zudem verweist eine Vielzahl von Beiträgen auf das Spannungsverhältnis zwischen den Entscheidungsträgern in Griechen-land und jenen der EU ("Regierungschef Tsipras und Kanzlerin Merkel sind die eigentlichen Gegenspieler in der Euro-Krise. Beide müssen jetzt unangenehme Entscheidungen fällen", NZZ 7.7.2015; "Nur Alexis Tsipras lacht noch immer ", Blick 8.7.2015).

Weitere aussenpolitische Krisenherde

Deutlich weniger Beachtung, aber dennoch auf Rang 4 der Medienagenda platziert, fand im Juli das Kommunikationsereignis zur Beilegung des Atomstreits mit dem Iran (Rang 4). Der Deal mit den USA wurde insbesondere von den überregionalen Medien sehr aufmerksam verfolgt, in dem auf die Vor- und Nachteile davon und die Bedeutung dieser diplomatischen Wende eingegangen wurde.

Wie in den Vormonaten findet sich das KE zum Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak auf den vorderen Rängen der Medienagenda (Rang 7). Im Vordergrund steht insbesondere die unvermittelte Verwicklung der Türkei in die Kriegsgeschehnisse.

Innenpolitische Themen

Weiterhin bewegt die Asyldebatte die breite Öffentlichkeit (Rang 5) und nach wie vor herrscht Uneinigkeit über die Lösungsansätze zur Unterbringung der Flüchtlinge. Besonders im Fokus standen in diesem Monat Berichte über Einwanderer aus Eritrea.

Zweites innenpolitisches Thema sind die Eidgenössischen Wahlen vom Herbst 2015 (Rang 3). Bereits seit April rangiert das Kommunikationsereignis unter den Top-10-Themen des Monats. Es wird umfangreich über Parteistrategien berichtet und Portraits von Kandidaten und Kandidatinnen werden veröffentlicht.

Saisonale Ereignisse bestätigen das Sommerloch und FIFA-Skandal auf dem Rückzug

Ähnlich umfangreich, wie über die Eidgenössischen Wahlen wird im Juli über den ausserordentlichen Hitzesommer berichtet. Obschon dieses Kommunikationsereignis (KE) mit Vorliebe von den Boulevard- und Gratiszeitungen bewirtschaftet wird und bei den überregionalen Zeitungen entsprechend deutlich weniger Gewicht einnimmt, erreicht es Rang 2 in der Medienagenda Juli. Eher selten rangieren Kulturanlässe in der Top-10-Medienagenda eines Monats. Aufgrund der grossen Resonanz in den französischsprachigen Medien sind mit dem KE über das Montreux Jazz Festival (Rang 6) und das Paléo Festival in Nyon (Rang 8) in diesem Monat gleich zwei saisonale Festival-KE prominent vertreten. Ebenfalls mehr Resonanz in der Medienarena der Suisse Romane erhielt die Tour de France (Rang 10).

Deutlich rückläufig ist im Juli die Berichterstattung über die FIFA-Korruptionsaffäre (Rang 9). Im Zentrum stehen im Juli die Frage nach dem Präsidium und die Suche nach den geeigneten Nachfolgekandidaten.

Medienagenda Juni 2015

Seit Januar dieses Jahres gab es keinen Monat, indem vergleichbar wenige Themen eine solch grosse Medienresonanz erzeugten wie im Juni. Die alles dominierenden Themen waren die Eurokrise (Rang 1) und der FIFA-Korruptionsskandal (Rang 2).

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Showdown um die drohende griechische Staatspleite

Nachdem sich die Berichterstattung über die Eurokrise in den vergangenen Monaten immer mehr auf die überregionalen Zeitungen NZZ, Le Temps und Tages-Anzeiger beschränkte, wurde im Juni aufgrund der dramatischen Entwicklungen auch in der Boulevard- und Gratispresse wieder intensiver darüber berichtet. Dabei hat sich der Ton im Zuge der zähen Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung und den Gläubigern, der Möglichkeit eines Staatsbankrotts und im Hinblick auf das bevorstehende Referendum in Griechenland zunehmend verschärft. Kommentare häuften sich, in denen die linke griechische Regierung und die Bevölkerung des Landes ungewohnt hart diskreditiert wurden: "Die Bürger warten offenbar lieber ab, als Steuern zu begleichen. Und auch die Syriza-Regierung übt sich im Klientelismus. Ihre Spitzenexponenten halten gerne anderen Vorträge, wie unmenschlich dumm die bisherige Spar- und Sanierungspolitik war. Konkrete Sanierungsarbeit scheint ihnen weniger zu liegen." (NZZ, 23. Juni, S. 19)

