Mediengesetz: Die zentralen Herausforderungen in Grafiken erklärt

Symbolbild News

Am 13. Februar stimmen wir über das Mediengesetz ab. Bei einer Annahme erhalten private Medien während sieben Jahren zusätzliche öffentliche Fördergelder. Wie steht es um die Schweizer Medien? Die zentralen Herausforderungen in Grafiken erklärt.

 Das Mediensystem ist im Umbruch. Seit Jahren verschlechtert sich die ökonomische Situation des Journalismus. Die Werbeeinnahmen im Print-Bereich sinken kontinuierlich. Dieser Verlust kann nicht mit Einnahmen aus dem Online Werbemarkt kompensiert werden, vor allem weil der Grossteil der Online-Werbung Google, Facebook etc. zugute kommt. 2020 waren auch die Online-Werbeeinahmen der Schweizer Medien erstmals seit 2014 rückläufig.

Entwicklung Werbemarkt
Zoom
Jahrbuch Qualität der Medien 2021, S. 127

Auf der anderen Seite wächst die Zahlungsbereitschaft für Online-News nur langsam. Gemäss den Daten des Reuters Institute Digital News Reports 2021 gaben in der Schweiz nur 17% der befragten Nutzer:innen an, «im letzten Jahr» für Online-News bezahlt haben. Das sind zwar mehr als früher und mehr als in den Nachbarländern, aber deutlich weniger als in Skandinavien und nicht genug, um den Journalismus nachhaltig zu finanzieren.

Entwicklung Zahlungsbereitschaft
Zoom
Jahrbuch Qualität der Medien 2021, S. 129

Der Aufwand für Journalismus steigt – immer mehr Kanäle müssen bespielt werden. Print-Zeitungen sind für 15% der über 55Jährigen immer noch die Hauptquelle, für viele Jüngere zwischen 18 und 24 Jahren sind es aber Social Media-Plattformen (Instagram, WhatsApp, YouTube, TikTok, u.a.), News-Websites und -Apps werden von allen Altersgruppen relativ stark nachgefragt.

Nutzung nach Alter
Zoom (JPG, 126 KB)
Jahrbuch Qualität der Medien 2021, S. 113

Die fünf grössten privaten Medienhäuser in der Schweiz machen zwar nach wie vor Gewinn, aber vor allem mit Sparten ausserhalb des Journalismus (z.B. Online Job-Börsen). Die Konsequenz: Einige Medienhäuser sparen beim Journalismus, zum Beispiel, indem sie Redaktionen zu Zentralredaktionen fusionieren, die verschiedene Titel mit den gleichen Inhalten bedienen. Dies ist insbesondere bei TX Group (Tamedia) und CH Media zu beobachten.

Medienkonzentration
Zoom (JPG, 152 KB)
Jahrbuch Qualität der Medien 2021, S. 136

Trotz dieses tiefgreifenden Umbruchs blieb die Gesamtqualität der Schweizer Medien zwischen 2015 und 2020 relativ stabil, wie die Zahlen des fög zeigen. Im Jahr 2020 hat sich die Relevanz (mehr Hard- und weniger Softnews, v.a. wegen der Corona-Pandemie) und die Professionalität (mehr Eigenleistungen) der Berichterstattung leicht verbessert, aber die Vielfalt nimmt weiter ab. Die Medien decken in ihrer Berichterstattung ein immer kleineres Spektrum an Themen und geografischen Räumen ab. In der Deutschschweiz ist eine besonders hohe inhaltliche Medienkonzentration bei der nationalen Politikberichterstattung zu beobachten, die 2019 41% betrug (Jahrbuch Qualität der Medien 2020, S. 163).

Medienqualität
Zoom (JPG, 170 KB)
Jahrbuch Qualität der Medien, S. 94

Vor allem kleinere Regionalmedien wie z.B. die Südostschweiz kämpfen mit knappen Ressourcen. Das schlägt sich auf das Angebot nieder. So berichten kleinere Regionalmedien weniger über Volksabstimmungen. Medien aus der Suisse romande, in der Regel kleiner als ihre Pendants in der Deutschschweiz, schaffen nur mit bearbeiteten Agentur-Beiträgen mehr Output. Das ist ein Hinweis darauf, dass mit geringeren Ressourcen nicht dasselbe gute Angebot geleistet werden kann.

Resonanz von Beitragstypen
Zoom (PNG, 99 KB)
Abstimmungsmonitor September 2020

Gefährdet das Medienpaket die Unabhängigkeit der Medien? Davon ist nicht auszugehen. In der Schweiz existiert die indirekte Presseförderung schon lange. Die Berichterstattung über die Behörden bleibt (trotzdem) kritisch, wie die Forschung des fög nahe legt (z.B. Jahrbuch Qualität der Medien 2021, S. 46). Daran würde auch die neue direkte Online-Förderung wohl nichts ändern. Sie orientiert sich am skandinavischen Modell, wo die Medienfreiheit sehr hoch ist. Die Kriterien für eine Förderung sind sehr allgemein gehalten und machen keine inhaltlichen Vorgaben. 

Die zentralen Pfeiler der Medienfinanzierung – die Werbe- und Abo-Einnahmen – reichen für viele Medien nicht mehr aus. Gleichzeitig ist die Mediennutzung der Schweizer:innen heute sehr vielfältig. Medien müssen immer mehr Kanäle bedienen und dabei jedem Kanal gerecht werden. Das erfordert Ressourcen in einer Phase, in welcher der Journalismus finanziell unter Druck steht. Das Medienpaket kann einen Beitrag leisten, den Journalismus wieder zu stärken.

Zusätzliche Grafiken/Information in diesem Twitter-Thread.