FIFA-Korruptionsskandal in allen Medien virulent diskutiert

Neben der Eurokrise war im Juni der Fortgang der FIFA-Korruptionsaffäre mit dem unerwarteten Rücktritt von Präsident Sepp Blatter Anfang Monat das prägende Medienthema, welches von allen analysierten Zeitungen umfassend behandelt wurde. Mit Stanislas Wawrinka (Rang 8) und dem FC Basel (Rang 10) rangieren neben dem Fussball-Weltverband zudem zwei weitere und somit ungewohnt viele Sport-Kommunikationsereignisse in der Rangliste der wichtigsten Themen des Monats. Über "Grand Stan" (Blick, 8. Juni, S. 13) wurde im Zuge seines Triumphes an den French Open vor allem in den analysierten Boulevardzeitungen Le Matin und Blick viel berichtet, während der Wechsel von Paulo Sousa zu Urs Fischer auf dem Trainerposten beim FC Basel vor allem im Blick und in der NZZ umfassend thematisiert wurde.

Abstimmung über die RTVG-Revision befeuert die Debatte über SRG und Service Public

Von den nationalen vier Abstimmungsvorlagen vom 14. Juni schaffte es im vergangenen Monat nur die RTVG-Revision (Rang 3) in die Top 10 der wichtigsten Themen des Monats. Darüber nahm das Berichterstattungsvolumen im Vergleich zu den Vormonaten noch einmal zu. Über die Abstimmung hinaus wurde die Problematisierung der SRG weiter geführt und eine Grundsatzdebatte über den Service Public (Rang 5) lanciert (vgl. Abstimmungsmonitor).

Mit der Asylpolitik in der Schweiz (Rang 4) und den Eidgenössischen Wahlen vom kommenden Herbst (Rang 6) rangieren daneben zwei weitere brisante innenpolitische Themen auf der Juniagenda. Ersteres ist stark regional geprägt: In den analysierten Zeitungen der Suisse romande dominiert die Auseinandersetzung über das von Asylsuchenden besetzte Centre Culturel Grütli in Genf, während in der Presse der Deutschschweiz die Abstimmung über die Abschaffung der Härtefallkommission in Zürich für viele Schlagzeilen sorgte. Darüber hinaus erzeugte die im Ständerat besprochene Reform des Asylwesens für kürzere Asylverfahren und die Schaffung neuer Bundeszentren sprachregionenübergreifende Resonanz.

Weniger Resonanz für den IS-Konflikt

In der Auslandberichterstattung wurde der andauernde IS-Konflikt (Rang 7) durch die umfassende Thematisierung der Eurokrise und den FIFA-Korruptionsskandal weniger prominent thematisiert als im Vormonat. Ähnlich wie die Ukraine-Krise (Rang 9) hat sich dieser zu einem Thema der überregionalen Medien entwickelt.

Medienagenda Mai 2015

Die stärkste Medienresonanz erzielten im Mai der FIFA-Skandal, die Thematisierung der Kasachstan-Affäre bzw. die Skandalisierung von FDP-Nationalrätin Christa Markwalder sowie die Berichterstattung über die RTVG-Abstimmung.

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Skandale auf den Top-Rängen

Dass Skandale durch eine besonders starke Medienberichterstattung geprägt sind, zeigt sich im Mai gleich doppelt: Nicht nur über den FIFA-Korruptionsskandal, sondern auch über die Kasachstan-Affäre und das zweifelhafte Lobbying-Mandat von FDP-Nationalrätin Christa Markwalder wurde in allen analysierten Zeitungen innerhalb kurzer Zeit enorm viel geschrieben. Die FIFA-Affäre schaffte so problemlos den Sprung an die Spitze der Medienagenda im Mai, obwohl diese erst am 27. Mai ins Rollen kam und bis Ende Monat nur drei für die Analyse relevante Publikationstage folgten.

Veränderter Diskurs über die Flüchtlingskrise

Im April hat ein dramatisches Bootsunglück, bei dem Schätzungen zufolge mehr als 800 Flüchtlinge ums Leben kamen, die Debatte über die Flüchtlingskrise im Mittelmeer neu lanciert. Der Diskurs wurde auch im Mai weitergeführt, allerdings mit inhaltlich anderem Fokus. Während im April vor allem die dramatischen Zustände auf dem Mittelmeer und in den Empfangszentren umfangreich geschildert wurden, waren im Mai die Massnahmen der EU thematischer Schwerpunkt der Berichterstattung. Diese lassen sich weniger moralisch und emotional vermitteln, womit die Debatte an Attraktivität für die Gratis- und Boulevardmedien verlor. Dieser Umstand manifestiert sich im Abstieg des Kommunikationsereignisses auf Rang 10 der wichtigsten Themen des Monats. Das Quotenmodell zur Umverteilung der Flüchtlinge in Europa einerseits und das militärische Vorgehen gegen Schlepperbanden andererseits wurden nur noch von den Qualitätszeitungen Le Temps, NZZ und Tages-Anzeiger prominent thematisiert.

Mehr Berichterstattung als in den Vormonaten gab es im Mai dagegen über die Asylpolitik der Schweiz (Rang 9), welche inhaltlich durch die Flüchtlingskrise im Mittelmeer befeuert wurde. Linke wie rechte Politiker bezogen Stellung dazu, wie sich die Schweiz im Kontext der Flüchtlingskrise positionieren solle. Hinzu kamen die Diskussionen über die Abschaffung der Härtefallkommission im Kanton Zürich und das neue Asylverfahrenszentrum in Zürich-West.

Weitere Politikthemen aus dem In- und Ausland

Neben der Kasachstan-Affäre und der Asylpolitik sorgte im Vormonat der nationalen Abstimmungen mit der RTVG-Vorlage ein weiteres innenpolitisches Ereignis für überdurchschnittlich viel Berichterstattung. Das Kommunikationsereignis rangiert auf Platz 3, während die anderen Abstimmungsvorlagen weit weniger Resonanz erzielten (vgl. Abstimmungsmonitor). Über die Eidgenössischen Wahlen vom Herbst wurde im Mai etwas weniger berichtet als im Vormonat, dennoch rangiert das KE weiterhin in den Top 10 (Rang 8).

Wieder mehr Berichterstattung als im April gab es über den andauernden IS-Konflikt in Syrien und Irak (Rang 6). Insbesondere in den Qualitätszeitungen Le Temps, NZZ und Tages-Anzeiger wurden die neusten Entwicklungen resonanzstark thematisiert, wobei die Kämpfe um die antike Oasenstadt Palmyra und um Ramadi im Fokus standen. Nicht ausschliesslich, jedoch weit prominenter als die Boulevard- und Gratiszeitungen, beschäftigten sich diese Medien auch mit dem Ende des 2. Weltkriegs, das sich zum 70. Mal jährte (Rang 5).

Viel Medienresonanz für die Bluttat von Würenlingen und das Filmfestival von Cannes

Aussergewöhnlich resonanzstark thematisiert wurde im Mai über alle analysierten Medien hinweg mit der Bluttat von Würenlingen ein klassisches Boulevard-Ereignis. Zwar widmete die Boulevardzeitung Blick dem Amok deutlich am meisten Aufmerksamkeit, doch haben auch die analysierten Zeitungen der Suisse romande und die Abonnementszeitungen der Deutschschweiz laufend über den Stand der Ermittlungen informiert. Abgerundet wird die Medienagenda des Monats Mai vom Kommunikationsereignis über das Filmfestival von Cannes, über welches insbesondere im Le Temps umfangreich berichtet wurde (Rang 4).

Medienagenda April 2015

Aufgrund der umfangreichen Berichterstattung über das Flüchtlingsunglück im Mittelmeer vom 19. April und das schwere Erdbeben in Nepal vom 25. April präsentiert sich die Medienagenda des Monats April stark ereignisgetrieben. Umfassend thematisiert wurden jedoch auch die Eidgenössischen Wahlen vom kommenden Herbst und – v.a. in den Deutschschweizer Medien – die Zürcher Wahlen vom 12. April. Wichtiges Thema in der Suisse romande war hingegen der Staatsbesuch von Frankreichs Präsident François Hollande. Dauerbrenner wie die Eurokrise, der IS-Konflikt und der Ukraine-Konflikt wurden weniger berichterstattungsintensiv behandelt als in den Vormonaten.

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Neulancierte Debatte über die Flüchtlingskrise im Mittelmeer

Der massenmedial zuvor nur niederschwellig geführte Diskurs über die Flüchtlingskrise im Mittelmeer wurde durch das Bootsunglück vor der libyschen Küste vom 19. April, bei dem Schätzungen zufolge mehr als 800 Personen ums Leben kamen, neu lanciert und befördert das Kommunikationsereignis auf Rang 1 der Medienagenda vom April. Während die Abonnementszeitungen Le Temps, Tages-Anzeiger und NZZ die europäische Flüchtlingspolitik im Speziellen und die Ursachen der Katastrophe im Allgemeinen prominent thematisierten, berichteten die Boulevardzeitungen Le Matin und Blick sowie 20 Minuten vor allem über das Unglück. Dies erstaunt allerdings nicht, weil das dramatische Ereignis den Selektionslogiken des Boulevard ideal entspricht: Emotionen können beispielsweise prominent hervorgehoben (z.B. Blick, 21. April, S. 2: „Eine unvorstellbare Tragödie“) und Missstände angeprangert werden (Blick, 21. April, S. 1: „Die Festung Europa ist nicht haltbar“).

Politikthemen aus dem In- und Ausland prägen die Medienagenda

Ausser dem Erdbeben von Nepal (Rang 5), welches in den letzten Tagen des Monats enorme Medienresonanz erzeugte, rangieren auf der Top 10-Medienagenda vom April ausschliesslich Politikkommunikationsereignisse. Mit Blick auf die Inland-KE ist dabei spannend zu sehen, dass die Eidgenössischen Wahlen deutlich umfangreicher thematisiert wurden als noch im Vormonat März und bereits ein halbes Jahr vor dem Wahltermin (18. Oktober) Rang 2 der Medienagenda belegen. Mit den Zürcher Kantons- und Regierungsratswahlen vom 12. April folgt gleich dahinter ein weiteres Wahl-KE.

Als drittes Kommunikationsereignis mit Schweizbezug rangiert die Aufarbeitung der Schweizer Nationalgeschichte auf Rang 8. Ausgelöst vom „Historikerstreit“ um Thomas Maissen im Kontext des Jubiläumsjahres 2015 (u.a. 500 Jahre Schlacht von Marignano) wurde eine breite Debatte über die Mystifizierung der Schweizer Geschichte bzw. die Wahrheit nationaler Geschichtsbilder angestossen, an der sich prominent auch Politiker der SVP beteiligen und so zu einer Politisierung der Geschichte beitragen. Der Blick nahm die Debatte sogar zum Anlass, SVP-Vordenker Christoph Blocher und Geschichtsprofessor Thomas Maissen im Hotel Bellevue in Bern zum „grossen Duell“ (Blick, 22. April) vorzuladen.

Weitere Auslandthemen vor allem in den Qualitätszeitungen

Während die Boulevardzeitungen und 20 Minuten den weiteren politischen Auslandsthemen der Top 10 kaum Beachtung schenkten, thematisierten die analysierten Qualitätszeitungen Tages-Anzeiger, NZZ und Le Temps die anhaltende Eurokrise (Rang 6), den IS-Konflikt (Rang 7), den Atomstreit mit dem Iran (Rang 9) und die Aufarbeitung des Völkermordes an den Armeniern durch das Osmanische Reich (Rang 10), dessen Beginn sich am 24. April zum 100. Mal jährte, teilweise sehr umfangreich. Komplettiert wird die Rangliste der wichtigsten Themen vom April mit dem KE über den Staatsbesuch von Frankreichs Präsident François Hollande (Rang 4).

Medienagenda März 2015

Das Germanwings-Unglück vom 25. März wurde innert kürzester Zeit zum Top-Ereignis des Monats. In der knappen Woche bis zum Monatsende veröffentlichten die Schweizer Leitmedien beinahe doppelt so viele Beiträge dazu wie über die andauernden blutigen Kämpfe des IS in Syrien und im Irak.

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Germanwings-Katastrophe: Top-Medienereignis

Die Neuigkeiten zum Flugzeugabsturz überschlugen sich in den analysierten Zeitungen und machten das Kommunikationsereignis (KE) innert wenigen Tagen zum meistbesprochenen Thema im Monat März (Rang 1). Katastrophenberichterstattung folgt gewissen Regularitäten, die sich auch in der Art und Weise wie über den Germanwings-Absturz berichtet wurde, wiederfinden: Das Ereignis löste eine enorme Medienresonanz aus, die aber bereits nach wenigen Tagen wieder abebbte. Weiter verlief die Berichterstattung hoch emotional und moralisch. Opferportraits wurden abgelöst von Berichten über die Trauerfeiern; die Frage nach der Ursache bzw. den Schuldigen wurde gestellt und es wurden Direktmassnahmen gefordert.

Die Intensität, mit der über das Germanwings-Unglück berichtet wurde, sorgte dafür, dass das KE zum Ukraine-Konflikt, das im Vormonat Rang 1 einnahm, ganz aus den Top-10 verbannt wurde. Auch der anhaltende Zerstörungszug des IS in Syrien und im Irak (Rang 2) erhielt nicht so viel Medienaufmerksamkeit wie im Vormonat. Dafür rückte mit dem KE auf Rang 5 die gegenwärtige humanitäre Notsituation in Syrien wieder deutlicher in den medialen Fokus.

Verhandlungsgeschick gefragt: Von Griechenland über Lausanne bis nach Moskau

Nicht minder brisant als im Vormonat, jedoch aufgrund des alles überschattenden Germanwings-Absturzes mit geringerer Resonanz, folgt auf Rang 3 das KE zur Eurokrise. Die weiteren Verhandlungen zwischen Griechenland und der EU führten zu wenig Einigkeit. Im Gegenteil, der Ton zwischen Athen und Berlin verschärfte sich zunehmend. Der Tages-Anzeiger schreibt dazu am 12. März: "Die Regierung in Athen ­zündet mit der Forderung um deutsche ­Reparationszahlungen eine neue Eskalationsstufe im Schuldenstreit."

Lausanne wurde im März kurzfristig zum weltpolitischen Schauplatz. Die hier stattfindenden Verhandlungen über das iranische Atomprogramm beförderten das entsprechende KE in die Top-10 (Rang 9). Das Treffen dauerte über das Monatsende hinaus. Nach zähem Ringen und mehrfacher Verlängerung kam es zu einer Einigung zwischen den Verhandlungspartnern, die als wichtiger diplomatischer Erfolg beschrieben wurde.

Die Ermordung des russischen Oppositionspolitikers Boris Nemzow sorgte für ein breites Medienecho. Das KE dazu erreicht Rang 10 und beinhaltet die Berichterstattung über die in der Folge noch aufgeheiztere Stimmung zwischen Regierung und Opposition.

Weitere viel beachtete Themen

Eher selten schafft es ein Unternehmens-KE unter die Top-10. Im März gelang dies der Credit Suisse, die mit der Ernennung ihres neuen CEO, dem französisch-ivorischen Tidjane Thiam, für einigen medialen Wirbel sorgte (Rang 6). Als einziges innenpolitisches Thema befindet sich auf Rang 8 das KE zu den beiden Familieninitiativen der CVP (vgl. Abstimmungsmonitor). Regelhaft stossen auch Sportereignisse auf grosses Medieninteresse. Sowohl bei der Eishockeymeisterschaft (Rang 4) wie auch bei der Klage gegen das Sauber Team (Rang 7) sind die Gratiszeitung und der Boulevard die Treiber der Berichterstattung.

Medienagenda Februar 2015

Die an die beiden Schockereignisse "Terroranschläge Paris" und " Aufhebung der Wechselkursuntergrenze durch die SNB " anschliessende Berichterstattung prägte die Medienagenda des Vormonats. Im Februar präsentiert sich die Themenrangliste deutlich heterogener. Schwerpunkte bilden die andauernden Konflikte im Ausland, internationale Wintersportereignisse aber auch das als "Swissleak" bekannt gewordene Datenleck beim Schweizer Ableger der britischen Bank HSBC.

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Konflikt- und Kriegsberichterstattung

Die Terroranschläge von Paris befeuerten im Januar zahlreiche Debatten über Islamismus, Terrorabwehr und Pressefreiheit. Diese Debatten wurden im Februar deutlich weniger intensiv und vorwiegend in den analysierten Qualitätszeitungen weitergeführt. Wieder mehr Berichterstattung gab es hingegen über die medialen Dauerbrenner Ukraine-Konflikt und Islamischer Staat (Rang 5). Weil nicht nur über die Kampfhandlungen im Donbass, sondern auch über die verstärkten Bemühungen für eine diplomatische Lösung des Konflikts in allen analysierten Zeitungen intensiv berichtet wurde, rangiert das Kommunikationsereignis über den Ukraine-Konflikt erstmals seit August 2014 wieder auf Platz 1 einer Monats-Medienagenda.

Drei Wirtschaftsthemen in den Top 10

Die Wechselkurspolitik der Schweizerischen Nationalbank war auch im Monat nach der historischen Aufhebung der Wechselkursuntergrenze ein wichtiges Thema in den analysierten Medien(Rang 10). Über zwei andere Wirtschaftsthemen wurde jedoch noch umfangreicher berichtet: Über den Fortgang der Eurokrise (Rang 3) und das Datenleck beim Genfer Ableger der britischen Bank HSBC (Rang 2).

Für Aufregung im Kampf um den griechischen Schuldenschnitt sorgten unter anderem das Auftreten des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras und seines Finanzministers Yanis Varoufakis. Ob der Konfrontationskurs die gewünschten Ergebnisse zur Folge haben wird, bleibt offen. Vorerst hat man sich auf die Verlängerung des Hilfsprogramms geeinigt.

Für reichlich Empörung sorgt seit dem 9. Februar die Schweizer Niederlassung der HSBC. Aufgrund neu ausgewerteter Daten wird vermutet, dass Kunden der Privatbank nicht nur Steuern hinterzogen, sondern auch Terroristen und Drogenhändler finanziert haben sollen. Die seit Jahren andauernde Negativberichterstattung über die HSBC erreicht damit einen neuen Höhepunkt.

Wenig Medienresonanz für die Abstimmungsvorlagen

Obwohl der 8. März ein Abstimmungssonntag war, gab es im Vormonat Februar verhältnismässig wenig Berichterstattung über die bevorstehenden beiden nationalen Vorlagen. Das Kommunikationsereignis zur Energiesteuer-Initiative rangiert ausserhalb der Top 10, jenes zur Familieninitiative belegt Platz 8. Ein Grund für diese geringe Medienresonaz ist, dass die Initiativen kaum im Kontext laufender politischer Debatten thematisiert wurden (vgl. Abstimmungsmonitor). Ähnlich umfangreich wie die Familieninitiative wurde im Februar der Vorschlag des Bundesrats zur Umsetzung der Einwanderungsinitiative thematisiert, womit der innenpolitische Dauerbrenner wieder in der Rangliste der wichtigsten Medienthemen vertreten ist (Rang 6).

Weitere viel beachtete Themen

Nachdem es in den vergangenen Monaten etwas ruhiger um den ehemaligen IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn wurde, hatte sein zweiwöchiger Prozess wegen schwerer Zuhälterei vom Februar insbesondere in den Zeitungen der Romandie viel Berichterstattung zur Folge (Rang 9). Komplettiert wird die Medienagenda durch die Kommunikationsereignisse über die Alpine Skiweltmeisterschaft in Vail / Beaver Creek (Rang 4) und das Nordische Pendant in Falun (Rang 7).

Medienagenda Januar 2015

Die zwei Schlüsselereignisse "Terroranschlag in Paris" und die "Aufhebung der Wechselkursuntergrenze durch die SNB" lösten im Januar ein enormes Medienecho aus. Mehrere Themen auf der Top-10-Medienagenda schliessen inhaltlich direkt an eines dieser beiden Kommunikationsereignisse an. Allgemein wird im Januar ein mediales Abbild der Welt skizziert, das stark durch Krisen und Unsicherheit geprägt ist.

Legende: Die grauen Balken geben das durchschnittliche Gewicht pro Kommunikationsereignis (KE) an (vgl. Kasten zur Methodik). Die roten Balken zeigen, ob ein KE im Vergleich zum Vormonat mehr oder weniger Resonanz erzielt hat. Der Wert +100 bedeutet, dass das KE im aktuellen Monat neu entstanden ist.

Der Terroranschlag von Paris befeuert Debatten über Islamismus, Terrorabwehr und Pressefreiheit

Am 7. Januar wurde auf das Redaktionsgebäude der Satirezeitschrift Charlie Hebdo ein islamistisch motiviertes Attentat verübt, bei dem elf Menschen getötet wurden. Zwei Tage später überfiel im Osten der Stadt ein weiterer Täter ein jüdisches Lebensmittelgeschäft und tötete weitere vier Menschen. Diese Terroranschläge von Paris erweisen sich rückblickend als überaus einschneidende Geschehnisse, welche in allen analysierten Zeitungen ein enormes Berichterstattungsvolumen zur Folge hatten (Rang 1).

Neben der umfangreichen Berichterstattung über die Anschläge und die Solidaritätskundgebungen im Anschluss daran, haben die Attentate auch laufende Debatten über die Gefahr islamistischer Strömungen und Massnahmen dagegen entfacht (Rang 8). Zudem hat sich vor allem in den analysierten Qualitätszeitungen Le Temps, Tages Anzeiger und NZZ ein Diskurs über Pressefreiheit und Satire entwickelt (Rang 4). Die Berichterstattung der Boulevard- und Gratiszeitungen konzentrierte sich dagegen auf die Ereignisse an sich sowie  auf einfach moralisierbare Opfer- und Täterbeschriebe. Ebenfalls stark medial bewirtschaftet wird im Januar die Pegida (Rang 7) – eine Organisation, welche von der Krisenstimmung profitiert und eine "Bedrohung durch das Fremde" resonanzstark problematisiert.

Unsicherheit durch den SNB-Entscheid

Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank vom 15. Januar, die Wechselkursuntergrenze per sofort aufzuheben, wurde von den Medien fast durchgehend als dramatisch kommentiert (Rang 2). "Tsunami pour l'économie suisse" titelte Le Matin (16.01.2015, S. 5), "Kniefall vor den Spekulanten" der Blick (16.01.2015, S. 1) und "Nationalbank schockiert Wirtschaft und Politik" beispielsweise auch die NZZ (16.01.2015, S. 1). Zwar gab es in der Folge auch durchaus sachliche Auseinandersetzungen mit dem Entscheid, doch überwiegen klar Eindrücke der Bedrohung und Unsicherheit. Berichterstattungsintensiv wurden auch die Folgen der Aufhebung der Euro-Untergrenze für die Schweizer Wirtschaft reflektiert. Auch deswegen gehört der Schweizer Konjunkturverlauf zu den wichtigsten Medienthemen des Monats (Rang 10).

Ungewisse Ausgangslage in der Eurozone

Die aktuell starke Krisenwahrnehmung wird zusätzlich untermauert durch die weiteren Themen der Top 10-Medienagenda, denn viel Berichterstattung gab es im Januar auch über die Euro- und die Ukrainekrise (Ränge 3 und 6). Im Kontext der Eurokrise sorgten die "verzweifelte Krisen-Geldpolitik" der Europäischen Zentralbank (NZZ, 17.01.2015, S. 1) und der mögliche "Grexit", das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone, nach der Wahl von Alexis Tsipras zum griechischen Ministerpräsidenten für viele Schlagzeilen. Auch im Falle von Griechenland zeigt sich dabei, dass mit der sozialistisch ausgerichteten "Syriza", der Partei von Tsipras, und "ANEL", der nationalkonservativen und rechtspopulistischen Koalitionspartei, nicht etablierte Akteure in Krisenzeiten auf der politischen Bühne Fuss fassen können. Die griechische Gesellschaft hat sich in der Krise offenbar radikalisiert und vertraut der etablierten politischen Elite nicht mehr. Trittbrettfahrer davon sind diese Parteien am linken und rechten Ende des politischen Spektrums, welche mit ihren Anliegen bei der enttäuschten Bevölkerung auf offene Ohren stossen.

Zum Schauplatz der Krisenbewältigung wurde vom 21. bis zum 24. Januar einmal mehr Davos als Austragungsort des World Economic Forum (Rang 5). Komplettiert wird diese durch die Berichterstattung über die Sex-Affäre (Rang 9)  zwischen der Zuger Grünen-Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin und ihrem SVP-Amtskollegen Markus Hürlimann. Insbesondere der Blick und 20 Minuten haben regelmässig über die Aufarbeitung der eigentlich privaten Angelegenheit der Politiker berichtet.

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